Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1883)
- Date
- 1883-03-27
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
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:• n 209 Oesterreich-Ungarn. j bereu einzig anerkannter Führer er sei, beschloß das Haus, idem Antrag des Gerichtes zu entsprechen. Nach der Köln. Wir«, im März. (Privatmitth.) Einen sehr erfreulichen! Zeit, wurde der Beschluß mit 150 gegen 107 Stimmen ge- Fortgang, eine sich immer weiter ausdehnende Wirsamkeit! faßt. Jedenfalls verläßt sich Schönerer auf die Geschworenen, hat das „Wiener Bet ha-Midrasch", wie wir auch aus die einen Antisemiten und der sich noch dazu als Deutschdem Rechnungsausweife für das Jahr 1882 ersehen. Wenn Nationaler enragirt, nicht leicht verdonnern, wie wir bereits dasselbe auch nicht bestimmt ist, die vollständige und ein eklatantes Beispiel erlebten. Jndeß kommt es daraus systematische Ausbildung von Rabbinen zu bewerkstelligen, an, was dem Schönerer nachgewiesen werden kann und ob so dient es doch zur Verbreitung biblisch-talmudischen Wissens , die Sache angethan ist, vor das Geschworenengericht gebracht und richtigerer Anschauungen über den Talmud. Die Juden-! zu werden." feinde stellen noch immer den Talmud wie ein Geheimbuch, > Wien, 16. März. Es ist in der That sehr zu bcwie ein, mit Ausnahme der Eingeweihten, für die ganze Welt dauern, daß die deutsch-national Gesinnten Wiens es sich mit sieben Siegeln verschlossenes Buch dar, um der Masse, haben gefallen lassen, daß die Antisemiten sich als Wortder Unwissenden ein starkes Grauen einzuflößen. Während, führer ihrer Partei geriren und die Begriffe „antisemitisch" dem giebt es jetzt bereits fast ein Dutzend großer Lehran-! und „deutsch-national" vermischen oder gar identifiziren stalten für das talmudische Wissen, zu deren meisten Jederdurften. Sie haben es dadurch der Regierung leicht gemacht, mann Zutritt erlangen kann, und eine immer wachsende > da diese fest entschlossen ist, die antisemitische Bewegung Literatur breitet das hellste Licht über alle Theile des Talj möglichst zu behindern, auch die Deutsch-Nationalen zu treffen, muds und der Midraschim. Zu diesen verdienstvollen Ver- > Die deutschen Zeitungen sehen dies nicht ein und schaden anstaltungen gehört auch das Wiener Bet Ha-Midrasch, an! den österreichischen Stammesgenossen noch mehr, indem sie welchem während dieses Wintersemesters die Herren Fried-i Antisemiten zu vertheidigen suchen, weil sie auch Werkzeuge man, E. S. Rubin, I. H. Weiß, Jellinek und Bloch Bor-' bcr Deutsch Nationalen seien. Die Regierung läßt sich daträge gehalten haben. Die Einnahmen betrugen fl. 5185, die! durch nicht beirren. Engelbert Pernstorfer, Privatlehrer und Ausgaben fl. 3413, so daß der Saldo-Bortrag fl. 2071 be-j Agent Schönerer's, Redaeteur der Wochenschrift „Deutsche trug; das Bereinsvermögen beläuft sich auf fl. 37,250.! Warte", Präsident des deutsch-nationalen Vereins, ist wegen Wien, 15. März. Da die Assaire Schönerer am 13/in einer Bereinsverfammlung über die Dynastie gemachter in geheimer Sitzung vom Abgeordnetenhause verhandelt Aeußerung und wegen Verbrechen der Majestätsbeleidigung wurde, lauten die Berichte der Blätter verschieden darüber: in Anklagestand versetzt worden. — Bei der Budget-Debatte t Der Immunitäts-Ausschuß hatte die Auslieferung bean^ kam bei dem Titel „Post und Telegraphen" der Abg. tragt. Schönerer selbst verlangte, daß dem nachgegeben , Schönerer auf die von ihm bereits zur Kenntniß gebrachte werde, denn das werde die Zahl seiner Anhänger vermehren. Verletzung des Briefgeheimnisses zurück. Ihm wurde ein Er gratulire Jenen, welche die Assaire im Abgeordnetenhause | Preßburger Brief, welcher ein antisemitisches Hetzblatt enteingeleitet hätten. Er schloß mit folgenden Worten: „Wenn hielt, aus dem Zollamte zurückgehalten; man verlangte von gesagt wurde, es giebt noch einen Kaiser in Sesterreich, so ihm, den Brief in Gegenwart des Zollbeamten zu öffnen, sage ich: es giebt noch Geschworene in Oesterreich!" Hieraus um die in demselben enthaltene Zeitung der Abstempelung verließ Schönerer den Saal. Die Auslieferung Schönerers zuzuführen. Abgeordneter Schönerer rügte diese Gesetzesverwurde zum Beschluß erhoben. ' letzung und Handelsminister Pino nahm das Wort, um zu Ein Wiener Privattelegramm der „Franks. Ztg." meldet:! erklären', daß die Regierung die Pflicht habe, der Ein. Den Actenstücken in der Affaire Schönerer, welche dem schmuggelung von Zeitungen entgegenzutreten, welche bedenk- Jmmunitäts-Ausschusse vorliegen, ist zu entnehmen, daß der liche Grundsätze in der Bevölkerung verbreiten, da in Briefen Polizei-Commissär beim Wagner-Commers nur Schönerer's soeialdemokratische Schriften eingeschmuggelt werden, welche Ruf: „Hoch Bismarck" gehört habe. Dagegen gab der sogar den Königsmord predigen. Bürgerschullehrer Tersch vor Gericht an. Schönerer habe den Pest, 13. März. (Privatmitth.) Man fängt allmälig Studenten zugerufen: „Bereitet Euch auf die Revolution an, der Tißa-Eßlarer Affaire sich zu schämen. Die ganze vor, denn Euer Herr und Gebieter ist der Kaiser Wilhelm." Geschichte wäre längst vergessen, wenn die unschuldigen Die „Voss. Ztg." berichtet: „Nachdem Taaffe im Ab- Juden nicht noch immer im Gefängnisse schmachteten und wenn geordnetenhause den Antrag des Jmmunitätsausschusses bedie ungarische Justiz sich — ohne Schande aus dem traurigen fürwortet und Schönerer unter lautem Widerspruch der Spiele ziehen könnte. Jankel Smilovics, außer dem blöden Linken erklärt hatte, die Anklage richte sich nicht gegen Moritz Scharf der einzige Belastungszeuge, welcher bereits seine Person, sondern gegen die deutsch - nationale Partei, zu wiederholten Malen an den Nyiregyhazaer Gerichtshof 13*