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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-02 · Heft 14 (2.4.1883) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 14 (2.4.1883)
Date
1883-04-02
Page
Seite 230 (sequence 12)
Language
German
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280 stantinopel, zu senden. Bewerbungen um Antheile gehen bereits mehr als nöthig ein und zwar aus den Kreisen der palästinensischen Juden selbst. Bonn, 25. März. (Notizen.) Man schreibt uns aus Wien: Herr Joel Deutsch, Director des israelitischen Taubstummeninstitutes, beging am 20. d. M. seinen 70. Geburtstag. Es sind die außerordentlichen Verdienste dieses Mannes um diese Anstalt, deren Geist und Seele er ist, bekannt, und ist es selbstverständlich, daß dem Jubilar bei dieser Gelegenheit zahlreiche Ovationen bereitet wurden. Möge es ihm noch lange gegönnt sein, zum Heile und zum Segen zu wirken. — Am 19. d. M. wurde Herr Dr. Brisker im 79. Jahre seines Lebens zur Erde bestattet. Sein Bruder war schon vor dem Jahre 1848 als Jude Major im österreichischen Heere. Er selbst fungirte lange Jahre als Erzieher im Hause Gomperz in Brünn. Nachdem seine Schüler und Schülerinnen (es find die jetzigen Damen von Wertheimstein, Baronin Todesco, Reichsrathsabgeordneter Gomperz und vr. Gomperz, Profesior der classischen Philologie an der Wiener Universität) herangewachsen waren, die ihm, wie hinzugefügt werden mag, bis zu seinem Tode in Brünn freundschaftlich zugethan waren, kam er als Erzieher nach Wien, begründete dann eine Privatlehranstalt und ertheilte Privatunterricht. Er veröffentlichte einige Schulbücher und mehrere Schriften auf dem Gebiete des Judenthums. Mehr als alles das aber, er war ein biederer und wackerer Charakter. Möge ihm die Erde leicht sein. — Aus Halberstadt wird geschrieben: Am 3. d. M. starb im Alter von 80 Jahren der Oberlehrer Gerson Lasch; derselbe stand sechzig Jahre der hiesigen Schule vor. Bonn, 19. März. (Kunstnotiz.) Man berichtet aus Rom von einem sehr interessanten Funde: In den Katakomben von San Pietro und Marcellino, nahe bei dem Mausoleum von Helena (Tor Pignattara an der Via Sabicana), hat man vor Kurzem ein Glas gefunden, in welchem der Plan des großen Tempels in Jerusalem mit vergoldeten Linien eingelegt ist. Nach der Versicherung des Commendatore G. B. de Rossi ist es das schönste und werthvollste Glas, was bis jetzt in römischen Katakomben gefunden ist. Ueber dasselbe geht der „Philolvg. Wochenschrift" aus Rom folgende genaue Beschreibung zu: „Targestellt ist auf einer Erhöhung ein Tempel mit vier Säulen Front, deffeu Giebelfeld durch den siebenarmigen Leuchter geschmückt wird. Zu beiden Seiten des Tempels ragt je eine isolirte Säule empor, während das Tempelareal an drei Seiten von einem Säulenportikus, vorn durch ein Gitter umschloffen wird. Stufen führen zu dem Tempel hinauf; davor ist ein Tisch dargestellt, auf welchem sich der siebenarmige Leuchter, goldene Basen und mehrere jüdische Insignien befinden. Seitwärts vom Tempel erblickt man zwei thurmähnliche Kuppelgebäude mit je einem Palmenbaum dahinter, in denen de Rossi zwei berühmte Gräber erkennen möchte, die sich in unmittelbarer Nähe des Tempels befanden. Zwei griechische Inschriften, von denen die eine den Tempel als „das Haus des Friedens" bezeichnet, ziehen sich um die Darstellung, welche nach de Rossi hohen topographischen Werth hat und etwa in der Zeit des dritten bis vierten Jahrhunderts nach einem älteren Vorbild gefertigt sein dürfte. Das Fragment soll demnächst im Bullettiuo di Archeologia Cristiaua veröffentlicht werden." Das Fragment ist jetzt in das Museo sacro der Vatikanischen Bibliothek gekommen. Ieuilleton. Michael 6tcr. ' mann eben erst 45 jährig, der unglückliche Grabbe noch nicht Unsere Leser haben fast Jahr für Jahr von dem Preis-j 35 jährig; ungefähr ebenso alt war Heinrich von Kleist, als ausschreiben der Michael Beerffchen Stiftung für jüdischerer in den selbstgewählten Tod ging, und Theodor Körner Maler und Bildhauer gelesen, und auch der Dichterruhm des! noch nicht 22 Jahre, als die feindliche Kugel ihn traf, früh verblichenen Bruders Meyerbeer's ist noch nicht verklungen.! Michael Beer war am 19. August 1800 geboren. Sein Es wird daher eine ausführlichere biographische Skizze, Vater war der reiche jüdische Bankier Jakob Herz Beer in welche die „V. Z." soeben brachte, hier eine Stelle zu finden Berlin, ein Mann, der von seinem Reichthum durch große haben, da bei dem Tode des Dichters die A. Z. d. Jud. Wohlthätigkeit und rege Gastfreundschaft einen edlen Gebrauch noch nicht erschien. - j machte. In seinem Hause verkehrten die bedeutendsten Schrift- Heute den 22. März vor 50 Jahren starb der junge! steiler und Künstler Berlins, z. B. Jffland, die Bethmann, und hoffnungsvolle Dichter des „Paria" und des „Struensee",! das Wölfische Ehepaar, die Crelinger. Durch ihren Umgang Michael Beer, der jüngere Bruder des berühmten Ton-> wurde in Michael, der auf dem Werderschen Gymnasium künstlers Meyerbeer, im Alter von noch nicht 33 Jahren-! unter dem trefflichen Zumpt seine humanistische Ausbildung Es ist merkwürdig, wie viele tragische Dichter Deutschlands j genoß, die Lust zur dramatischen Produktion geweckt und verhältnißmäßig jung gestorben find. Schiller war noch nicht genährt. Mit noch nicht 18 Jahren war er Berfaffer eines 46 jährig, als er der deutschen Kunst entriffen wurde. Immer-! Trauerspiels „Klytemnestra", welches am 8. Dezember 1819

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