Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1883)
- Date
- 1883-04-02
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
- Language
- German
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2*28 seiner Erscheinung noch hinzutrat, erwarb ihm die Liebenden. Eine Partei, die solches in ihrem Schoße erlebt, ist Aller. j wohl nicht lebensfähig. Zu der Beerdigung, welche heute Nachmittags 3 Uhr j Nyircgyhaza, 19. Mär;. Das Gutachten des Landesin München stattfinden wird, hat sich eine Deputation der Sanitätsrath es über die Tißa-Dadaer Leiche ist gestern hier hiesigen Cultusgemeinde begeben, um dem langjährigen Bor-1 eingettoffen und wurde heute referirt und sammt den Akten stände, Freunde und treuen Berather die letzte Ehre zu erder Staatsanwaltschaft übermittelt, welche das ganze Aktenweisen. bündel morgen der Ober-Staatsanwaltschaft behufs Antrag- Mit Ortenau geht eine der edelsten Gestalten zu Grabe. j stellung übersendet. Das Gutachten weicht in einigen Punk. Er hinterläßt eine ihm würdige, edelgefinnte Gattin, 2 Söhne j ten von dem der Universitäts-Fachautoritäten ab: die Leiche und 1 Tochter, wovon ein Sohn Jus, der andere Medicin studirt. Möge das Andenken Ortenau's fortwirken, der Jugend zur Nachahmung, dem Vaterland zur Ehre, der Menschheit zum Gewinne! Sigmund Heumann. Oesterreich-Ungarn. Pest, 20. März. Wie „Egyetörtes" aus Nyircgyhaza erfährt, hat Jankel Smilovits seine Aussage vor dem Staatsanwalt Läzär, sowie vor den Untersuchungsrichtern Megyeri und Vary zurückgezogen. Er berief sich auf den Kerecsöner Einwohner Groß und auf den Nemönyer Einwohner Weila, die es bestätigen können, daß er — Smilovits — jenen gewissen Tag, d. i. den 14. Juni, an welchem Tage er nach seiner ersten und, wie er behauptete, ihm einstudirten Aussage die Leiche in Pürkäny übernommen haben soll, in Kerecsen zugebracht habe. Zur falschen Zeugenaussage haben ihn — wie er behauptet — Vexationen, später Versprechungen bewogen. Der Gefängnißwächter Karancsey wurde auf höheren Befehl entlasten und läßt für denselben der Präsident des Gerichtshofes, Kornis, einen Sammelbogen cirkuliren. (Sind das nicht rührende Zustände? Auf höheren Befehl wird ein Gefängnißwärter, der eine Rolle in der Behandlung der jüdischen Gefangenen gespielt — nur entlassen, und diesem Befehle gegenüber sammelt der Präsident des Gerichtshofes Geld für den entlassenen Wärter!! Nun, Herr Kornis wird seine besonderen Gründe haben, für sein entlassenes Werkzeug zu sammeln!) — Wie wir schon bemerkten, war es ein Jrrthum, die „Unabhängigkeitspariei" habe sich wirklich von ihren antisemitischen Elementen befreit. Jetzt hat sie die Folgen ihrer Halbheit zu tragen. Die Zerrüttung in ihrer Mitte geht immer tiefer. Die Secessionisten, das sind diejenigen, welche die Antisemiten Hinauswersen wollen, werden vom 1. April könnt auch die eines zwanzigjährigen oder noch älteren Frauenzimmers sein; im Wasser sei dieselbe kaum länger als zwei Wochen gelegen; das Haar könne auch abrasirt worden, die Nägel können geschwunden sein. — Bertheidiger Dr. Heumann hatte heute in Anwesenheit des königl. Staatsanwalts und des Untersuchungsrichters die erste Begegnung mit seinem neuen Klienten Jankel Smilovics. Es entwickelte sich zwischen Smilovics und dem Bertheidiger folgendes Zwiegespräch : Bertheidiger: Ich bin Dr. Heuman, den Sie zum Bertheidiger gewünscht. Sagen Sie mir, mein Lieber, gegen welche Anklage soll ich Sie denn vertheidigen? — Smilovics: Legen Sie gütigst dar, daß ich unschuldig bin, daß nichts von dem, wessen man mich beschuldigt, wahr ist. — Bertheidiger: Wessen beschuldigt man Sie denn? Smilovics: Dessen, daß ich am 11. Juni in Tärkäny eine Leiche übernommen hätte. Am 11. Juni war ich gar nicht dort, von der ganzen Sache habe ich nichts gewußt, weiß auch jetzt nichts davon. — Bertheidiger: Sie haben ja doch, wie ich höre. Alles selbst gestanden? — Smilovics: Damals hätte ich alles Erdenkliche ausgesagt, ich hätte selbst Gift getrunken, wenn man es verlangt hätte. — Sie wissen ja, gnädiger Herr, wie man mit mir verfahren hat. . . . Hier unterbrachen ihn der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter und forderten Dr. Heumann auf, mit dem Fragenstellen einzuhalten. (Darf in Ungarn der Bertheidiger mit dem, den er zu vertheidigen hat, nicht frei verkehren?) Lemberg, 16. März. Der „Lemberger Israelit" theilt mit: Der h. galizische Landesschulrath hat mit Zuschrift vom 23. Febr. l. I. z. Z. 1866 den Lemberger isr. Cultusvorstand verständigt, daß das hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht in Erledigung der Immediateingabe dieses Vorstandes vom 12. Mai v. I. Zl. 50, mit Reskript vom; i'u an unter der Redaction Polonyi's ein neues Tageblatt heraus-j 12. Febr. 1883 Z. 1245 eingewilligt hat, daß vom Schulgeben. Hierüber großer Zorn bei dem Antisemiten Berhovay,! jahre 188311884 angefangen und so lange eine nainhaste der für sein Blatt „Figgetlenfeg" zittert. Er schrieb daher| Aenderung in der Zahl der gegenwärtig die Gymnasien in seinem Blatte, daß das herauszugebende neue Blatt mit srequentirenden Schüler mos. Glaubens nicht eintreten wird, jüdischem Gelbe gegründet und dazu ausersehen sei, jüdische als Remunerationen für die Ertheilung des mosaischen Reli- Jnteressen zu vertreten. Darauf gegenseitige Behauptung der > gionsunterrichtes nachstehende Beträge aus dem Staatsfonde Lüge, eine Herausforderung Berhovay's durch Polonyi. Das gezahlt werden sollen a) 360 sl. für das II. (sog. deutsche) Duell endete blutig, indem Berhovay schwer verwundet wor-! Gymnasium und b) ä 240 sl. ö. W. jährlich für das Franz