Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1883)
- Date
- 1883-04-10
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
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236 einanderzusetzen, woraus das Christenthum nicht entstanden sein könne", nämlich „aus einer Befruchtung des Judenthums mit hellenistischen oder orientalischen Ideen". Diese jetzt so weit verbreitete Meinung beruhe nur auf „der traditionellen Verwechselung von Theologie und Religion". Es handele sich hier aber nicht um die Entstehung der christlichen Theologie, sondern um die der christlichen Religion, die allein in Jesus ihren Ursprung zu suchen habe. Er habe das Ideal des ethischen Monotheismus „von den rituellen, asketischen, national-politischen Bedingungen befreit", und hiermit das Christenthum zur Weltreligion gemacht. Allerdings hat Kuenen diesen Gedanken nicht vollständig auslogie und Religion hervorgehoben haben. Uns scheint nämlich die ganze Frage falsch gestellt. Sie darf nicht lauten: welche der drei großen Religionen, der Mohammedanismus, das Christenthum und der Buddhismus, die universelle, die Weltreligion sei? sondern vielmehr: in welcher derselben, und in welcher Religion überhaupt, am meisten Universelles enthalten und am nachdrücklichsten entwickelt sei? Denn wir behaupten, daß universelle Elemente in jeder Religion enthalten und daß von den drei genannten auf Grund der Definition, die Kuenen gegeben, keine den „wahrhaften Universalismus" enthalte und ausspreche, keine die wahre „Weltreligion" sei. gesprochen und begründet, und dies macht ihm Bender zum Wir wollen dies mit wenigen Strichen erweisen, indem wir Vorwurf. Warum Kuenen dies nicht gethan, erscheint uns! dabei voraussetzen, daß Niemand uns der polemischen Abwiederum nicht zweifelhaft. Was uns von der Person Jesu! sicht gegen das Christenthum zeiht. da es uns eben nur überliefert worden, zeigt durchaus nicht, daß er das rituelle um die vorurtheilslose Erörterung des ausgestellten Problems und asketische Moment des Judenthums beseitigt, sondern gilt. Zuvörderst sehen wir, gleich den beiden andern Relinur eine freiere Handhabung des Gesetzes verlangt habe, gionen, das Christenthum in zahllose Sekten gespalten. Bald Nur so spricht er sich z. B. über den Sabbath aus, nur so ( nach dem Entstehen desselben zeigt uns die Geschichte eine feiert er das Peffach in herkömmlicher Weise, und tritt entgroße Mannigfaltigkeit streitender Ansichten und die tiefschieden für den ewigen Bestand des Gesetzes ein und daß an Moses und den Propheten kein Buchstabe geändert werden gehendste Zerrüttung, die blutigsten Kämpfe, die selbst auf den Schlachtfeldern ausgefochten wurden, bis die eine oder die dürfe (Matth. 5, 17. 18. u. a. £>.). Ja, wenn er die po-andere Partei oder Sekte gesiegt und die andere vernichtet litischen Bedingungen des nationalen Bestandes nicht anhatte. Wir sehen dann das Christenthum in zwei umfassende erkannte, so doch die nationalen Bedingungen, da er seine Kirchen gespalten, und gerade als durch die Reformation ein Lehre nur für die Juden bestimmte (das. 9, 5.). Es scheint j Schritt auf dem Gebiete des Universellen vorwärts geschehen uns, als ob Bender hier in denselben Fehler verfällt, welcheni sollte, entstehen daraus viele neue Kirchen und zahllose kleier dem Autor hinsichtlich jener Hypothese über die Entwicke-! nere Sekten. Dies widerspricht aber dem Charakter des Unilung der israelitischen Religion vorwirft, nämlich wichtige! dersalismus vollständig, der in dem allgemein Menschlichen, Momente außer Acht gelassen zu haben, die gerade historisch also in dem Alle Vereinigenden besteht und in Spaltung und ebenso viel bezeugt sind, wie die, welche seinen Voraus-! Zersplitterung seinen Gegensatz hat. Zweitens, wenn dem setzungen zu Grunde liegen. Bezeugt doch der Kampf, wel-j Christenthum ein „Herausarbeiten aus dem Rituellen, Askecher später über die Zulassung von Heiden überhaupt und! tischen und Dogmatischen" zugeschrieben wird, wodurch es zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen über die „den Bedingungen des wahrhaften Universalismus allein Geltung des Gesetzes entbrannte, daß diese Fragen längere; entspreche", wenn dem Judaismus nachgesagt wird, daß er Zeit selbst nach dem Tode Jesu ungelöst, also von diesem! das Ideal des ethischen Monotheismus „von den rituellen, selbst noch nicht gelöst waren.! asketischen, national-politischen Bedingungen freizufiellen nicht Allein wir sind weit entfernt, uns in diese Streitfragen vermocht habe," so fragen wir, ob dies dem historischen einzulasfen. Das Ergebniß Kuenen's ist: „Das Sittliche ist Chriftenthume wirklich gelungen sei? Niemand wird ernstlich das allgemein Menschliche, das wahrhaft Universelle. Sofern das - leugnen können, daß das Christenthum von seiner Entwicke- Christenthum das Sittliche in seinem specifischen Charakter aus! lung an sofort zur Aufführung eines dogmatischen BaudemRituellen, Asketischen undDogmatischen erst herausgearbeitet Werks geschritten ist, aus welchem es seitdem herauszukommen und zu seinem Organisationsprinzip gemacht hat, entspricht nicht vermochte. Es hat eine Reihe von Dogmen ausgestellt, es auch allein den Bedingungen eines wahrhaften Universanctionirt und zu seinem wesentlichen Inhalt, zu seinem salismus." Wir wollen über die Geschraubtheit und Ber- Charakteristikum gemacht, mehr als je in seinem Vorgänger klausulirung in diesen Sätzen hinwegsehen und deren Inhaltj im Judenthum vorhanden gewesen. Ebenso wenig hat es so verstehen, wie ihn Kuenen und Bender wohl gemeint sich auch vom Rituellen und Asketischen freigemacht; vielmehr haben, und da scheint er uns auf einem Jrrthum zu be- * bildete es sich, wir brauchen nicht zu sagen aus welchen Eleruhen, der aus einer ähnlichen Verwechselung entsprungen,' menten, einen vielgegliederten Ritus, den auch der Protestanwie die beiden Herren sie in der Jdentisicirung von Theo-, tismus nur zu vereinfachen vermochte; die Askese aber wurde