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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-27 · Heft 13 (27.3.1883) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 13 (27.3.1883)
Date
1883-03-27
Page
Seite 208 (sequence 10)
Language
German
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208 Antisemitismus als natürliche Ingredienz zu entschuldigen. Wir müssen uns in der That über diese Verblendung verwundern. Bemächtigt sich, was schier unmöglich scheint, der Antisemitismus der deutsch-nationalen Bewegung in Oesterreich , so kann er diese nur in einen Sumpf hineinfuhren. Er würde den Deutsch-nationalismus zur Sache niedriger, völlig undeutscher Leidenschaften herabwürdigen und ihn überall hin verächtlich machen. Vermag er sich aber zur Obherrschaft nicht heraufzubringen, bleibt aber immerhin thätig und schaart eine Anzahl Anhänger um sich, so wird er die deutschnationale Partei spalten, indem alle vernünftigen, aufgeklärten und humanen Deutsche nichts mit ihnen zu thun haben wollen. Diese werden sich jener nur zu erwehren haben, und so die deutsch-nationale Partei an dem Einflüsse verlieren, und in ihrer Machtentfaltung gestört sein, die ihr nothwendig sind, um sich ihren Gegnern gegenüber geltend zu erhalten. Es wäre also die Pflicht der deutschen Presse, auf die Aussonderung der antisemitischen Elemente zu dringen, auf die Reinhaltung der deutsch-nationalen Gesinnung auf das Zurückdrängen aller unsauberen Werkzeuge. Es ist sonnenklar, daß nur auf diesem Wege die deutsche nationale Sache ihren Werth behalten, ihren Gegnern widerstehen und durchdringen könne. Wer daher diese antisemitischen Regungen in Wien unterstützt, kann vielmehr zu den heimlichen Gegnern der deutschen Sache in Oesterreich gezählt werden. Es wird nicht lange dauern, und die Gegner der Deutschen werden, wie sie es bereits früher gethan, deutsch-national und antisemitisch für identisch erklären und der deutschen Sache damit ein unsauberes Gepräge geben und dies sollten doch die deutschen Blätter bekämpfen, anstatt Herrn von Schönerer und seine, im Grunde doch geringe Schaar von Anhängern zu vertheidigen. Frankfurt a.M., im März. (Privatmitth.) Die „A ch aw a", Verein zur Unterstützung hülfsbedürstiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland, veröffentlicht ihren achtzehnten Rechenschaftsbericht für das Jahr 1882. Dessen Vorwort giebt in vollem Maße Veranlassung, die Aufmerksamkeit des israel. Publikums auf das ersprießliche und segensreiche Wirken zu lenken, welches dieser Verein seit einer Reihe von achtzehn Jahren entfaltet. In diesem Zeiträume hatte derselbe nahezu M. 82,000 als Nnterstützungsgelder verausgabt, während sich das Bereinsvermögen auf fast M. 109,200 gehoben hat. Jederzeit war der Verein bemüht, in Fällen der durch Krankheit oder Altersschwäche hervorgerufenen Dienstunfähigkeil oder beim Ableben eines Mitgliedes mit Unterstützungen, Pensionen, Wittwengehalten und Waisengeldern helfend und tröstend einzutreten. Unter 49 Petenten mit 66V4 Theilen kamen beim Beginn dieses Jahres M. 7420 zur Bertheilung; jeder Theil betrug M. 112, während ein solcher im vorigen Jahre M. 118 betragen hatte. Diese Verminderung hat hauptsächlich ihren Grund in der Verringerung der Einnahmen an Geschenken, welche im verflossenen Jahre M. 1000 weniger betrugen, als im Jahre 1881. Möge dies für die activen Mitglieder der „Achawa" ein Wink sein, keine Mühe und Anstrengung zu scheuen, um dem so segensvoll wirkenden Vereine Zuwendungen von Liebesgaben zuzuführen und neue Mitglieder zu gewinnen! Bei dieser Gelegenheit möchten wir die israelitischen Lehrer darauf aufmerksam machen, daß nur noch bis zum 1. Juli d. I. der Eintritt bis zum zurückgelegten 50. Lebensjahre gestattet ist, daß aber von dem genannten Tage an der Eintritt nach dem zurückgelegten 40. Lebensjahre nicht mehr erfolgen kann. Anmeldungen sind zu richten an den Vorsitzenden Herrn Adolf Tebloe in Frankfurt a. M. (Baumweg 3.) Seesen, 12. März. (Privatmitth.) Bei der jetzt wieder in Preußen vielfach ventilirten Simultan-Schulfrage, ist es an der Zeit, einmal wieder auf jene wahre Simultanschule hinzuweisen, welche eine jüdische Stiftung ist. Die guten Resultate derselben werden durch folgende Notizen bezeugt. Die Jacobson-Schule ist in dem Schuljahr 1882/1883 von 223 Schüler (105 jüdischen und 118 christlichen) besucht worden. Bon diesem 140 im Hause erzogen und zwar: 40 Freischüler (incl. 7 christliche); 20 Halbfrcischüler und 80 Pensionäre (von diesen 100 Schülern waren 46 Christen). Bon 83 Stadtschülern, die nur am Unterricht theil nahmen, zahlten 14 kein Schulgeld, 18 halbe s Schulgeld, 51 volles Schulgeld. Das mündliche Abiturientenexamen hat am 8. und 0. d., unter Vorsitz des Herrn Alb. Stausebach, hier stattgefunden. Sämmtliche 28 Abiturienten sind für reif erklärt worden. Von diesen konnten 3 von der mündlichen Prüfung dispensirt werden und erhielten das Prädikat sehr gut (unter diesen 1 Freischüler.,; 8 (incl. 3 Freischüler) gut und 17 genügend (incl. 3 Freischüler). Straßburg i. <$., im März. (Jüd. Sprs.) In der Sitzung des Landesausschusses vom 14. v. M., bei Berathung zu Cap. 23, Tit. 1. Besserungsanstalten, hat sich Herr Staatssecretär v. Hofmann folgenderweise ausgedrückt: Ich möchte bei Gelegenheit dieses Etatscapitels mittheilen, daß hier der Mißstand empfunden wurde, daß die Mädchenbesserungsanstalt räumlich verbunden war mit der für Weiber. Es ist früher die Absicht gewesen, eine neue Anstalt zu bauen, die Regierung ist aber zum System der französischen Verwaltung zurückgekehrt, diese Mädchen bei geistlichen Anstalten unterzubringen, die katholischen bei den Schwestern in Glaubitz, die protestantischen im Tiakonissenhaus. Bei israelitischen war dieser Fall noch nicht da, es scheint, daß sie keine Besserung bedürfen. Diese Aeußerung des Herrn Staatssecretärs ist ein neuer Beweis der Sittlichkeit unserer Glaubensgenossen.

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