Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1883)
- Date
- 1883-04-10
- Page
- Seite 244 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Kaiser nach Deutschland zurückgekehrt war, hatte er sich nach 1 Gebühr der schmählich Mißhandelten angenommen. Allen, die man zur Taufe gezwungen, erlaubte er die Rückkehr zum Glauben ihrer Väter, und selbst das Einschreiten Wiberts (deS Gegenpapstes, der es mit Heinrich IV. hielt) bewog ihn nicht, die Erlaubniß zurückzuziehen. Bald ließ er auch strenge gerichtliche Verfolgungen gegen die Ruchlosen anstellen, die sich an dem Morde und der Beraubung der Juden betheiligt hatten. Untersuchungen wurden im Jahre 1098 in Speyer eingeleitet, wie in Mainz, wo sich Ruthard, der eigenen Schuld bewußt, zu widersetzen versuchte. Als der Kaiser auch die Verwandten des Erzbischofs zur Verantwortung zog, stellten sie sich nicht vor dem Richterstuhl; der Erzbischof suchte sie zu vertheidigen, aber vergeblich. Da er an ihrer Rettung verzweifelte und sogar für sich selbst fürchtete, verließ er mit ihnen die Stadt und begab sich nach Thüringen rc." — Aber der Funke des wüthendsten Fanatismus, den die Führer des erstes Kreuzzuges, fanatische Priester und wüste Rittersleute, unter die Masse des deutschen Volkes geschleudert hatten, verlosch nicht mehr; er glomm unter der Asche fort und loderte von Zeit zu Zeit in Hellen verzehrenden Flammen auf zur Befriedigung fanatischer Mordlust. — 3 4 %C\X\AA\<£>VY<XC fyvictyCcW. Deutschland. j Aus Württemberg, 28. März. (Privatmitth.) Nach Berlin, 27. März. (Privatmitth.) Der Gemeindebund, dem im heutigen Staatsanzeiger veröffentlichten Berichte des hat schon längere Zeit in Absicht, einen „Normal-Plan für Justizministeriums, betreffend den Stand der gerichtlichen den Religionsunterricht in der ein- und mehrklassigen jüdischen j Elementarschule" auszuarbeiten. Nachdem der Entwurf des! Lehrers Cornelius für einen solchen zur Begutachtung versendet! worden und 43 Fachmänner ihre Ansichten abgegeben hatten, hat eine Commission Berliner Fachmänner unter dem Vorsitz des Prof. Steinthal einen neuen Lehrplan ausgearbeitet, und diesen > versendet jetzt der Gemeindebund zu nochmaliger Besprechung.! Es soll durch ihn Klarheit über den desfallsigen Lehrstoff! und die zweckmäßige Vertheilung desselben auf die Unter-! richtsstufen verbreitet werden. Es versteht sich, daß hiermit! dem einzelnen Schulvorstande und dem Lehrer selbst Ansicht und Freiheit der Thätigkeit nicht beschränkt werden soll und kann. Es wird nur ein wohlzubeachtender Rath ertheilt und daß bei jeder Ausarbeitung eines Lehrplanes für eine Schule j der Anhalt gegeben wird, an welchen die Verschiedenheit des! Bedürfnisses und der Lokalverhältniffe anzusetzen vermag.! — Die wegen Eidesverweigerung erfolgte schöffengericht-! liche Verurtheilung des Predigers Hapke zu 300 Mk. Strafe war auf dagegen geschehene Appellation vom Landgericht auf Ist) Mark ermäßigt worden. Darauf hin hatte Herr Hapke ein Begnadigungsgesuch eingereicht, das aber, wie die „Berl. Mont.-Ztg." mittheilt, abgelehnt worden ist. — Der Ausschuß des Gemeindebundes ersucht uns mitzutheilen, daß die Philippson-Stiftung zum 1. Mai einige Summen zur Unterstützung für den Eintritt von Lehrern in Hülfsvereine flüssig hat. Anmeldungen bei Geheimrath Kristeller in Berlin, Siegismundstr. 5. Straßburg, im März. Der diesjährige Landesausschuß für Elsaß-Lothringen hat für den israelitischen Kultus 153,250 M. ausgesetzt, was, da der protestantische Kultus 588,860 M. und der katholische 2,030,640 M. erhält, immerhin ein sehr günstiges Berhältniß einhält. Strafanstalten in Württemberg, betrug die Zahl der jüdischen Gefangenen nach dem letzten Rechenschaftsbericht: 23 (1,05«/« der ganzen Zahl). Fm Laufe des Verwaltungsjahres wurden eingeliefert 16 Gesammtzahl 39 Von diesen sind in diesem Jahre entlassen worden 23 gestorben- 2 zusammen 25 Abgang an dieser Zahl 25 Verbleibt Stand am Ende des Verwaltungsjahres 14 folgliche Abnahme 9 — 39% Die Abnahme bei den Evangelischen betrug 67 — 4,97% Die Abnahme bei den Katholiken betrug 16 — 2% Der Württembergifche Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten hatte Pro 1. Juli 1881 bis 3l. Dez. 1882: 23 410 Mk. Einnahme, wovon 21 247 Mk. in 3494 Gaben verausgabt wurden. Vorort des Vereins ist seit dessen Gründung Heilbronn. Die Gemeinden Cannstatt, Hechingen und Göppingen haben ihre Beiträge erhöht. Einige Gemeinden, welche voriges Jahr ausgetreten sind, haben heuer wieder um Aufnahme nachgesucht. — Die Borstandschaft des israel. Waisenvereins wurde von dem Ausschüsse desselben Herrn B. H. Goldschmidt in Stuttgart übertragen. Der verstorbene Vorstand Hofrath Levi hat sehr namhafte Stiftungen gemacht, unter anderen 2000 Mk. für arme Schüler in Stuttgart. Der König hat den Geheimen Hofrath von Kaulla von der Stelle eines Oberkirchenvorstehers bei der israel. Ober! kirchenbehörde seinem Ansuchen gemäß, übrigens unter Bor j behalt der Ehrenmitgliedschaft bei diesem Collegium, enthoben und auf die beiden erledigten Stellen eines Oberkirchenvvr , stehers bei der K. Jsr. Oberkirchenbehörde den Fabrikanten