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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-02 · Heft 14 (2.4.1883) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 14 (2.4.1883)
Date
1883-04-02
Page
Seite 224 (sequence 6)
Language
German
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224 in der gedachten Abhandlung und in weiteren Aufsätzen dargelegt und Vorbilder dafür gegeben haben, die socratische Lehrweise obwalten und an diese sich dann ein beredter Bortrag des Lehrers schließen müsse. Ist doch auch dieser, in den unteren Klassen vielleicht auf eine halbe Stunde zu beschränkende Unterricht derjenige, in welchem die Begeisterung für unsre Religion und ihren Inhalt am lebhaftesten hervorzutreten und sich den kindlichen Gemüthern einzupflanzen vermag. Wir sehen, daß die Discussion über diese Fragen noch lange nicht abgeschlossen ist, und dies ist uns gerade ein Zeugniß, daß die israelitische Religionsschule volle Lebenskraft in sich besitzt und immer weiterer Entwickelung fähig ist. Vertreibung aus der Stadt bestraft. Die Kleiderhändler wurden durch strenge Bestimmungen vor Zudringlichkeit im Anbieten ihrer Waare und im Kaufe alter Kleider gewarnt. Speisen und Getränke durften nicht verkauft werden, ehe die dafür bestimmte Commission den Preis festsetztc. Das Spiel sollte nur an den Chanukatagen, an Purim und bei einer Wöchnerin unter näheren Bestimmungen gestattet sein." Interessant ist auch die Geschichte des großen Brandes, welcher am l4. Januar 1711 im Hause des Rabbiners Naphtali i Kohen ausbrach und fast das ganze Judenviertel verzehrte; i da dieselbe auch vielfachen Einblick ist den damaligen Culturstand gewährt, so werden wir uns gestatten, den Bericht darüber in unserem Feuilleton zu geben. Wir hoffen, daß! das nächste Jahr uns die Fortsetzung, vielleicht auch den! Schluß dieser verdienstvollen Schrift bringen werde. — Seit j fast dreißig Jahren stellt Prof. Dr. G. Wolf in Wien historische Forschungen in den Staatsarchiven zu Wien, zeitweise auch in Berlin und Dresden an. Es beschäftigten ihn hierbei bestimmte Fragen, aber selbstverständlich sielen ihm bei diesen Untersuchungen viele Dinge in die Hände, die sein Interesse erregten, obschon sie nicht gerade zu den Gegenständen gehörten, die er im Auge hatte. Diese Materialien hat er jetzt zusammengestellt und überarbeitet in der Schrift: Historische Skizzen aus Oesterreich-Ungarn. Wien, Hölder 1883. Der Berf. hat diese historischen Skizzen in die Rubriken geordnet: Unterrichtswesen, Kirchliches und Confesfionelles, Militaria, Josefina, Biennensa, Miscellanea." Er giebt hier eine Fülle geschichtlicher Aufklärungen über Gegenstände und Fragen, die noch in der Gegenwart im Vordergründe stehen. Zum größten Theile beziehen sich diese archivalischen Forschungen auf die Regierungszeit Maria Theresias und Joseph II. Für uns besonders ist das Schlußcapitel interessant „Mittelalterliches" (S. 285 ff.). Es ist gewissermaßen ein Commentar zu der Tißa-Eßlarer Affaire. Es werden Beispiele aus dem! Jahre 1529 und weiter und zuletzt aus 1829, 1839, 1*44, j namentlich aus Galizien angeführt: in allen diesen Fällen ergeben i die Akten, daß die Anstifter der Verleumdung und Anklage! entlarvt und ihr Betrug aufgedeckt wurde. Der Schluß lautet: Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. März. Wir haben S. 511 des v. I. das erste Heft der von Rabb. Dr. M. Horovitz dem Bericht der israelitischen Religwnsschule als Beilage vorangeschickten Schrift „Frankfurter Rabbinen" besprochen. Das zweite j Heft ist in gleicher Form (Frankfurt a. M. Jäger 1883) i soeben erschienen. Es reicht von Joseph Hahn bis R. Jakob! Hakoen Popers (1614—1740), und führt uns die vielen bedeutenden Männer vorüber, die in diesem Zeiträume theils bis zu ihrem Tode, theils bis sie einen anderen Radbinerstuhl einnahmen, in Frankfurt a.M. fungirten. Der Verfasser verwendet denselben Fleiß und dieselbe Umsicht wie im ersten Hefte auf seinen würdigen Gegenstand, und liefert uns einen willkommenen Beitrag zur jüdischen Cultur- und Literaturgeschichte. Die Periode begann mit der traurigen Austreibung der Juden aus Frankfurt, einer Verbannung, die nur zwei Jahre währte. Von da ab lenkte die Geschichte der Gemeinde in friedlichere Bahnen ein. Wichtig ist besonders die Bewegung, welche sich durch die Zuneigung zur Kabbala und zu dem Pseudo-Messias Sabbathai Zewi und die Reaction gegen diese, auch in Frankfurt fühlbar machte. Sonst waren die Rabbinen auch sehr mit der inneren Organisation der anwachsenden Gemeinde beschäftigt; denn damals nahmen die „Aehirliche Fälle wiederholten sich im Jahre 1839 in Wolki Gemeindevorstände den Rabbinen gegenüber nicht die souveräne > und im Jahre 1844 in Tarnow. Hierauf wendete sich die Autorität in Anspruch, wie in der heutigen Zeit, wo selbst jüdische Gemeinde in Tarnow mit einem Majestätsgesuche an in Cultusangelegenheiten die Vorsteher meist den Rath und! den Kaiser Ferdinand und bat um Abhilfe, und der Kaiser die Stimme des Rabbinen nicht zulassen, jedenfalls sich die signirte dieses Gesuch. Die Hofkanzlei (jetzt Ministerium des Entscheidung unbedingt Vorbehalten. Bemcrkenswerth sind Innern) hatte hierauf ihr Gutachten abzugeben. DieStimmenauch die Beschlüsse gegen Fallite und böse Schuldner. Die; Mehrheit sprach sich dahin aus, eine ähnliche Kundmachung, ersteren wurden auf eine Reihe von Jahren von allen Ehrenwie sie der Art. 38 der ungarischen Landtagsbeschlüsse vom ämtern in der Gemeinde ausgeschlossen. 1674 wurde sogar Jahre 1791 enthält, zu verlautbaren. Die Minorität meinte „ein schwarzes Brett" eingerichtet, das die Namen der renitenten jedoch, es sei in Böhmen, Mähren und Schlesien die Auf- Schuldner veröffentlichen und als letzte Androhung des Bannes j flärmifi im Allgemeinen so weit gediehen, daß die Maßregel gelten soll. Vergehen gegen die Sittlichkeit wurden mit der weder nöthig. noch angemessen wäre. Anch in Galizien

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