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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-17 · Heft 16 (17.4.1883) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 16 (17.4.1883)
Date
1883-04-17
Page
Seite 261 (sequence 11)
Language
German
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261 storbenen anhing, war er tief in der Achtung gesunken, bevor er in das Grab sank. Uebrigens bemerke ich auch für Auswärtige, daß er nicht für Krakau, sondern für Kolomea gewählt war. Allgemein ist man auf die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit gespannt. Rußland. Petersburg, 1. April. Gurko, der Generalgouverneur von Odeffa, hat, wie uns die Nowoje Wremja mit Genugthuung verkündet, dem Ministercomitö eine Denkschrift eingereicht, worin er nachweist, daß das jüdische Element dem Süden Rußlands ungeheuren Schaden zufügt. Der General setzt dem Ministerrathe hauptsächlich auseinander, daß die Schulen unter dem Besuche jüdischer Kinder leiden, welche letzteren einen unheilvollen Einfluß auf ihre christlichen Mitschüler ausüben sollen. Nach dem Berichte Gurkos wären die Schulen im Süden von Judenkindern „überfüllt". Ter Ministerrath hat nun diese Schrift des Generals dem Ministerium der Volksaufklärung zur Begutachtung übergeben und voraussichtlich wird dieselbe von da aus der sogenannten Judencommiffion (deren Chef bekanntlich Makow war) überantwortet werden, welche wiederum so Gott will nach einigen Jahren die Frage eifrig studiren wird. Petersburg, 2. April Ulan meldet von hier: Tie Commission zur Revision der Judengesetze in Rußland ist soeben durch einige Mitglieder verstärkt worden, deren Anhängerschaft für Jgnatiew unschwer errathen läßt, in welchem Geiste diese Revision vorgenommen werden dürfte. Die Neuernannten find: als Vertreter des Ministeriums des Innern der bekannte Führer des Petersburger Panslavisten-Comites, Profesior Bestuschew, vom Cultusministerium Bessonow - Grigorjewski, vom Domänen - Departement der Minister-Gehilfe! Weschniakow und vom Finanzministerium der Staatsrath Ermako. So meldet die Nowoje Wremja. — In dem heute hier eingetroffenen offiz. ruff. Blatte! Kijewljanin" vom 29. v. M. lesen wir: Bei einer neulichen Revidirung der Dokumente ausländischer Juden erklärt ein österreichischer Unterthan der Polizei, daß er kein Jude, sondern konfessionslos sei, d. h. gar keinen Glauben anerkenne. Ta in dem Reisepässe dieses Oesterreichers die Konfession nicht bestimmt ist, so ist die Polizei in großer Verlegenheit, wie sie jenem konfessionslosen Oesterreicher gegenüber verfahren solle, da man in Rußland eine Konfessionslosigkeit gar nicht kennt und auch das Zirkular des russischen Ministers des Innern bezüglich der ausländischen Juden in Rußland von einer Konfessionslosigkeit nichts erwähnt. — Der berüchtigte Lutostonski, der die judenfeindlichsten Schriften verfaßt hat, gleich Rohling ohne die geringste Kenntniß des Hebräischen zu haben, und wegen andrer Vergehen 1876 in ein Kloster eingesperrt worden, aus dem er jüngst entlassen worden, ist vor Kurzem aus Moskau ausgewiesen worden, weil er von einem jüdischen Kaufmann 50,000 Rubel verlangt hatte, unter der Drohung, im Falle der Weigerung das Volk gegen die Juden aufzuwiegeln. Odeffa, im April. Der russische Minister des Innern Graf D. Tolstoi gab, wie der „Odeßkij Westnik" („Odessaer Bote") meldet, den Polizeimeistern und Stadthauptleuten im ganzen Reiche Befehl, sämmtliche österreichisch-ungarischen Unterthanen mosaischer Confession, welche keine bestimmte Beschäftigung aufweisen können, binnen drei Monaten aus Rußland auszuweisen. (Das 90 Millionen-Land fährt fort, sich vor einigen Juden zu fürchten! Hat man denn in dem Ministerium dieses ungeheuren Reiches nichts zu thun, daß man sich mit der Verbannung einiger hundert Juden eifrigst beschäftigt? Nun, wieder eine Einnahmequelle für die Polizeimeister!) i Türkei.! Konstantinopel, im März. Der Antisemitismus hat sich, selbstverständlich durch europäische Agenten, auch hierher | verpflanzt. Es hat sich deshalb ein Comit« von 8 Mit | gliedern unter dem Vorsitz des Chacham-Baschi gebildet, um! die ungerechten Angriffe, namentlich einiger Journale, wie j der „Stambul", energisch zurückzuweisen.! Bonn, 8. April. (Notizen.) Man schreibt aus London: In London starb am 28 v. M. in seinem 64 Lebensjahre Mr. Nathaniel Montesiore, ein Neffe Sir Moses Montesiore's und des verstorbenen Barons Nathan Meyer von Rothschild (Gründer des englischen Hauses der Rothschilds). Der Verstorbene studirte in seiner Jugend Medizin, praktizirte indeß niemals und widmete seine ärztlichen Kenntnisse ausschließlich den Patienten des jüdischen Krankenhauses Mile-End (im Ostende Londons), dessen langjähriger Schatzmeister er war. Mit einem großen Reichthum verband er eine fast fürstliche Wohlthätigkeit. Er war mit einer Schwester des verstorbenen Baronets Sir Francis Goldsmid verheirathet. (Der Verstorbene hatte zwei Söhne, von deren der eine, Lionel, der in engl. Zeitschriften schon Beweise seiner Begabung gegeben, auf einer Reise durch Amerika starb, der zweite, Claude, so eben mit einem Aufsatze auf jüdisch-theologischem Gebiete, debutirte. Redaktion.) — Am 20. März fand die Generalversammlung der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler im Hotel de Taxe statt, an welchem Tage zugleich der Schriftführer derselben, Herr Louis Auerbach, das 25jährige Jubiläum als Vorstandsmitglied feierte. Der derzeitige Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, begrüßte den Jubilar und überreichte ihm im Namen der Gesellschaft ein Gruppenbild der Vorstandsmitglieder und der beiden Aerzte derselben. Die i ordentlichen Mitglieder schenkten eine künstlerisch ausgeführte 15*

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