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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-27 · Heft 13 (27.3.1883) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 13 (27.3.1883)
Date
1883-03-27
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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202 fession angethanen Schmach, die ganze Welt während 10 Monate zum Narren zu halten. Herr Redacteur! Ich war so frei. Sie als Testimonium legale zu erbitten, indem ich Ihnen ein Exemplar meines an den Justizminister gerichteten Briefes behändige, welches in Empfang zu nehmen, im Interesse der guten Sache, ich Sie ergebenst ersuche. Ich erhoffe von meinem Schritte, und von Ihrem etwa zu verwendenden mächtigen Einfluffe, den besten Erfolg. — Sollte ich mich getäuscht haben; sollte Herr Pauler noch immer als bewegungslose Mumie in die Nyiregyhäzaer Geschehnisse theilnahmSlos darein schauen; sollte er sich in letzter Stunde zu der so oft urgirten Gerichtsdelegation nicht entschließen: dann gute Nacht! mein armes Vaterland, dann verdienst du keine andere Regierung und keinen anderen Justizminister; dann sollen getrost die Herren antisemitischen Staatsmänner an die Regierung gelangen. — Ich aber werde unbeirrt meine eigenen Wege geben; ich werde die ausländische Presse — nicht wie die Herren Sachsen — mit lügenhaften Schmerzensschreien behelligen, sondern mit wahren, nackten Thatsachen über unsere Miseren aufklären. Budapest, 17. Febr. 1883. Ihr ergebenster Diener Moritz Zsengery. Wir können nicht unterlassen, die Bemerkung zu machen, daß hier unter den Schuldigen das Abgeordnetenhaus vergessen ist, welches sich zum Mitschuldigen in dieser Sache machte, als es in der desfallsigen Verhandlung den Phrasen des Justizministers zujubelte. Redakt. d. A. Z. d. Jud. Eine abermalige Erklärung -es Prof. Delitzsch. Der „Pest. Lloyd" vom 16. d. enthält folgende Erklärung: Der Paderborner „ Judenspiegel" (2. Aust. 1883), ein Bestandtheil der „Bonifazius-Broschüren", von welchem Professor Rohling (Meine Antworten an die Rabbiner S. 52) rühmt: „Tie Texte, welche vr. Justus (so nennt sich der maskirte Verfasser) bietet, sind direkt aus den Quellen entnommen", gipfelt schließlich in drei Citaten aus cabbalistischen Werken, mit denen er die Blutanklage begründet. Das eine Buch ist, wie angegeben wird, in Jerusalem, das andere in Bagdad erschienen. Professor Rohling hat ohne Zweifel diese Funde im Auge, wenn er sagt (a. a. O. S. 53); „Würden die hohen Obrigkeiten es mir ermöglichen, einige Jahre im Orient zuzubringen, so glaube ich, daß ich auch Texte dieser Art finden könnte." Wenn in der Synagoge von Tißa-Eßlar wirklich das geschehen wäre, was in der antisemitischen Brandschrift: „Esther Solymvsi oder der jüdisch-rituelle Jungfrauen-Mord. Bon Georg v. Marczianyi" (Berlin, bei M. Schulze, Verleger des humoristisch-satirischen Wochenblattes: „Die Wahrheit") mit Pitaval-Genauigkeit haarsträubend beschrieben wird, so enthält das eine jener drei Citate das Geheimrezept, nach welchem die Mörder in fanatischer Bethörung verfuhren. Die Stelle des Jerusalemer Buches, welche vr. Justus Seite 95 des „Judenspiegels" mittheilt, lautet wie folgt: „Was meint die Schrift damit (mit den letzten Worten von Sprüche XXX, 19)? Der Sinn ist in kurz gefaßten Worten folgender: Es ist wunderbar, daß das Jungfrauenblut der Unreinen, der Klipoth (der Nichtjüdinen) dem Himmel doch ein so wohlriechendes Opfer ist. Ja, nichtjüdisches Jungfrauenblut zu vergießen, ist ein ebenso heiliges Opfer, als die besten Gewürze, und ein Mittel, Gott mit sich zu versöhnen und Gnade auf sich herabzuziehen. Das meint also die heilige Schrift: Es ist wunderbar, daß die Jungfrau persönlich unrein und Klipa (Nichtjüdin) und doch die Vergießung ihres Blutes ein so theueres Opfer ist." Wenn diese Stelle existirte, so enthielte sie ein schauriges Präjudiz gegen die Angeklagten von Tißa-Eßlar. Und sollte sie nicht existiren? vr. Justus zitirt das Buch mit Druckort und Seitenziffer. Tausende und aber Tausende werden ihm glauben, denn wer kann sich das in Jerusalem erschienene Buch verschaffen und wie Wenige, wenn sie es hätten, vermöchten es zu lesen und die Richtigkeit der Ueber setzung zu controliren! Weil ich aber einer dieser Wenigen bin und als ein Christ „falsche Zeugnisse" nach dem Worte meines Herrn Matth. XV, 19 Demjenigen beizähl., was den Menschen vor Gott, dem Heiligen und Wahrhaften verunreinigt, so erkläre ich hiermit vor aller Welt, daß jene Uebersetzung keine Uebersetzung, sondern ein Machwerk infernaler Lüge ist. In einen Text, der von Jungfrauenblut im Sinne 5. Mos. XXII, 17 handelt, hat der Fälscher eine Empfehlung des Jungfrauenmordes im Sinne der oben genannten Brandschrift hineingedichtet. Wer ist der vr. Justus, durch den der Bonifazius-Berein sich so dupiren ließ? ') Ist dies für einen christlichen Verein geziemend, die Drachensaat solcher Lügen in das Herz des christlichen Volkes zu streuen? Der „Judenspiegel" schließt mit dem Wunsche, daß Gott! das Herz der Juden der Wahrheit des Christenthums öffnen l möge. Dieser Wunsch ist auch der meinige, aber eben des-; halb verabscheue ich eine Polemik, welche, von Racenhaß ver- ' blendet, sich mit Unwissenheit und Böswilligkeit verbündet j und gewerbsmäßig die Colportage falschen Zeugnisses betreibt. I Leipzig, 13. März 1883. Franz Delitzsch. 1 1) Katholische Sprachkenner, wie Prof. Birkoll in Innsbruck, i Prof. Scholz in Würzbnrg, Priester Knabenbauer und andere meiner ' Fachgenoffen werden ihm die schändliche Fälschung bestätigen. D.

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