Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-27 · Heft 13 (27.3.1883) · p. Seite 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 13 (27.3.1883)
Date
1883-03-27
Page
Seite 212 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227461--40689-3309101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

212 lattre, hat unweit der Ruinen der alten Stadt Zama ein : uraltes Cultusgebäude entdeckt, dessen eigentlicher Charakter, , ob Kirche oder Synagoge, noch nicht mit Sicherheit festge-! stellt werden konnte. Eine Mosaik-Inschrift im Fußboden, spricht von der heiligen Synagoge und deren Vorsteher (archisyn.igogos) und der Anfertigung des Mosaiks. Am Rande der Inschrift finden sich das Alpha und Omega, ebenso das griechische durchstrichene Rho, welches sich ebenfalls auf Christus bezieht. Auch der Fisch, bekanntlich eines der ältesten christlichen Symbole, findet sich dargestellt. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat die Annahme, daß es sich um eine Kirche von Judenchristen handelt, alte Juden, welche trotz Annahme des Christenthums noch eine Menge mosaischer Gebräuche bcibehiclten. In jedem Falle dürfte die weitere Erforschung der noch nicht ganz blosgelegtcn Ruinen dieses Cnltusgebäudes sehr bemerkenswerthe Aufschlüsie über die Zustände der ältesten Christengemeinden liefern." — Wir fügen hinzu, daß noch eine andere Erklärung nicht sehr weit liegt, nämlich, daß das Gebäude eine Synagoge gewesen, welche später erzwungener Weise zu einer Kirche umgewandelt worden, wofür Beispiele genug vorhanden. Ein Beweis hierfür wäre, daß die christlichen Symbole sich nur am Rande der Mosaik befinden, wo sie leicht angebracht werden konnten. — In Dürmenach (Elsaß) erscheint seit dem 8. d. ein Wochenblatt: „Jüdischer Sprechsaal für Elsaß-Lothringen und die Schweiz" zugleich mit dem französischen Titel: „I^etnres 1srav1ite8" unter der Redaction des Rabb. vr. Goldslein in Dürmenach. Das Blatt hat eine deutsche und eine französische Spalte, letztere meist die Uebersetzung der ersteren. Wir wünschen dem Blatte den besten Erfolg, da es in einen Kreis cinzudringen vermöchte, welcher sich bis jetzt gegen die jüdische Publicistik und die Angelegenheiten des Judenthums außerhalb des Weichbildes wenig zugänglich erwies. — Ieuilleton. Eine Fahrt nach Amerika. (Fortsetzung und Schluß) Der Zufall spielt oft seine Rolle in unangenehmer Weise. Als Meyer, der sich etwas verspätet hatte, zur Tafel kam, wies ihn der Stewart seinen Platz gerade neben den Krämer's an. Der Stewart hatte Hosimann nicht verstanden, der ihn ersucht hatte, dem I)r. Meyer seinen Platz neben ihm zu geben. Kaum hatte sich Meyer niedergelassen, als Krämer mit allen Zeichen des Unwillens sich erhob, zu dem gegenüber sitzenden Hosimann schritt und ihn ersuchte, den Platz mit ihm zu wechseln. Meyer hatte sehr wohl die Ursache dieses Auftritts errathen, aber er beherrschte den in ihm aufsteigenden Zorn und nahm die Entschuldigung seines Freundes willig an, sein Vetter leide an den Augen und müsse dem durch die Fenster fallenden scharfen Lichte den Rücken zuwcnden. Er antwortete nur: „Ja, blödsichtig muß er sein!" . Die Suppe war verzehrt, ein prächtiger Seefisch wurde aufj getragen. Plötzlich schrie Krämer auf und erhob sich vom Tische, hielt sich mit den Geberden des Schreckens und der Schmerzen die Hand in den Mund und wollte dem Ausgange zustürzen. Kaum daß er sich verständlich machen konnte, daß er eine starke Gräte verschluckt und diese ihm in der Kehle stecken geblieben. Tie Gesellschaft gerieth in Unruhe, man rief nach dem Schiffsarzt; aber dieser war im entferntesten Theile des Schisiraums bei einem Kranken, der im Fieberdelirium in Raserei verfallen war. Meyer hatte sich ebenfalls erhoben, war schnell nach seiner Cabine geeilt und kehrte alsbald mit seiner Jnstrumententasche zurück, ließ Krämer auf einen Stuhl sich setzen, Hosimann hielt ihm den Kopf fest, der Arzt untersuchte durch einen Spiegel den Kehlkopf und zog mittelst einer feinen Pincette die Gräte glücklich heraus. Es war dies schnell und sicher geschehen; das Blut floß nach, aber Meyer gab dem Patienten eine schnell bereitete Arznei zum Spülen und schickte ihn dann nach seiner Cabine, um sich auf seinem Lager vom Schrecken zu erholen und die Stillung des Blutes abzuwarten. Bald war die Gesellschaft wieder um die Tafel vereinigt und das reich ausgestattete Mahl hatte seinen Fortgang. Meyer verließ jedoch! zwei Mal den Tisch, um sich zu vergewissern, daß der Unfall keine weiteren Folgen haben werde, i Als nach einigen Stunden die beiden Vettern wieder auf! dem Verdeck erschienen und sich Krämer ganz hergestellt zeigte,! sagte Hosimann zu dem Anderen: „Nun, Vetter, hast Du Dich überzeugt, daß die Semiten auch recht nützliche Mitmenschen und dabei recht großherzig sein können? Denn nach der Behandlung, die Du soeben meinem Freunde hattest widerfahren lassen, hätte es ihm Niemand verargen können, wenn er sich unberufen gefühlt hätte. Dir beizuspringen, und es Dir gegönnt hätte, noch eine Zeit lang von der starken und scharfen Gräte gepeinigt zu werden. Wer weiß, ob der Schisisarzt noch zur rechten Zeit gekommen wäre, um Dich vor dem Erstickungstode;u retten!" — Krämer schwieg eine Zeit lang, dann erwiderte er: „Ich werde ihm seinen Dienst! bezahlen, und das kann er ja eben gewollt haben. Ich werde j es reichlich thun, und damit ist die Sache wohl abgemacht."! — „Um Gottes willen versuche das nicht!" rief Hosimann! mit wahrhaftem Schrecken aus. „Meyer ist ein Ehrenmann durch und durch, und ans die Grobheiten, die Du Dir gegen ihn erlaubt hast, würde ihn Dein Anerbieten in so hohem ' Grade entrüsten, daß cs nur zu einem Bruche mit sehr schweren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.