Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1883)
- Date
- 1883-03-27
- Page
- Seite 215 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227461--40692-3309104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
! 215 die große, herrliche Stadt kennen zu lernen." „Es thut mir leid", erwiderte Meyer, „Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können. Meine Ankunft ist einem Freunde meines Oheims avifirt, und dieser erwartet mich im Hasen. Auch werde ich schon morgen nach Philadelphia eilen, um den einzigen Verwandten zu umarmen, den mir das Geschick gelassen und den ich seit meiner Kindheit nicht gesehen. Doch werde ich bald einmal nach New-Jork kommen und dann Ihre Gastfreundschaft genießen." „Zuvor aber", schaltete Hoffmann ein, „werde ich Dich in Philadelphia auffuchen, denn ich gedenke, nach einigen Monaten strapaziöser Arbeit mich bei Dir eine Zeitlang zu erholen und von dort aus meine Tour durch die Vereinigten Staaten anzutreten." — So trennten sie sich. Doch werden meine Leser dem Dr. Meyer so viel Zuneigung geschenkt haben, daß sie etwas über sein späteres Schicksal zu erfahren wünschen. Das Geschick, das ihm in der alten Welt so unfteundlich gewesen, lächelte ihm in der neuen um so mehr. Sein Oheim empfing ihn aufs Liebevollste und unterstützte ihn mit allen Kräften. Bald bot sich ihm die Gelegenheit, einige überraschend glückliche Kuren auszuführen; die Tagespreffe Philadelphias schlug Lärm darüber und in kurzer Zeit wurde er einer der renommirtesten Aerzte in der Hauptstadt Pennsylvaniens. Er schaffte sich ein behagliches Home und führte die Verhaftung des Götz anzuordnen, welche am Freitag Nachts 10 Uhr erfolgte. Bald nach dieser Verhaftung wurden auch wieder Stimmen laut, welche an das Verschwinden des Wertheimer erinnerten, wegen dessen Götz als des Mords verdächtig seiner Zeit eingezogen worden war, aber auf die Aussage von 4 Zeugen aus Baihingen a. F., welche den Wertheimer am Tage, nach dem Götz mit ihm verkehrt hatte, noch gesehen haben wollten, wieder in Freiheit gesetzt wurde. Namentlich scheint Landjäger Wieland von Baihingen, der seit 2 Jahren den Götz unausgesetzt beobachtet hat, die Bitte gestellt zu haben, bei Gelegenheit des Abräumens des Brandschuttes das Haus nochmals einer eingehenden Durchsuchung unterwerfen zu dürfen. In Folge dieser Bitte erschien denn auch heute früh mit Wieland Herr Polizeiinspector Kern von Stuttgart und nahm diese Durchsuchung vor. Mitanwesend war Gemeinderath Bertsch von hier. Als nun dieser im Keller des Hauses mit dem Stock mehrmals auf den Boden stieß, glaubte er einen dumpfen Laut zu vernehmen, der einen hohlen Raum anzeigte. Man grub alsbald nach und kam auf eine Dohle, die Götz voriges Jahr angelegt hatte, und als man neben derselben zu beiden Seiten weiter grub, fiel es auf, daß plötzlich der Boden nicht mehr durchweg gewachsen, sondern durch senkrecht führende Spatenstiche glatt abgestochen war. Indem man diesen Stichen folgte, wurde eine liebenswürdige und liebevolle Gattin heim. Stets aber! von einem der Grabenden plötzlich ein Stück Filz zu Tage hielt er sich im Zusammenhänge mit seinem deutschen Vater-; gefördert, und als man sodann mit äußerster Vorsicht die lande, nahm an dessen Geschicken den innigsten Antheil; Arbeit fortsetzte, wurde bald in einer Tiefe von etwa 4 beschäftigte sich eifrig mit der deutschen Literatur und er^Fuß der vollständig bekleidete Leichnam des Wertheimer hielt in seinem Hause die deutsche Sprache, ebenso wie er! bloßgelegt, der in einem förmlichen Grabe lang ausgestreckt, die treue Anhänglichkeit an Religion und väterliche Sitte i das Gesicht mit dem Filzhut, den der Arbeiter getroffen hatte, bewahrte. Vermischtes. „Es kommt Alles an das Licht der Sonnen." Man schreibt aus Kaltenthal (Württemberg) vom 19. Februar. Der Leichnam des vor etwa 2 Jahren verschwundenen israel. Handelsmanns Wertheimer ist bei Gelegenheit eines Brandes hier aufgefunden worden. Die näheren Umstände hiebei sind folgende: Vergangenen Freitag früh Morgens bedeckt, dalag. Die heute Mittag von der Staatsanwaltschaft, dem Untersuchungsrichter und den Gerichtsärzten vorgenommene Feststellung des Thatbestandes ergab, daß sämmtliche Taschen des Wertheimer geleert, dagegen die Uhr und ein Ring am Leichnam gelassen worden waren. Am Leichnam fanden sich folgende Verletzungen: an der linken Seite des Borderhauptes eine 3 Ctm. lange, von einem scharfen Beilhieb herrührende klaffende Wunde, an der linken Kopfseite mehrere Hiebe, die von dem stumpfen Theil eines Beiles herrührten, der Kehlkopf war zu-, die 5., 6. und 7. Rippe der rechten Seite eingegen halb 3 Uhr entstand im Hause des Steinschlägers gedrückt. Daraus läßt sich annehmen, daß der Thäter, als Jakob Götz, Küferssohn, hier ein Brand, der zuerst vom! welcher nach der ganzen Sachlage Götz bezeichnet werden Schäfer, welcher eben zum Pferch gehen wollte, bemerkt muß, zuerst durch die Schläge auf den Kopf sein Opfer bewurde und, da sofort Hilfe zur Hand war, nur den Dachtäubt und dann vollends erdrosselt hat. Die Vornahme der stock des Hauses zerstörte. Der besonderen bei Entstehung i Sektion war deßhalb noch vollständig möglich, weil der Leichdes Brandes beobachteten Umstände wegen und weil es bei;nam durch das Stickwasser der Dohle noch vollständig er- Götz vor 10 Jahren unter ähnlichen Umständen ebenfalls i halten war und keine Spur von Verwesung zeigte. Nahezu gebrannt hatte, wurde derselbe bald allgemein durch den unglaublich ist die Rohheit und Gewissenlosigkeit des Mör- Volksmund als Brandstifter bezeichnet und auf Anzeige des ders, der den Leichnam an einem Orte eingrub, den er seit Schultheißenamts nahm die K. Staatsanwaltschaft Veranlassung. 2 Jahren fast täglich bettat, ja über den er, so oft er sich 12