Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1883)
- Date
- 1883-04-17
- Page
- Seite 256 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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256 reichten wohl auch die zu Gebote stehenden Mittel nicht aus.! Zuletzt bespricht er die Bedeutungen, die dem Blasen des Der Berf. der vorliegenden Broschüre bringt ein anderes j Schophars gegeben worden, namentlich wie diese von Saadia Projekt zur Sprache, nämlich einen gewölbten Kanal von den! aufgeführt worden, bleibt aber vor dem kabbalistischen Aber- Quellen am Libanon nach Jerusalem. Bon den hierbei zu! glauben stehen, der sich auch des Schophars bemächtigt hat. überwindenden Schwierigkeiten kann nur derjenige eine rich-j Warum? Fühlt man sich noch immer nicht berechtigt, diesem tige Ansicht erlangen, welcher die ganze hierbei in Betracht Unsinn, bei welchem der Satan seine Rolle spielt, die Maske kommende Strecke topographisch kennen gelernt hat. Der Vers, abzuziehen? Wenn man so viel Schönes und Bedeutungsbehebt die Zweifel allerdings dadurch nicht, daß er die großen volles über seinen Gegenstand zu sagen gehabt hat, wie es Werke anführt, welche unsere Zeit in allen Welttheilen aus-! der Berf. gethan, so darf man sich nicht scheuen, dem Feinde geführt hat bis zu den Wafferwerken von Melbourne. Die Höhe derjenigen Gipfel des Libanon, die in Betracht kommen, beträgt von 2210 bis 3200 Meter, man würde demnach selbst von der Mitte dieser Berge aus auf Sion noch eine Steigekraft von 212 Meter haben. Das Master zum Speisen des Kanals ist in großer Maste vorhanden. Die Länge des Kanals betrüge 22 - 23 deutsche Meilen. Der Vers, rechnet darauf, daß der Sultan, Eigenthümer des ganzen Grund und Bodens, denselben gratis hergeben würde. Wie gesagt, wir selbst gestehen offen, daß wir ein Urtheil über diesen Plan nicht haben, und macht uns das, womit der Berf. den Leser für seinen Gedanken gewinnen will, eher stutzig. Er frägt sich, warum Saloinon und Herodes nicht schon auf diesen Gedanken gekommen seien, der doch so einfach und Jedem einleuchtend sei, der auf der Höhe des Zionsberges stehet und Umschau hält? Die Antwort bleibt er uns schuldig. Er glaubt nun, daß durch diesen Canal ganz Judäa nnd Samarien wieder bewäffert und zu den fruchtbarsten Landschaften werden würden, wovon er ein sehr farbenreiches Bild entwirft. Er sieht dann von allen Weltgegenden die Juden wieder nach diesem Lande ziehen und das jüdische Reich wieder Herstellen. Das Haus Rothschild gibt natürlich die Mittel dazu her und Rebbe Jsrolka aus Sadagora in der Bukowina führt seine zahlreiche chastidische Heerde dahin. Wir brauchen nicht zu bemerken, daß weder die plutokratifche noch die chasfidische Führerschaft, die der Berf. aufruft, uns gefällt. Durch diese stark aufgetragenen Bilder thut der Verf. seinem Project eher Schaden. Man hält dastelbe für eine Geburt erhitzter Phantasie, und doch glauben wir, daß ein Gedanke darin liegt, der einer genaueren Untersuchung und Erwägung würdig ist. — Le Schophar. Esquisse critique et historique par H Prague. (Paris, au Bureau des Archives israelites, 1883.) Der Berf. zieht aus den Büchern der heiligen Schrift alle Stellen heran, an welchen des Schophars gedacht ist, und zeigt, welche verschiedenartige Anwendung von diesem uralten geheiligten Instrument bei religiösen, militärischen und socialen Acten (Jobel) sowie an Freudenfesten gemacht wurde. Hierauf stellt er die Bestimmungen des traditionellen Gesetzes, namentlich über die durch das Schophar ausgeführten Töne zusammen, gibt eine musikalische Bestimmung der Fanfaren und die Liturgie des Schophars. aller echten Religiosität, dem abergläubischen Wahne scharf in das vergilbte und verknöcherte Antlitz zu schauen — gerade dadurch wird man die echte Würde der geheiligten Ccremonie für die Söhne unserer Zeit Herstellen und befestigen. — Wie wir schon bemerkt, ist von dem vielbesprochenen Bortrage Ernst Renans eine deutsche Uebersetzung erschienen: „Das Judenthum vom Gesichtspunkte der Raste und der Religion." (Basel, Bernheim, 1883.) Dem von uns ausgesprochenen Wunsche, daß die Uebersetzung durch eine geeignete Hand geschehe, ist vollständig genügt, denn sie ist ebenso getreu wie stießend und correkt. Unsere Leser wissen, daß wir mehrfachen Behauptungen und Bemerkungen Renans hinsichtlich der Reinheit des jüdischen Stammes die geschichtliche Richtigkeit absprechen müssen. Demungeachtet ist die allgemeine Anschauung, die Renan über Judenthum und Juden kund giebt, so gerecht und wohlwollend, daß wir auch der Uebersetzung eine recht weite Verbreitung wünschen. — Wir haben in dieser Ztg. über die trefflichen Arbeiten des Rabbiners vr. M. S. Zucker mandel zu Trier über die Tosefta mehrfach referirt, zuletzt Jahrg. 1881, S. 750. Er hatte als Schluß noch ein Gloffar versprochen, und dieses ist jetzt (Trier, Lintz. 1883) erschienen. Dastelbe ist eine befriedigende Arbeit von lexikographischem Werthe, besonders auch dadurch, daß die in den benutzten Lexicis nicht verzeichneten Wörter mit einem Sternchen versehen und so leicht gefunden und überschaut werden können. Möge das Verdienst des Berf. durch reichlichen Absatz belohnt werden. — Die Verwaltung der israelitischen Cultusgemeinde in München veröffentlicht die „Worte der Trauer", welche an der Bahre des vr. Ignaz Orten au, über dessen Hinscheiden wir ausführlich berichtet haben, gesprochen worden. Wir haben hier die Rede des i Rabbiners Dr. Perles, des Rechtsanwalts Dr. Rau im Namen j der Cultusgemeinde, des Notars vr. Hausmann im Auf-! trage der Notariatskammer, und des Rabbiners vr. Neubürger i aus Fürth im Namen der dortigen Gemeinde. Das Andenken! des Gerechten ist zum Segen! —