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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-24 · Heft 17 (24.4.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 17 (24.4.1883)
Date
1883-04-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthunls. Cm imparteiischcs Organ fiir allrs Wische Interesse. Diese Leitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SL) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Gzepeöition: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man stch an vr. 2. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsallS an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 24. April 1883. JVo. 17. Inhalt. Leitende Artikel: Am Peßach. — Ein Paradoxon. — Ein Zeugniß. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Leipzig, Beuthen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Moskau. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Das Baruch Auerbach'sche Waisenhaus für jüdische Knaben in Berlin. j i i Bonn, 18. April. Ä.M peßach. rmn5 nnsyo „Bon Knechtschaft zur Freiheit." Dies der Wahrspruch des Peßach. Um dies im Bewußtsein des Volkes zu erhalten, wurde das Peßach als jährliches Fest eingesetzt, und in die Liturgie des Peßachabends der Satz eingefügt nach der Anordnung der Väter (Peßachim 116, 2): „Der Ewige führt uns heraus von der Knechtschaft zur Freiheit, von Kummer zur Freude, von Trauer zur Festeslust, von der Dunkelheit zu großem Lichte und von der Dienstbarkeit zur Erlösung." Noch mehr, die Erinnerung an die Befreiung „aus dem Hause der Knechte" wurde in das tägliche Gebet, selbst in das Dankgebet nach Tische eingeführt. Die Freiheit, die Befreiung von jeder Knechtschaft, der materiellen wie der geistigen, war und ist das Fundainent des ganzen Judenthums. An der Spitze des Grundgesetzes stehen die Worte: „Ich bin der Ewige, der dich herausgeführt aus dem Hause der Knechte," und das edelste Gebot des Gesetzes beginnt mit den Worten (3 Mos. 25, 10): „Rufe Freiheit aus im ganzen Lande für alle seine Bewohner!" Darum sagen die Väter: „Auf den Tafeln, die Moses auf dem Sinai empfangen, stand die Freiheit verzeichnet." (Erubin 54, 1.) *) Und in der Geschichte des jüdischen Stammes hat sich dieser Ausspruch bewährt. Er wurde befreit von der Knechtschaft der Babylonier, von der Knechtschaft der Perser, von der Knechtschaft der Macedonier und Syrer, von der Knechtschaft der Römer und von der langen und schweren Knechtschaft des Mittelalters. Ueberall bewährte es sich, daß die göttliche Weltordnung das Menschengeschlecht von der Knechtschaft zur Freiheit führt. Es war und ist ein langer Kampf, denn des gesellschaftlichen Triebes im Menschen bemächtigte sich alsbald die rohe Gewalt im Dienste'der Herrschsucht und der Habgier. Aber der Kampf regt auf und stärkt den Widerstand, und so zeigt sich immer von Neuem, daß die Freiheit und das Verlangen nach ihr stärker ist als alle Gewalt. Darum wich denn auch das Vertrauen auf die kommende Befreiung niemals aus dem Herzen des jüdischen Stammes, niemals die Zuversicht auf die göttliche Lenkung der Geschicke, und so wiederholten seine i Söhne Jahr für Jahr: „In diesem Jahre Knechte, im kom-!wenden Jahre freie Männer!" Die Jahre kamen und gingen, -und die Stunde der Befreiung ließ lange auf sich warten, aber sie kam. Und so lebt dieses Vertrauen auch noch in den Söhnen unseres Stammes, deren Schultern noch schwer!zu tragen haben an der Knechtschaft. Und so lebe dieses j Vertrauen auch in uns, wenn mächtige Parteien die dunklen Wolken der Knechtschaft auch über uns wieder heraufführeu ' wollen. Der immer wieder auffrischende Luftzug der Freiheit j vertreibt die Wolken vom Horizonte und läßt die Sonne der i 1) Mit Bezug auf 2 Mos. 32. 16: nnr; xKs nrn ’ipn Kn ] (Erubin 54, l). 17

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