Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1883)
- Date
- 1883-04-02
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Language
- German
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22 2 li!!$!■ s|' iijetzt eine Unmöglichkeit ist, sowohl wegen der Stellung der Staaten und Völker zu einander, als auch wegen jener inneren Gährungen, die eine Schwächung der organisirten materiellen Macht nicht zulassen. Diese Frage nach den vollen Mitteln zur ausreichenden Herstellung jener hilfreichen Veranstaltungen ist also augenblicklich noch nicht gelöst, aber ihre Lösung kann mit Bestimmtheit erwartet werden, da sich die Unentbehrlichkeit und Berechtigung jener immer mehr herausstellt. Es stehen natürlich noch viele Fragen mit diesem wichtigsten Gegenstände der Gegenwart in Verbindung, deren Besprechung jedoch hier zu weit führen würde. Wir begnügen uns heute, beizutragen, den Standpunkt klar zu machen, welchen in der Gegenwart diese wichtige Angelegenheit einnimmt und aus welchen Zuständen überhaupt sie hervorgeht. Dann aber weisen wir für die Zuversicht, mit der wir trotz aller jener düsteren Erscheinungen in die Zukunft hinausschauen mögen und zur Beruhigung der besorgten Gemüther nicht nöthig; das alles setzte sich stillschweigend ab in den Köpfen derer, die mit dem Inhalte der Religionsquellen angefüllt waren." „Dabei vergaßen sie als richtige „Lobredner einer ver gangenen Zeit" zwei Umstände, die doch vor Augen lagen. Einmal, daß eine Methode richtig sein kann unter Voraussetzung, daß ein Kind vier Stunden täglich mit einem Gegenstände befaßt wird und vollkommen verkehrt, wenn es denselben Gegenstand nur etwa ebenso viele Stunden wöchentlich betreibt. Sie vergaßen, daß sie aus den Erfahrungen einer Zeit heraus sprachen, die nicht mehr die ihrige war, aus einer Zeit, in welcher die Erziehung der Kinder nicht eigentlich blos eine religiöse, sondern so eingerichtet war, als sollten sie alle zu einstigen Theologen herangebildet werden. Man kann eine solche Zeit loben, aber man kann sie nicht beliebig Herstellen. Sie selbst waren auch gar nicht gewillt, etwa die gleiche Stundenzahl für den Unterricht in auf die zwei mächtigsten Faktoren in der Geschichte Menschheit: auf die Entwickelungskraft der Gesellschaft, die alle bisherigen socialen Fragen zu lösen vermochte, Fragen, wie das Sklaveuthum, die nicht minder tief in das Eigenthumsreckt und in die Organisation der Gesellschaft eingriffen, und auf die göttliche Weltordnung, welche langsam aber sicher die Menschheit zu immer besseren Zuständen leitet. Zur Religiousschule. Herr Rabb. Dr. M. Joel schickt seinem Jahresbericht (dem 40.) der Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt der israelitischen Gemeinde zu Breslau „Ein Wort über Religionsschulen" voran, welches sich wie alle Schriften dieses Gelehrten ebenso durch Klarheit wie durch weiten Blick auszeichnet und das wir hier wiederzugeben uns gedrungen fühlen. „Die Religionsschulen, wie sie jetzt in den meisten jüdischen Gemeinden bestehen, sind Kinder der Gegenwart, des letzten halben Jahrhunderts, und hatten während der ersten Jahre ihres Aufkommens die Kritik nicht etwa der Unkundigen, sondern gerade Solcher zu erfahren, die mit den Originaldocumenten unserer Religion sprachlich und sachlich vertraut waren. Sie erinnerten sich nämlich der Art, wie sie selbst in ihrer Jugend waren unterrichtet worden, wie man ihnen schon in den Jahren der Kindheit nach einer eigenartigen Methode das Berständniß eines Theiles des biblischen Originaltextes, Manchen wohl auch des Raschicommentars und einzelner Partien der Mischnah und des Talmud beigebracht und verglichen damit den Lehrplan der neu entstandenen Schulen, den sie als mager und dürftig bezeichneten. Eine Disciplin wie biblische Geschichte, nachbiblische Religionsgeschichte oder systematische Religionslehre hat es gar nicht gegeben, meinten sic, war auch gar der der Religionslehre zu verlangen wie einst, und meinten doch, mit der alten Methode auskommen zu können." „Aber konnte man eine solche Vertrautheit mit den Originaldocumenten nicht mehr erreichen, daß daraus von selbst eine Kenntniß der Geschichte und eine Kenntniß und Erkenntniß der Religionslehre sich ergab, war es da nicht am Platze, durch neue zusammenfaffeude Disciplinen die Geschichte und die Lehre des Judenthums der Jugend beizubringen?" „Dazu kam, daß der frühere Zustand, wie das in der menschlichen Natur liegt, auch sonst zu rosig ausgemalt war." „Was man so Berständniß des Urtextes nannte, war nicht immer gerade ein rechtes Eindringen in den grammatisch erforschten Sinn. Bon biblischer Geschichte wußte man ziemlich lückenhaft, was gerade als Reminiscenz von der Lectüre haften geblieben war. Die Religionsgeschichte der nachbiblischen Zeit war damals wisienschaftlich überhaupt noch nicht genügend erforscht. Eine zusammenfaffende Ueberficht über den Glaubens- und Pflichteninhalt der jüdischen Religion wurde nicht gegeben, so daß man, wenn man die gelehrten Männer ausnimmt, für welche die Beschäftigung mit den Religionsquellen Lebensberuf war, wohl reden kann von einem einst dagewesenen größeren Wissen im Hebräischen, nicht aber von einer gründlicheren und tieferen religiösen Bildung." „Ist darum der Rückblick auf den früheren Zustand ohne Nutzen für die heutigen Religionsschulen? Gewiß nicht." „Entstanden, um den veränderten Zeit- und Erziehungsverhältnissen gerecht zu werden, war die Religionsschule in Gefahr, durch ihren bewußten Gegensatz zu Einst die allgelmeinen Disciplinen zu überschätzen, ihre Einführung zu verj frühen und nicht zu bedenken, daß diese doch nur Berständniß