Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1883)
- Date
- 1883-03-27
- Page
- Seite 204 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Herr Rabbiner Pucher in Mitau aus, wohl daher, weil er das Glück hatte, den wohlthätigen Einfluß deutscher Umgebung an sich selbst zu erfahren. Mit Ausnahme der literarischen Productionen des H. vr. Harkawy und Steinberg, hat noch kein russischer Jude aus der neuen Richtung etwas auf dem Bereiche der jüdischen Wissenschaft geschrieben, was einen wissenschaftlichen Werth hätte. Ich stellte vor cin paar Jahren einen Katalog der Bibliothek „des Vereins zur Verbreitung der Bildung :c." zusammen, wo Alles was über Juden und Judenthum in russischer Sprache geschrieben wurde, complct da war. Und wie viel Raum sollte es wohl glauben, daß der als praktischer Schacherer, als herzlos geldsüchtiger Wucherer verschriene Jude in der Erziehung seiner Kinder ein so unpraktischer Idealist, ein so idealer Wissensverehrer sein wird, bei dem selbst der idealste deutsche Schwärmer noch zur Schule gehen konnte. Steht doch immer dem Deutschen für seine Liebe zur Wissenschaft ein praktischer Beruf, eine ehrenvolle Professur in Aussicht; was von dem Allen hatte der Talmudjude für seine Liebe zur Wissenschaft zu erwarten? und bei alle dem war diese Liebe zur Wissenschaft bei den Juden überhaupt, und den polnischen Juden insbesondere eine alltägliche Erscheinung, nahm diese complete Collection ein? Einen kleinen Winkel! während sie selbst in Deutschland noch immer mehr oder in einem kleinen Schrank! Und leider blieb vielleicht die j weniger vereinzelt da steht. In diesem specifisch jüdischen Qualität dieser Collection noch weit hinter deren Qualität! Idealismus, in dieser Liebe zur Erkenntniß verstärkte und zurück. Aber wir haben nun Gottlob drei umfassende wöchentj bekräftigte die erwähnten Pioniere der Einfluß ihrer neuen liche und cin monatliches Journal, und man muß den Re- Lehrer und Meister, der Einfluß der Deutschen, die aus ihren dactionen Gerechtigkeit widerfahren lassen: sie sparen keine Idealismus, auf ihre Liebe zur Erkenntniß mit Recht stolz Mühe und keine Kosten, um auf der Höhe ihrer Aufgabe sind. Denn, wenn unsere Pioniere außer unter jüdischem zu stehen. Und Trotz alle dem, was haben sie bis heute noch unter anderem Einfluß standen, so war es, unter ihren Lesern oder der jüdischen Wissenschaft gebracht? Außer einem Artikel von Herrn Prof. Chwolsohn, einigen gelehrten Deutschem. Bon russischem Einflüsse wußten sie eben wenig, vielleicht noch weniger, als die in Rußland lebenden Notizen des H. l)r. Harkawy und vielleicht noch einiges, was j Deutschen. mir jetzt entfallen sein mag, sind es nur Compilationen und, Wäre nun die Bildung der russischen Juden in dieser Uebersetzungen — beide zuweilen noch von unberufener Hand! Richtung fortgeschritten, wir könnten uns dann wohl nicht — die unsere jüdischen Journale füllen, und muß ich noch.rühmen, „echte Russen" zu sein, aber Rußland, dem es eher einmal wiederholen: „die russisch-jüdischen Journale sind ein an Culturkräften, an civilisirten Bürgern als an Russen testimonium paupertati.s, welches die russische Judenheit sich l mangelt, hätte daran Nichts verloren, und das Judenthum, auf ca. 500 Druckbogen jährlich ausstellt." die jüdische Wissenschaft im Allgemeinen und die russische Woher diese schmerzliche geistige Armuth? Warum Judenheit im Speciellen, und vielleicht auch die menschliche blieben die Nachfolger ihren Vorgängern, die Jünger ihren Cultur überhaupt, daran viel gewonnen. Allein das war Meistern so weit nach? Die Antwort ist eine ganz einfache:! nicht gut möglich. Je mehr die moderne Civilisation unter „Wir stehen unter dem Einflüsse der russischen Gesellschaft, den russischen Juden Adepten sich erworben hat, desto mehr von welchem unsere Bäter verschont blieben."! überzeugte man sich, daß man als Autodidact nicht weit Es hatte seinen guten Grund, wenn man den Pionieren i kommen kann, daß das Studium auf eigene Faust immer der jüdischen Intelligenz Rußlands das Epitheton „Berliner"! lückenhaft und verworren bleiben wird; kurz desto mehr mußte oder „Teutsche" beilegte. Aus Berlin, aus Deutschland die Frequenz der russischen allgemeinen Lehranstalten von strömte ihnen das Licht zu, Mendelssohn, die „Measphim und ihre Jünger waren ihre Lehrer und Leiter. Die deutsche Seiten der jüdischen Jugend zunehmen. Hier konnte, — wie ich in dem vorhergegangenen Briefe auseinandersetzte — Sprache hat ihnen europäisches Wissen vermittelt, aus deut-j von einem jüdischen Einfluß keine Rede mehr sein, und schen Werken haben sie Belehrung geschöpft. Mit dem alten1 ebensowenig von einem Deutschen, denn wo sollte dieser Realismus, mit der alten Genügsamkeit, mit alter Zähigkeit! Herkommen, da Lehrer. Schule, Sprache, Umgebung, alles und Ausdauer, ja mit dem alten „Nigen" eines echten polnischen! Russisch war. So wurde die jüdische Jugend gänzlich dem ^almudjuden, lagen sie gebeugt Tag und Nacht über den Schriften deutscher Dichter und Denker, und fragten sie nie: russischen Einfluß ausgeliesert. Was dieser uns bieten konnte, das wissen wir leider nur zu gut, davon spricht mit beredten wozu ihr rastloses Studium ihnen nütze, was sie von ihrem! Zungen der sittlich intellectuelle Zustand der russischen Juden, reichen Wissen erwarten? Wissen, Erkennen und Lernen I die geistige Leere der jüdischen Journale, der herrschende war ihr einziges und ihr höchstes Ziel. Dieses ideale Studium, -*:rr, diese reine Liebe zur Erkenntniß, welches gipfelte, haben sie von ihren Vätern geerbt in und bildete die Seele der jüdischen Pädagogik. Ja wer Mangel an jüdischen Predigern, an gelehrten Specialisten der jüdischen Wissenschaft. Warum der russische Einfluß so schädlich auf die jüdische Intelligenz wirkt, ist nicht schwer zu errathen, und habe ich