Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1883)
- Date
- 1883-04-02
- Page
- Seite 231 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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231 in Berlin oufgeführt wurde. Wolfs gab den Orest, seine Thiersch, Klenzc, in Tüffeldorf endlich Schadow und Jmmer- Gattin die Klytemnestra, die Crelinger die Elektra, und dieser' mann an. Mit der Julirevolution vermochte er sich nicht vorzüglichen Besetzung war hauptsächlich der reichliche Beifall zu befreunden, obgleich er ein Gegner der bourbonischen zu danken. Doch ist bemerkenswerth, wie selbständig und geschickt der junge Dichter mit dem aus dem Alterthum überlieferten Stoffe verfuhr, wie er an die Stelle der grausen Ate der antiken Tragödie allgemeine menschliche Motive (Haß Restauration und Freund eines doktrinären Liberalismus war. Die eiserne Logik der Thatsachen zerstörte ihm die poetische Stimmung, wie er selbst gestand. Sein letztes Trauerspiel, „Schwert und Hand", ist ein Abfall gegen die Klytemnestras gegen Agamemnon wegen der Opferung der früheren. Das Stück zeigt eine erdichtete Handlung im Stil Iphigenie, wahnsinnige Liebe derselben zu Aegisth) setzte und die Titelhelden durch eine neue Wendung (Treulosigkeit des Aegysth gegen Klytemnestra) in den Vordergrund des tragischen Interesses rückte. Nach kurzer Studienzeit in Berlin ging Beer nach Italien, wo er ein neues Trauerspiel, „die der Jmmermannschen Haustragödie auf einem historischen Hintergründe aus der nächsten Vergangenheit. Aber dieser ist verfehlt, durch kein inneres Motiv mit der Handlung verknüpft, und diese selbst bewegt sich mit Hilfe einer ziemlich groben Maschinerie. Was das Stück auf der Bühne zu Bräute von Aragonien", vollendete. Es war ein Stück voll Falle brachte, war der moralische Selbstabsall der Heldin im südlicher Gluth und Feuers, aber beeinträchtigt durch eine kleine Jntrigue, nämlich die Verwechselung zweier Bildnisse. Die Idee soll ihm Goethes „Braut von Korinth" eingegeben haben; auch sinden sich Auklänge an Messina". Auf verschiedenen Bühnen X. Akt, welcher aber gerade die Katastrophe erst motivirt. Bon Paris nach München zurückgekehrt, war Beer Anfang 183:» von einem Uebelbefindcn ergriffen, welches, vernach- -chillers „Braut von lässigt und durch gesellige Zerstreuungen gesteigert, in ein eutschlands dargestellt hitziges Nervenfieber ausartete und am 22. März seinem errang das Stück einen Erfolg der Anerkennung. Biel grö- Leben ein Ende machte. Zwei Lustspiele, die er in Paris ßeren Beifall gewann der Dichter mit seinem 1 aktigen > versaßt hatte, zeigen verschiedenen Werth. Das eine, „Nenner Trauerspiel „Der Paria" und mit seinem „Struensee". In und Zähler", läßt bedauern, daß er in dieser Gattung nicht beiden Stücken führte er einen Helden vor, dessen edler und fleißiger war, da er entschiedenes Talent für Humor besaß freier Geist mit seinen humanen Wünschen und Zwecken an j und seine vielen Reisen ihm reichen Stoff an Menschenkennt der Rohheit der übrigen Menschen scheitert. Im „Paria" niß zuführten; das andere, „Der neue Toggenburg', ist unterliegt der Held den Vorurtheilen des religiösen Aber-I beeinflußt von der Routtne der modernen französischen Lustglaubens, im „Struensee" den Kabalen des Eigennutzes und; spielmacherei. Als lyrischer Dichter ist Beer wenig hervor» dcm Berrathe. „Der Paria", sagte Goethe, „kann füglich als i getreten, und seine Eczeugniffe aus diesem Gebiete lehnen sich Symbol der herabgesetzten, unterdrückten, verachteten Mensch-? zu sehr an fremde Vorbilder an, z. B. die „Genuesischen heit aller Völker gelten, und wie ein solcher Gegenstand allge-l Elegien", welche nicht nur im Bortrag, sondern selbst in der mein menschlich erscheint, so ist er dadurch höchst poetisch." Erfindung das Goethe'sche Muster allzu sehr durchscheinen (So war der „Paria" damals auch eine Schrift für die lassen. ll. Selm,. Emancipation der Juden.) Im „Struensee" schilderte der Dichter den Kamps humaner Rcgierungsprincipien, wie sie die aufgeklärten Regenten und Minister des vorigen Jahr^ Hunderts vertraten, gegen die Borurtheilc der alten Feudalzeit und die Schlangenkünste moderner Hofkabale. Ter „Paria" P Notizen. Darmsladt, im März 1883. In der am 13. Januar a. c. im ungarischen Abgeging über die meisten Bühnen Deutschlands und wurde in ordnctenhause von Maurus Jockai zu Gunsten der Juden fremde Sprachen übersetzt; die Aufführung des „Struensee" gehaltenen Rede kam, öffentlichen Blättern zu Folge, folgende verhinderten diplomatische Interventionen, doch gestattete sie' Stelle vor: „Als die Deutschen vor etwa 700 Jahren zu König Ludwig von Bayern. Am 27. März 1828 ging das Nürnberg den Kreuzzug unternahmen, da fragten sic, nach Stück in München über die Bretter. Hier, wie in Paris welcher Gegend man ausziehen müsse, um die Ungläubigen und in Düsseldorf hielt sich der Dichter, abgesehen von verschiedenen Reisen, im letzten Jahrzehnt seines Lebens aus. zu finden? Ta sprach der Klügste unter ihnen: „„Holet eine Gans her, wohin diese uns führt, das ist das Land der In Paris verkehrte er durch Vermittelung seines Bruders Ungläubigen."" Das ist nicht etwa eine Ausgeburt einer Meyerbeer hauptsächlich in Dichter- und Künstlerkreisen, z. B. Phantasie, sondern es befindet sich geschrieben in dem bemit Gerard, Casimir Delavigne. Victor Hugo, Bcranger, St. rühmten Werke von Miehaud’s »Histoire des croisades«. Hilaire, Jules Janin. In München zogen ihn besonders Und die Gans — wer weiß warum? — führte sie just in E. von Schenk, der Dichter und Minister, der nachher Biodas Judenvirtel hinein. Da hieß cs, hier sind die Ungläu» graph und Herausgeber seiner Werke wurde, ferner Schelling, bigen, und man erschlug die Juden." — Auch in dem zuerst