Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1883)
- Date
- 1883-04-02
- Page
- Seite 223 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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223 finden und haften bleiben können, wenn sie auf ein stoff-1 hebräischen Unterricht immer mangelhaft bleiben mußten. Die liches Wiffen zurückgehen. (?) Diese Gefahr wurde nur ver- ' Frage ist aber, ob es recht ist, dem methodischen Religionsringert dadurch, daß die Begründer und Leiter der Reli-! unterrichte deshalb fast das ganze Feld zu entziehen und ihn gionsschulen meist Männer waren, deren religiöse Bildung fast nur auf die allerletzte Zeit, die der Zögling in der Re' selbst auf reichliches stoffliches Wiffen sich gründete. Dennoch übersah man bisweilen, daß ein gewiffes Maß von Kenntniß des Hebräischen nicht etwa blos darum erwünscht war, weil ligionsschule verweilt, zu beschränken. Es liegt uns z. B. der „Bericht über die Israelitische Religionsschule zu Frankfurt a. M", geleitet vom Herrn Rabbiner vr. M. Horov itz die Schule doch auch für die verständnißvolle Theilnahme am; vor, und wir sehen da aus den „1S82'83 absolvirten Pensa", Gottesdienste vorzubereiten hat, sondern weil auch die schmälste Verbindung mit den Originalquellen, aus denen nach den Worten Sirach's „die Weisheit gefloffen ist wie das Wasser Pison, wenn es groß ist, und wie das Wasser Tigris, wenn es übergeht im Lenz", das Berständniß der Religionslehre nährt und kräftigt." „So kam es denn, daß die meisten Religionsschulen,! vier Mädchenklassen, nur daß ohne ihre ursprünglichen Grundlagen zu verändern, dennoch! „Religion, Gebetordnung, Festallmälig diese Grundlagen des stofflichen Wissens verbreitert! und Bibelkunde" in haben und die allgemeinen Disciplinen erst als Krönung des! ersten Mädchenklaffe Ganzen eintreten. Dieser Gesichtspunkt ist auch für unsere j Schule maßgebend, die sich die Erfahrungen der Vergangenj heit zu nutze macht, soweit sie eben in der Gegenwart! benutzbar find."- Wir können dem Vorwurfe, welchen der Vers, obigen Artikels den Religionsschulen in ihrer ersten Periode macht, den Unterricht im Hebräischen und damit in der stofflichen Unterlage des jüdischen Religionsunterrichtes hintenangesetzt zu haben, nicht beistimmen, und berufen uns dabei auf den Lehrplan der ersten Religionsschule, die eröffnet worden (zu Magdeburg 1833), in unserem „Israelitischen Predigt- und Schul - Magazin" (2. Aust. S. 327 ff.). Allerdings geben wir zu, daß neben diesem und der biblischen Geschichte, der Liturgie und der Geographie Palästinas, der eigentlichen Redaß in der 4. bis 2. Knabenklaffe außer dem Hebräischen nur biblische Geschichte bis zur Zerstörung des ersten Tempels gelehrt worden; erst in der ersten Klasse tritt auch die „Religion" auf und zwar: „die Ethik des Talmud. Ethische und religionsphilosophische Literatur der spanisch-, arabischen Periode" in einer Stunde wöchentlich. Desgleichen in den da in der zweiten Klaffe und Fasttage, Speisegesetze einer Stunde wöchentlich und in der Religion: Die Ethik des Talmud, die 13 Glaubensartikel des Maimonides" eine Stunde wöchentlich auftritt. Wir überlassen jedem practischen Schulmann und jedem Einsichtsvollen überhaupt das Urtheil, ob ein solcher Lehrplan für eine Gemeindeschule, also für alle Elemente der Jugend zweckenffprechend sei. Wir glauben es nicht. Wir meinen vielmehr, daß gerade die gegenwärtige Zeit mit ihren Anfeindungen gegen das Judenthum, mit ihren Verleumdungen und Verdächtigungen es durchaus nothwendig macht, daß dem jüdischen Kinde, den erwachsenden Knaben und Mädchen die Lehren des Judenthums, seine religiösen und sittlichen Lehrsätze ganz klar und bestimmt übergeben, dem Bewußtsein und der Ueberzeugung eingepflanzt werden müssen. Wir wissen sehr wohl, daß auch das Lesen im Urtext der Schrift und der Gebete, so wie die biblische ligionslehre, dem methodischen Unterrichte in derselben eine Geschichte Gelegenheit bietet, über die religiösen und sittlichen besondere Pflege gewidmet wurde, das Bedürfniß der Zeit motivirt. Es war dies auch durch Nach dem mechanischen Lehren zu sprechen. Jndeß weiß man auch, daß bei dieser Lecture so viele sprachliche Schwierigkeiten zu überwinden sind und Unterricht in der h. Schrift, in Talmud und Schulchan-Aruch,! daß die linguistische Unterweisung so sehr in Anspruch nimmt. wie er früher betrieben und zuletzt vernachlässigt worden, daß an kam Alles darauf an, dem damals erwachsenen wie erwach-j ist und senden Geschlechte die Lehren des Judenthums in ihrer Ein-' scheint. eine Deduction religiösen Inhalts kaum zu denken für den sprachlichen Unterricht eher störend er- Ebenso hat in der biblischen Geschichte der Lehrer sachheit, Klarheit und Erhabenheit zu Bewußtsein zu bringen, so viel Zeit und Kraft aus den stofflichen Inhalt, auf Graus welchem sie geschwunden waren, und dadurch das Juden-! zählung und Wiederholung des Erzählten zu verwenden, daß thum als der modernen Bildung nicht fremdartig gegenüberes bei den meisten Lehrern mit Folgerungen auf die religiöse stehend zu erweisen. Daß in der Entwickelung eines solchen und sittliche Bedeutung nur frommer Wunsch bleibt. Indem Instituts mit der Zeit dem Unterrichte im Hebräischen ein, wir dies bemerken, glauben wir denen, die unsere practische noch größerer Raum gewährt wurde, war naturgemäß; denn und literarische Wirksamkeit kennen, nicht betonen zu müssen, jede Lehranstalt, die einen Gegenstand als einen vorzüglichen j daß wir den Unterricht im Hebräischen als einen integrirenden Unterrichtszweck anerkennt, fühlt sich von innen heraus ge-1 Theil der Religionsschule betrachten. Aber wir meinen, daß nöthigt, in demselben möglichst ein entsprechendes Ziel zu! die Religionslehre als solche nicht minder nothwendig ist, erreichen, wozu kam, daß bei der geringen Stundenzahl,! nur daß sie nicht in nüchterner Form aus gedruckten Katedie der Religionsschule zu Gebote standen, die Leistungen im ' chismen, sondern vielmehr, wie wir schon vor fünfzig Jahren