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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-27 · Heft 13 (27.3.1883) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 13 (27.3.1883)
Date
1883-03-27
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
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201 Aretas (28 nach der gew. Ztt.). Auf das Volk hatte dies wenn man in „übergroßer Empfindlichkeit- — nach seiner keinen Einfluß, denn es bettachtete, wie noch viele nacher- Meinung — eine solche „Judenbagatelle" an die große zählte Anekdoten beweisen, die Herodianische Familie doch Glocke hängen würde. Er hat sich nun mal entetirt, seinem immer nur als Halbjuden. (Fortsetzung folgt.) Ein Schmerzensschrei in -em Lißa-Eßlarer Prozeß. Dieser Proceß hat sowohl durch seinen Gegenstand als durch die schmähliche Art, wie er geführt wird, die Aufmerksamkeit der ganzen civilifirten Welt auf sich gezogen. Seit Wochen steht er wieder gänzlich still, und eben so lange schweigen die ungarischen Blätter über ihn gänzlich still. Wir erhalten nun so eben ein Doppel-Quartblatt zugesandt, auf dem drei Seiten in ungarischer Sprache abgefaßt sind, die wir leider nicht verstehen, eine in deutscher, und diese wollen wir hier wiedergeben, da sie dem gerechten Schmerze eines Ungars Worte leiht. Euer Hochwohlgeboren, Herr Reichstags-Abgeordneter! Geehrter Herr Redacteur! (Falk). Schützling dem Präsidenten Kornis das edle Spiel nicht zu verderben, und er selbst scheint auch Gefallen zu finden beim „Kibitzen." Was soll ich also thun? ich mag es doch nicht mit aller Welt verderben. Wir ttösten uns jedoch mit der Ueberzeugung, daß diese armen unschuldigen Juden denn doch nicht gehängt werden; ihre Unschuld wird endlich doch an den Tag kommen. Haben sie sich so lange gedulden müsien, so mögen sie noch ferner in Geduld sitzen, bis cs Herr Kornis endlich für gut finden wird, die Schlußver Handlung abzuhalten, die er doch nicht bis in die Ewigkeit wird verschleppen dürfen." Ich aber, Herr Redacteur, sage: Bei solchen himmelschreienden Ungerechtigkeiten, bei solchen flagranten verbrecherischen, justiziellen Ausschreitungen kenne ich keine Opportunitätsgründe. Es ist nicht wahr, daß unschuldige Menschen ihrer persönlichen Freiheit so lange beraubt werden dürfen — aus Ihr Freitag - Morgenblatt des „Pester Lloyd" vom 9.! Opportunität. Febr. brachte ein Telegramm aus Nyiregyhäza, daß Moritz' Es ist nicht wahr, daß man einen justizfälschenden Scharf davon laufen wollte. Sie wollten mit dieser sonst ganz unbedeutenden Nachricht wahrscheinlich nur demonstriren, daß Moritz seine gesetzlich garantirte und auch vom Justizminister bestätigte „Freiheit" als Gefangener im Comitats- Hause „genießt"; es ist daher auch nicht zu verwundern. Gerichtshof, welcher wisientlich einen Justizmord zu begehen beabsichttgt, die Schlußverhandlung abhalten lasien muß — aus Opportunität. Es ist nicht wahr, daß man einen wackelnden Ministerfauteuil auf Kosten der nationalen Ehre vor dem Zudaß er davon laufen wollte. — Ja, die übrigen Eßlarer > sammenbruche schützen muß — aus Opportunität. Gefangenen möchten gewiß auch schon gerne davon laufen!! Es ist endlich nicht wahr, daß die ehrliche und unbe- Und warum hat der „Pester Lloyd" bis nun noch keine I fangcne Presie die Schändlichkeiten des Nyiregyhäzaer Geselbstständige Krittk über die himmelschreiende, verbrecherische: richtshofes und die diesbezüglichen Unterlasiungen des Thättgkeit dieses königlichen Nyiregyhäzaer Gerichtshofes j Justizministers todtschweigen muß — aus Opportunität, gebracht? Warum thut der „Pester Lloyd" seine Schuldig-! Fiat justitia aut pereat mundus! feit nicht? | Da soll das D.! dareinfahren in Ihr wahrhaft liberales Blatt, welches trotz seiner! solche Justiz-Zustände, in eine solche liberale Regierung, und gouvernementalen Färbung, mitunter ganz unparteiisch i in solche Preßverhältnisie!!! manche Fehler der Regierung schonungslos gerügt, fand kein! Die Presie ist ja ein Riese! Ist denn in unserem Lande Wort der Entrüstung über die ungarischen justizfälschenden j dieser Riese gefesselt, daß er seine Macht in Erfüllung seines Richter, und ließ auch den Justtzminister ganz unangefochten edlen Berufes, im Dienste der Humanität nicht gebraucht? nach „Herzenslust" gewähren. In einem solchen Staate, dessen 600.000 treueste Söhne Herr Redacteur! auf diese meine Anstage habe ich; vor der Verfolgung eines königlichen G-richtshofes durch die auch Ihre Antwort schon fertig; Sie werden mir sagen:! heimische Presie keinen Schutz finden, ist es für einen Juden „Lieber Freund! Sie sind zu naiv, Sie verstehen die Sache j eine Schande Staatsbürger zu sein! Wäre eine solche Schmach nicht; diese Angelegenheit ist hoch politisch und von sehr! in Oesterreich oder sonst in irgend einem europäischen heikler Natur! Wenn die gesammte ungarische Presie schweigt,! Culturstaate möglich gewesen? und hätte denn in Ungarn was würden meine Journal-Collegen dazu sagen, wenn ein solcher Justizskandal unter der deäkistischen Regierung, unser Blatt allein die Sache aufgriffe? Sie würden den! unter der Justiz-Ministerschaft des edlen Balthasar Horväth „Pester Lloyd" für ein Judenblatt ausschreien; sie würden! statt finden dürfen? Nein! nur unter dem „illustren" uns vor dem ungarischen Publicum als unpatriotisch ver- Criminalrechtslehrer Doctor Theodor Pauler durfte ein ketzern; auch dem Justizminister wäre es sehr unangenehm, j königlicher Gerichtshof es wagen mit der, einer ganzen Con- 13*

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