Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-27 · Heft 13 (27.3.1883) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 13 (27.3.1883)
Date
1883-03-27
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227461--40677-3309089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

200 selytismus. Der letztere ist der sicherere, insofern es bei Verehelichung mit Andersgläubigen darauf ankommt, wer von beiden Theilen den Anderen in seine religiöse Anschauung hineinzieht, und welcher Religion die Kinder zugesellt werden. . Nach beiden Richtungen hin hat die Untersuchung für die nun folgende Zeit ihre Aufmerksamkeit zu richten. Bleiben wir zuerst bei den palästinensischen Juden stehen, die von Alexander dem Großen an noch vier Jahrhunderte im heil. ihnen zurück und mißhandelten das Volk. Als schließlich die Macht der Syrer in Judäa für immer gebrochen war, wurde der Rest jener hellenisirenden Juden ausgetrieben. Bald darauf bekanntlich entstanden die Sekten der Pharisäer, Effäer und Sadducäer. Die Maffe des Volkes hing den demokratischen Pharisäern an und drängle die aristokratischen Sadducäer zurück. Unter der Einwirkung der Pharisäer wurde das traditionelle Gesetz alleinherrschend, und so verschwanden all- Lande bestanden. Gerade hier aber ist nichts sicherer, als j mählig die Sekten. — — Das wichtigste Ereigniß für undaß die Verehelichung mit anderen Völkern im gedachten Zeit-, seren Gegenstand ist die Unterwerfung und Bekehrung der raume durchaus perhorrescirt wurde. Seit Esra und Rehe- Jdumäer durch Hyrkan im Jahre 129 vor d. gew. Ztr. Jomia wuchs die Uebung des Gesetzes in der ganzen Volks-sephus(AlterthümerB. XIIIK. 9.) berichtet darüber: „Hyrkan maffe in steigendem Maße; es war die Neigung lebendig,1 eroberte weiter in Jdumäa die Städte Adora und Mariffa das mosaische Gesetz nicht nur mit aller Strenge auszufüh- und unterwarf die Jdumäer sämmtlich, erlaubte ihnen jedoch, ren, sondern auch durch vorbeugende Maßregeln zu umzäunen im Lande zu bleiben, wenn sie die Beschneidung annehmen und ihre Unverletzlichkeit zu sichern. Es dehnte sich dies auf und das jüdische Gesetz befolgen wollten. Wirklich bequemalle Gebiete des Lebens aus, so sehr, daß sogar die spätere ten sie sich aus Liebe zur Heimath, die Beschneidung anzutraditionelle Auslegung Härten abzuschleisen und Uebertreinehmen und in ihrer ganzen Lebensweise sich den Juden bungen zu mäßigen hatte, die in den letzten Jahrhunderten gleichförmig zu machen. Bon dieser Zeit an waren sie selbst vor dem Falle Jerusalems sich herausgebildet hatten. So Juden (/.oaxivog avxoig yqovog vrtr^yev, ücxt elvca x6 z. B. das Sabbathgesetz; noch in den Anfängen des Makka- "koiTtov lovdaioig.)* Man erwäge wohl, daß Josephus dies bäerkampfes ließen sich tausende von Juden niederhauen, mehr als zwei Jahrhunderte später geschrieben hat, also hierweil sie am Sabbath sich nicht vertheldigen zu dürfen glaubmit das völlige Aufgehen der Jdumäer in die jüdische Maffe, ten, so daß die Makkabäer als Gesetz aufstellten, am Sabbath von welcher sie sich fortan nicht mehr unterschieden, ausden Feind nicht anzugreifen, aber angegriffen, ihn zurückzudrückte. Doch darf man hinwiederum nicht vergeffen, daß werfen. Ein anderes Beispiel war, daß die Juden die Adler' die Jdumäer als Nachkommen Jakob's durch Esau stets als aus den Standarten der römischen Legionen in ihren Städten j Brudervolk des jüdischen Stammes angesehen wurden, wie es 5 Mos. 22, 8 heißt: „Verabscheue nicht den Edomi, denn er ist dein Bruder." Somit war es doch nur ein dem jüdischen Stamme eng verwandter, der vollständig aufgesogen wurde. Ganz anders verhielt es sich mit den Chutäern (Samaritanern). Auch deren Städte unterwarf Hyrkan: „Sichem und Garizim und das ganze Chutäervolk", wie Josephus kurz vor der angeführten Stelle berichtet. Hier besagt Josephus nur, daß Hyrkan ihren Tempel aus Garizim, nachdem er 200 Jahre bestanden, zerstörte, nicht aber, daß er sie Juden zu werden gezwungen hätte. Er verhinderte sie also an ihrem Gottesdienste, machte sie unterwürfig, ließ sie jedoch in ihrem häuslichen Leben ungestört und als besondere Sekte bestehen. Deshalb dauerte auch die Feindschaft zwischen ihnen und den Juden fort, beide hielten sich abgesondert, und bethätigten auch in späterer Zeit ihre gegenseitige Abneigung im Kleinen und Großen, im In- und Auslande, z. B. in Alexandrien. Aus den Jdumäern gingen Gelehrte hervor, wie Schemajah und Abtalion, und endlich die Herrscherfamilie, die Herodianer. Die letzteren, die den römischen Sitten allzuviel huldigten, standen auch nicht an, ftemde Frauen zu heirathen; so nahm der Sohn des Herodes, Alexander, die Tochter des Königs von Cappadozien Glaphyra zur Gemahlin (15 vor d. gew. Ztr.), Herodes Antipas die Tochter des Araberkönigs und Thierabbildungen am Palaste des Königs nicht dulden wollten und sich der schlimmsten Behandlung aussetzten, um sie zu entfernen; auch hierin hat die traditionelle Auslegung einen Mittelweg eingeschlagen. Die agrarischen Gesetze wurden mit einer Strenge ausgeübt, daß man sich selbst während des Krieges lieber dem äußersten Mangel aussetzte, als das Sabbathjahr zu verletzen und während desselben zu ernten. Für alles dieses liegen geschichtliche Beweise vor. Ganz ebenso verhielt es sich mit der Verschwägerung mit Heiden. Bei einem Vorgänge um 225 vor d. gew. Ztr. zeigte sich das Verbot alles näheren Umgangs mit einer Nichtjüdin in unbedingter Geltung. Die früher nachgesehene Verschwägerung mit den Tempelknechten wurde in dieser Zeit streng verboten und mtt der größten Sorgfalt auf reines Blut gesehen. Auch in anderer Beziehung wurden die Ehe. und Keuschheitsgesetze verschärft und erweitert. Allerdings brachten die Kämpfe mit den Syrern eine starke Gährung hervor. Denn ein Theil des Volkes ließ sich verleiten, den Lockungen und Drohungen der syrischen Gewalthaber zu folgen oder der Neigung nach den hellenistischen Sitten nachzugeben. Desto energischer ttaten die Makkabäer diesen Abfälligen gegenüber, und hatten bald fast das ganze Volk hinter sich. Waren die Syrer siegreich, so kehrten die hellenisirenden Juden mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.