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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-10 · Heft 15 (10.4.1883) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 15 (10.4.1883)
Date
1883-04-10
Page
Seite 248 (sequence 14)
Language
German
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248 Haupte trug er ein sammtenes Käppchen. DaS Haupthaar war schneeweiß, ebenso der lange Bart, der von seinem Antlitze herabwällte. Zur Vervollständigung der echt polnischjüdischen Tracht umrahmten die Wangen die bekannten polnischen Löckchen. Rabbi Schreiber war von so wohlbehäbiger Gestalt, daß es ihm — insbesondere wenn er von einer Mahlzeit kam — Mühe machte, die paar Stusen zu seinem Sitz auf der äußersten Rechten zu ersteigen. Während der vier Jahre seiner reichsräthlichen Thätigkeit hat Rabbi Schreiber nie es über sich vermocht, als Redner aufzutreten. Er sprach — aber nicht etwa um einen Antrag zu stellen,! oder zu einer Gesetzesvorlage sein Votum abzugeben, sondern! nur insgeheim mit Mitgliedern des Ministeriums, dem Prinzen j Liechtenstein oder einem andern Führer der Rechten, denen j er — nachdem er ihnen aus seiner goldenen Dose eine Prise! angeboten — immer und immer wieder die Verderblichkeit der Reformschule schilderte. Das blaue Taschentuch hielt er stets in einer Hand bereit. Der polnischen Sprache war er nicht mächtig, darum wohnte er auch den Sitzungen des Polenklubs — dessen Mitglied er war - nicht an. Im Hause war er das Muster eines „Stimmsitzers". „Ja" oder „Nein" war Alles, was er coram publieo hervorbrachte. Sein Großvater, Rabbi Akiba Eger, war ein berühmter Talmudist, ebenso sein Vater, der Ober-Rabbiner in Preßburg und durch sein talmudisches Werk („Hatam Sofer") eine Autorität der orthodoxen Judenschaft geworden war. Dem Vernehmen nach wird sich sein älterer Bruder, der gegenwärtige Preßburger Rabbiner, zum Leichbegängnisse nach Krakau begeben. Ein geheimnißvoller Mordanfall. Auf dem in Weißensee belegenen Friedhof der jüdischen Gemeinde zu Berlin fand am 28. Sept. v. I. das bis jetzt noch unerklärte Verbrechen statt, daß zwei Kindergräber aufgerisien, die Leichen herausgenommen und über den Zaun geschafft wurden. Als sich nun am 27. d. Abend t/210 Uhr der auf dem Kirchhof der jüdischen Gemeinde in Weißensee wohnende Todtengräber Julius Slupecki von einem Geschäftsgänge aus Berlin zurückkehrend nach seiner Wohnung begeben wollte, bemerkte derselbe einen Mann auf dem Kirchhofe, der bei seiner Annäherung das Weite zu gewinnen versuchte. Slupecki rief den Unbekannten an und machte sich sodann, da er keine Antwort erhielt, an eine Verfolgung des Fremden. In dem Augenblick, als S. denselben fast erreicht hatte, drehte dieser sich plötzlich um und feuerte aus nächster Nähe aus einer Pistole einen Schuß auf S. ab, der die linke Hand desselben vollständig zerschmetterte. Ohnmächtig von Schmerz, mußte S. nun von einer weiteren Verfolgung abstehen und gelang es dem Unbekannten, in der Dunkelheit zu entkommen. Bei einer noch in der Nacht vorgenommenen Absuchung des Kirchhofes wurde die zur Ausführung der That benutzte Pistole gefunden. S. wurde sofort in seine Wohnung geschafft und in ärztliche Behandlung gegeben. Ob ein geplanter Mordanfall oder ein anderes Verbrechen, das auf dem Kirchhof ausgeführt werden sollte, vorliegt, dürfte erst die eingeleitete Untersuchung ergeben. Von dem Attentäter fehlt vorläufig noch jede Spur. Am anderen Tage mußte dem Verwundeten die Hand amputirt werden. Die Gemeindeverwaltung hat im Bezug auf beide Verbrechen je 500 Mark als Belohnung für die Ermittelung der Thäter ausgesetzt. Anzeigen. 1werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- AJLLövI KX» tv folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Die Stelle des Ersten Beamten, dem die Funktionen des Religionslehrers j und Borbeters obliegen, ist mit einem! Jahresgehalt von 2000 Mark zum' 1. Juli, event. auch später, bei uns zu besetzen. Bewerber wollen Zeugniffe (nur in Abschrift) und ihren Lebenslauf einsenden. (4883) Die Shnagogengemeinde zu Neiße. Wir suchen zum 1. Juli a. c. einen CnltuSbeamtea, der Borbeter, Schächter »ad geprüfter KeligionSlkhrer fein muß, bei einem jährlichen Gehalt von 1200 Mk., Nebeneinkommen über 600 Mk. Meldungen mit beigefügten Attesten und Angabe der Personalien an den Borstand der Synagogen- Sememde Sorau, R-L [B. 5140] Handels-Institut und Pensionat I. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn. [2573] Asyl für gemüths- und nervenkranke Israeliten. Aufnahme finden sowohl weibliche wie männliche Kranke; Kranke, die Heilung als auch Solche, die für ihr Leiden ein ruhiges Asyl suchen. Bestand der Anstalt seit dem Jahre 1861. Gesunde ruhige Lage, allen gerechten Auforderungen entsprechende Einrichtung. Prospecte ans Verlangen. [34. 5001] Bayreuth (Bayern), Dr. Würzburger, im März 1883. dir. Arzt,

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