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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-10 · Heft 15 (10.4.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 15 (10.4.1883)
Date
1883-04-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Audmthmns. Ein im-arteiischcs Organ für alles jüdische Jntereffe. (Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste j Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern^ außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KzepeöiLiorr: Leipzig, Htoßpkcth 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man fich an vr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagSbandlnng. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Iehrgaug. Leipzig, den 10. April 1883. Ko. 15. Inhalt. Leitende Artikel: Bolksreligion und Weltreligion. — Die Bannflüche .der sogenannten Orthodoxen in Galizien. — Die Ursachen der Judenverfolgungen im Mittelalter. Bon M. Mannheimer in Darmstadt. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Straßbura, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. Lemberg, Krakau. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. — Vermischtes. Seite'iiDc £«£ Bonn, 4. April. Volksreligion uud Weltreziou. Der rühmlichst bekannte holländische Theologe A. Kuene», Profeffor in Leyden, hat fünf Vorlesungen unter obigem Titel veröffentlicht, die auch in einer deutschen Uebersetzung erschienen find. (Berlin, Reimer 1883.) Sie geben uns Beranlaffung, namentlich an der Hand eines in der „Beilage zur Allgemeinen Zeitung" vom 18. März enthaltenen Referats des Prof. W. Bender in Bonn, auch an dieser Stelle über den Gegenstand uns auszusprechen. Der Bersaffer zieht für sein Problem die drei historischen Religionen: den Mohammedanismus, das Christenthum und den Buddhismus, welcher letztere bekanntlich die bei weitem größte Zahl von Bekennern besitzt, in Betracht. Aber indem er im Vergleich zum Christenthume den beiden anderen den eigentlichen Charakter der Weltreligion abspricht, widmet er den größten Theil seines Werkes der Entwickelungsgeschichte der israelitischen Religion. Gerade auf diesen Theil jedoch wollen wir jetzt nicht näher eingehen, da er in seiner Ausdehnung für die Lösung der Frage im Sinne des Verfassers nicht einmal erforderlich gewesen wäre. Kuenen huldigt der sog. Graf'schen Hypothese, welche einen „nationalen Javeh- Dienst, der fich nicht wesentlich von anderen nationalen Kulten unterschieden habe", annimmt, auf diesen den israelitischen Prophetismus folgen läßt, der, durch „die Ausbildung j der sittlichen Momente zu dem Ideal eines universellen sittlichen Monotheismus fich erhebt, ohne dieses Ideal in der! Bolksgemeinde realifiren zu können", worauf dann das j Christenthum diese „nationale Kultusform gesprengt und! ihren universellen Kern — den ethischen Monotheismus, als Organisationsprinzip für eine von Ort und Zeit innerlich unabhängige Menschheitsgemeinde" erhoben habe. Mit Recht hebt Bender dieser Hypothese gegenüber hervor, daß sie den Organisationspunkt für jenen „JavehDienst" nicht anzugeben wisse und daß sie, was das Wichtigste ist, für Moses und das Gesetz gar keine Stelle hat, die doch unleugbar vor dem Exil und vor dem Prophetismus existirten und im Volke lebten. Hiermit ist über diese Hypothese der Stab gebrochen. Denn wenn in einer Entwickelungsgeschichte dasjenige Moment fehlt und unbeachtet bleibt, das in Wesen und Aussprüchen von allen späteren Phasen als ihre eigentliche Wurzel anerkannt worden, so giebt jene eben kein zutreffendes Bild dieser Entwickelung, sondern nur ein willkürliches Phantasiegemälde, das einige Linien und Farben i von der Geschichte entlehnt, jedoch nur aus eigenen Boraus- I setzungen und Annahmen componirt ist. Der Grund dieses j Verfahrens scheint uns nicht zweifelhaft. Im Mosaismus ist der ethische Monotheismus in der bestimmtesten und klarsten Weise ausgesprochen, zugleich jedoch, weil er, um Existenz zu erlangen, auf ein Volk übertragen werden mußte, innerhalb einer nationalen Beschränkung begründet, die aber den Eintritt andern Volkselementen nicht versagte, und welche die Propheten als in der Zukunft durch den Eintritt aller Völker aufgehoben betrachteten. Der Vers, weiß auch recht klar aus-

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