Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1883)
- Date
- 1883-04-10
- Page
- Seite 246 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Durch diese Erklärung, welche von Zeugen vidimirt erscheint,! rauf versammelte sich der Kultusvorstand zu einer Besprewird bestätigt, daß zu Jenen, die auf die Untersuchung Einfluß; chung. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, vr. Smolka, hatten, auch solche Personen gehören, die hierzu keineswegs! und der Obmann des Polenklubs, v. Grocholski, wurden competent waren. Diesbezüglich bezeichnet die Erklärung aufs' von dem Ableben Schreiber's telegraphisch verständigt. Zugenaueste Zeit, Ort, Personen und alle Umstände. (Ob wohl! gleich erging an mehrere Rabbiner Galiziens die Einladung, der Justizminister Pauler auch diese Erklärung ignoriren dem am Dienstag stattfindenden Leichenbegängisse beizuwohnen." wird, weil man sich in den Prozeßgang nicht einmischen > Krakau, 27 März. Man berichtet von hier, daß gestern dürfe? d. h. die gröbsten Gesetzesverletzungen auch von Auf-i Abends der aus Preßburg gebürtige Reichsraths-Abgeordnete sichtswegen dulden muffe!) Pest, 28. März. (Privatmitth.) Die Reichstags-Abgeordneten Wahrmann und Jstoczy, welche sich bekanntlich am 11. Juni v. I. duellirten, wurden des Duellvergehens schuldig erklärt und hierfür einzeln zu je acht Tagen Staatsgefängniß verurtheilt. Sowohl Wahrmann und Jstoczy als auch der Staatsanwalt appellirten. — Am 22. d. M. starb in Großwardein Herr E. Ehrlich, der viele Jahre Rabbiner in Fünfkirchen war. Seine ansehnliche Bibliothek vermachte er dem hiesigen Landes-Rabbiner-Seminar. Lemberg, 26. März. Anläßlich des aus die Initiative des Reichsraths-Abgeordneten Rabbi Schreiber veröffentlichten und von 320 gleichgesinnten Rabbinern unterfertigten Manifestes, worin über die Führer der jüdischen Fortschrittspartei in Galizien Bann verhängt und gleichzeitig den Gläubigen verboten wird, Reformjuden in den Gemeinderath, in den Landtag, in den Reichsrath und in die Handelskammer zu wählen, hat die Ober-Staatsanwaltschaft den hiesigen Staatsanwalt angewiesen, Borerhebungen, eventuell eine strafgerichtliche Untersuchung wegen Verbrechens der! Erpreffung einleiten zu laffen, zumal in dem erwähnten Manifest die orthodoxen Juden unter Androhung der Acht! zum Aufgeben jeglichen Verkehrs mit ihren fortschrittlichj gesinnten Glaubensgenossen aufgefordert, sie somit im Sinne | Rabbi Simon Schreiber plötzlich gestorben sei. Dieser Tod steht in ursächlichem Zusammenhänge mit der jüngst gemeldeten Maßregel des Lemberger Staatsanwaltes gegen den Rabbiner. Auf Grund des Gesetzes: „Von kirchlicher Amtsgewalt darf niemals zum Zwecke Gebrauch gemacht werden, um die freie Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte zu hindern", sieht sich bekanntlich der Staatsanwalt bemüßigt, gegen eine Anzahl orthodoxer Rabbiner Galiziens, die durch ihren Fanatismus getrieben, sich zur Verhängung des Kirchenbannes gegen die Führer der jüdischen Fortschritts-Partei hinreißen ließen und an deren Spitze Rabbi Schreiber stand, strafgerichtlich einzuschreiten. Schreiber wurde hiervon gestern verständigt. Er wurde durch die Mittheilung dermaßen erschüttert, daß er einen Herzschlag erlitt, dem er auch erlegen ist. Schreiber war im Jahre 1820 zu Preßburg geboren und entstammt einer Familie, in welcher das Rabbinat gewifsermaßen erblich ist. Sein Vater war Ober-Rabbiner in Preßburg. Während sein älterer Bruder nach dem Tode seines Vaters deffen Nachfolger geworden, wurde Simon Schreiber bereits im 22. Lebensjahre Rabbiner in Mattersdorf und später in Krakau. Großbritannien. London, im März. Am 11. d. verschied der Prediger der großen Portland-Synagoge, Herr A. L. Green, plötzlich des $. 1'S des Strafgesetzes zu einer Unterlaffung gezwungen werden. In Folge dessen hat bereitgestern in der hiesigen«nem Schlaganfall mitten -ns der Straße. Green war Druckerei des von orthodoxen Juden unter der Aegide des enr Abgeordneten Schreiber herausgegebenen Blattes „Machsike Hadaß" eine behördliche Revision stattgefunden, bei der die ganze Auflage der Nummer 8 der genannten Zeitschrift sammt dem Manifeste der Rabbiner mit Beschlag belegt wurde. Lemberg, 27. März. Der Landtagsabgeordnete Zucker, Vorstand der Lemberger Judengemeinde, wurde heute von dem hiesigen Gerichte in Angelegenheit des Bannfluches der orthodoxen Rabbiner vernommen. lieber das Ableben Schreibers entnehmen wir der „N. 1 fr. Presse" folgende Details: „Rabbiner Schreiber fühlte sich seit Sonntag etwas unwohl. Am Montag sprach er noch mit mehreren Personen, welche ihn besucht hatten, über verschiedene Angelegenheiten; um 5 Uhr Nachmitags wurde t er plötzlich ohnmächtig, und nach kurzer Agonie trat der Tod ■ ein, wahrscheinlich in Folge eines Herzschlages. Gleich dasehr berühmter Kanzelredner und hatte einige Stunden vorher in einer Versammlung behufs Erweiterung der israelit. Schule eine ergreifende Rede gehalten. Die Theilnahme an dem plötzlichen Hinscheiden des hochgeachteten Mannes ist eine allgemeine. — Die englische Regierung hat über den auch in dies. Ztg. erwähnten Vorgang zu Marokko eine genauere Untersuchung anstellen laffen. Der Urheber dieser Mishandlung von 9 jüdischen Mädchen war ein gewiffer Amiel, als Dolmetscher bei dem englischen Consulat angestellt, ein Jude, der seinen Sohn in unsittlichem Verhältniß zu einem dieser Mädchen glaubte und auf diese Weise an den Schuldigen und Unschuldigen sich rächen wollte. Amiel ist sofort seines! Amtes entlassen worden und hat die Gelegenheit wahrge-; nommen, zu entwischen und sich — nach Palästina zu begeben. Bonn, 1. April. (Notizen). Der ehemalige nordamerikanische General-Consul Peixotto, jetzt in derselben