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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-02 · Heft 14 (2.4.1883) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 14 (2.4.1883)
Date
1883-04-02
Page
Seite 220 (sequence 2)
Language
German
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220 Wenn die Apostel dieser Umwälzung von der Befreiung i die Verkeilung des Erwerbes und Besitzes eine überaus des Arbeiterftandes sprechen, so ist dies nur ein leeres, inj mannigfaltige und in den schroffsten Gegensätzen bestehende haltsloses Wort. Freiheit ist die persönliche Freiheit des In-! ist. Zu der Ungleichheit der Bodenvertheilung ist nicht allein dividuums innerhalb der gesetzlichen Schranken, die nothj die Ungleichheit des Erwerbes durch industrielle und comwendig sind, damit das eine Individuum die anderen nicht > merzielle Arbeit, sondern auch und ganz besonders die Unschädige, und der Mißbrauch der eigenen Freiheit die der I gleichheit des Kapitalbesitzes gekommen und hat durch den anderen nicht verletze. Was aber jene Wortführer des Soim letzten Jahrhundert eingetretenen Aufschwung aller gewerbcialismus unter Befreiung des Arbeiterstandes verstehen, ist j lichen Thätigkeiten und deren Ausnutzung ungemein zugenichts anderes, als die persönliche Freiheit Aller vernichten, nommen. Schon das mosaische Gesetz tritt dieser Ungleichdas Eigenthum und die freie Bethätigung des Willens abheit entgegen und sucht auf legalem Wege die Bereicherung schaffen, die Staatsorgane stürzen und auf die Trümmer der Gesellschaft ein ihnen selbst noch unklares Neues setzen, das eine Kasernirung Aller, eine Unterwerfung unter einen despoaus der einen, die Verarmung auf der anderen Seite zu verhüten. Es nahm eine gleiche Bertheilung des Bodens vor, sicherte diese durch das Löse- und Jobelgesetz und verhintischen Gesellschaftsmechanismus, den Untergang aller Bildung derte das Ueberhandnehmen des Schuldenwesens durch das und freien Geistesthätigkeit bedeutet. Es versteht sich, daß! Zinsverbot und das Erlaßjahr. Trotzdem war es sich bedieser Wahnwitz unausführbar wäre, und daß die socialistische! mußt, daß es durch die verschiedenen Faktoren des Erwerbes Revolution ihre eigenen Kinder nur verschlänge und einen an Dürftigen nicht fehlen werde im Lande (ö Mos. 14, 11.), Kampf zwischen der einen und der anderen Hälfte der Menschen herbeiführen würde, der die civilisirte Welt veröden und die völlige Knechtung des einen Theiles durch den anderen bewirken müßte. Die Ursache jener Erscheinung kann also durchaus nicht in einem wirklichen Freiheitsdrange liegen, welcheni die ruhige Entwickelung des Staatslebens, nachdem so viel erreicht worden, viel mehr Bürgschaften böte, als jede Revolution. Aber auch in der Arbeit liegt die Ursache nicht, so sehr sich auch die Wortführer jener als Fürsprecher der Arbeiter geriren. Denn arbeiten müffen wir Alle, und viele, sehr viele, die dem sog. Arbeiterstande nicht und sorgte deshalb für diese durch das Armengesetz und den Appell an das menschliche Herz und die religiöse Pflicht. Biel weniger konnte diese Gesetzgebung die ungleiche Bertheilung des Erwerbes und Besitzes durch Industrie und Handel und durch die Anhäufung des Kapitalvermögens verhindern. Ja, die Lehrer der traditionellen Auslegung selbst waren bei den später entwickelteren Berhältniffen gezwungen, die Wirksamkeit des Erlaßjahres durch schriftliche Verträge einzuschränken. So hat die mosaische Gesetzgebung uns das Ziel, nach welchem die Gesellschaft zu streben habe. angegeben, aber die Mittel und Wege, um zu diesem Ziele zu angehören, viel angestrengter als selbst der Tagelöhner, mit kommen, war sie bei der einfachen Natur des Volkes, an das größerer Aufopferung und Hingebung und zu größerer Er-> sie sich richtete, nur nach einer Richtung im Stande. Die fchöpfuilg. Was wäre der Mensch überhaupt ohne Arbeit,! Art und Weise, wie die Länder durch Völkerströmungen einum könnte er, abgesehen von den materiellen Früchten, ohne | genommen, die alten Bewohner geknechtet wurden, eine seu Arbeit existiren? Auch sind gegen jedes liebermaß von Arbeit, - dale Aristokratie sich herausbildete, mußte die Bodenvertheigegen jeden Mißbrauch der Kräfte des Arbeiters schon viele lung völlig ungleich machen, und nachdem Industrie und gesetzliche Maßnahmen getroffen, und können und werden Handel eine immer größere und über alle Erdtheile sich ausnoch immer mehrere getroffen werden. Der wirkliche Grund dehnende Entfaltung gewonnen, und die Finanz sich in under ganzen Bewegung liegt vielmehr in der ungleichen ' geheuren Maßen ausbildete, wächst diese Ungleichheit von Tag Bertheilung des Besitzes und des Erwerbes. Mit dem Bezu Tag. Die Ursache der Unzufriedenheit in den sog. arwußtsein des Rechtes auf persönliche Freiheit und auf Gleich-! beitenden Klassen und die faktische Unterlage, welche die heit vor dem Gesetze, das besonders seit einem Jahrhundert j Wortführer des Socialismus für ihre Theorien in der Wirkin die Volksseele verpflanzt worden, hat sich allmälig auch lichkeit finden, stellt also ein Wachsthum des revolutionären das Verlangen nach Gleichheit in der Lebensstellung, im : Elements in Aussicht. Die Arbeiter sehen in der That viele Erwerbe und Besitze und ganz besonders im Genüsse ver- Beispiele vor sich, wo ein Industrieller in 10 bis 20 Jahren Kunden Daß eine solche Gleichheit weder in der Natur durch emsige Thätigkeit, Geschästsgewandtheit, Geschick in der überhaupt, noch in der Natur des Menschen und seiner Ge- Produktion und im Verschleiße der Produkte sich durch seine sellichaft möglich ist und das Recht darauf auch gar nicht vor-! Arbeit ein sehr ansehnliches Vermögen erwirbt, während sie Händen, da die Art und der Grad der Thätigkeit und das immer auf demselben Punkte stehen bleiben und von der Eonsum des Erarbeiteten unsäglich verschieden sind, wollen! Hand in den Mund leben. Die Freiheit, die sie erlangt selbstverständlich weder die Verführer noch die Verführten! haben, und der Schutz, den ihnen das Gesetz bietet, genügen anerkennen. Nun ist es allerdings nicht zu leugnen, daß>ihnen deshalb nicht; sie erachten die Besitzende» in jeder

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