Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1883)
- Date
- 1883-03-27
- Page
- Seite 207 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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207 Juden in einer Audienz beim Kaiser in Vorschlag gebracht (Ein Telegramm aus Petersburg vom 12. März berichtet, haben. Der Kaiser soll ihn ruhig ausgehört, ober mit der daß Makoff sich selbst entleibt hat. Die gedachte Commission lakonischen Bemerkung: „Meine Ansicht die Juden betreffendest also ihres Präsidenten beraubt'. Die Hoffnungen, die ist eine ganz andere, als die Ihrige: Sic wollen die Juden: man auf sie gesetzt, sind deshalb sehr gesunken. Redaktion.) ersticken, ich will sie — bessern," abgefertigt haben. %>c L ti ti icpviacfj t-icfjic'vu Deutschland. Berlin, 18. März. (Privatmitth.) Ter preußische Landtag ist bis zum 16. April vertagt. Als ein Ergebniß aus seinem bisherigen Verlaufe läßt sich hervorheben, daß das bei seiner Eröffnung von vielen Seiten befürchtete Bündniß des Centrums mit den Conservativen völlig in die Brüche gegangen, und in der letzten Zeit diese beiden Parteien meist einander schnurstracks gegenüber standen. Um so mehr Gewicht erhalten wieder die liberalen Parteien. — Der „3>. Z." schreibt man: In Universitätskreisen wird erzählt, daß, als es sich an der Universität Breslau um die Wiederbesetzung des von Dilthey innegehabten Lehrstuhls handelte, die dortige philosophische Facultät einstimmig einen dortigen außerordentlichen Profeffor zum Nachfolger des nach Berlin an Lotze's Stelle berufenen Gelehrten vorgeschlagen, der Curator der Universität jedoch Anstand genommen habe, diesen Vorschlag dem Unterrichtsminister zu übermitteln, weil der Borgeschlagene Jude ist und das Statut die Bestimmung enthält, daß gerade dieser Lehrstuhl mit einem Evangelischen oder Katholiken besetzt werden müsse. Wenn sich dies bestätigte, so wäre es nur bemerkenswerth, daß die Facultät ihr eigenes Statut nicht gekannt oder die entscheidende Verfügung übersehen haben sollte. (Jedenfalls würde ein solcher § dem Statut einer philosophischen Facultät nicht zur Ehre gereichen.) Bonn, 13. März. (Privatmitth.) In der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 12. März wurde die Zuschrift des Landesgerichtes um Gestattung der gerichtlichen Verfolgung des Abg. Schönerer wegen des Verbrechens der öffentlichen Ruhestörung vom Präsidenten mitgetheilt und dem Immunitäts-Ausschuß überwiesen. Dieser Vorgang interessirt uns weniger an sich, als wie die deutschen Zeitungen ihn besprechen. Schon in Berlin hatte der Antisemitismus versucht, sich mit der deutsch-nationalen Gesinnung zu identifiziren, und dies gelang ihm auch bei einem Eruchtheil der studirenden Jugend in Berlin, Breslau und Leipzig, natürlich unter dem Einfluß gewiffer, durchaus nicht idealer, sondern recht materieller Motive. Im großen Ganzen mußte dieser Versuch, antisemitisch und deutsch-national zu identifiziren, nur mißlingen, denn es giebt in Deutschland außer einigen fanatischen Partikularisten und Sozialisten gar keine Klasse der Bevölkerung, die nicht deutsch-national gesinnt wäre, und die Mehrzahl wies daher den Antisemitismus ab, wenn er sich als ausschließlich deutsch-national geberden wollte. Selbst bei der studirenden Jugend der genannten Universitäten beginnt deshalb die antisemitische Strömung zu verlaufen. Seit ungefähr einem Jahre hat sich nun der Antisemitismus, der in Deutschland jede Bedeutung verloren hat, nach Lesterreich, besonders nach Wien verpflanzt, und hier hat man nun soeben den Versuch erneuert, die studirende Jugend für den Antisemitismus zu gewinnen durch die Vorspiegelung, daß dieser der Träger des deutsch-nationalen Gedankens sei und durch ihn der deutsch-nationale Sinn geweckt und bethätigt werde. Herr v. Schönerer, der fanatische Antisemit, den kein Mißerfolg abschreckt, der österreichische Jstoczy, strebt mit allen Kräften, den Versuch erfolgreich zu machen. Es gelang ihm aber bis jetzt weiter nichts, als den Trauer- Commers für Richard Wagner zu einem Skandal zu machen, der durch antisemitische Demonstrationen den schmählichsten Tumult hervorrief, da sich natürlich ein nicht geringer Theil der Versammlung dieselben nicht gefallen lassen wollte und der Regierungs-Commissär ihnen entschieden entgegentrat. Ebenso sprach sich die Universitätsbehörde dagegen aus, und das Landesgericht stellt, wie wir eben gesehen, eine strafrichterliche Verfolgung in Aussicht. Jedermann weiß, daß die Verhältnisse der Deutschen in Oesterreich jetzt sehr schwierig sind. Die vereinigten Slaven stürmen gegen die bisherige Obherrschaft der Deutschen im cisleithanischen Oesterreich mit aller Macht an, und werden dabei, wie behauptet wird, von der gegenwärtigen Staatsregicrung unterstützt. Daß deshalb gestrebt wird, die deutsche Bevölkerung Oesterreichs aus ihrer Lethargie zu wecken, und sich zu einer energischen Opposition gegen die polnisch-czechischen Bestrebungen aufzuraffen, ist - natürlich. Aber wie urtheilen nun die deutschen Blätter über jene skandalösen Auftritte? Ta sie natürlich auf Seiten der Deutschen stehen, sucht der eine Theil der deutschen Presse den antisemitischen Charakter der Demonstration zu verschleiern und zu verbergen, der andere aber, voran eine! Wiener Correspondenz der „Köln. Ztg." vom 12. März, bemüht sich, den Herrn v. Schönerer zu rechtfertigen und den 13