Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1883)
- Date
- 1883-03-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227461--40676-3309088- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemein e Zeitung -es Iu-enthunrs. Ein un-arteiischcs Organ siir alles jüdische Interesse. , Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mart. Abonne- , ment in Deutschland (Postzeitungsliste > Nr. 92) und Oesterreich bei allen Post- | Ämtern, außerdem durch den Buch- | Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KXpeöition: Leipzig, Woßpkcttz 18. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L.PHilippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagsbandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 27. März 1883. No. 13. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische Stamm. IV. — Ein Schmerzensschrei in dem Tißa-Eßlarer Prozeß. — Eine abermalige Erklärung des Prof. Delitzsch. — Petersburger Briefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. HI. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Frankfurt a. M., Seesen, Straßburg i. E. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. Kiew. — Amerika: Bonn. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine Fahrt nach Amerika. (Fortsetzung und Schluß.) — Vermischtes. £eiteixDc €Xztißc(. Bonn, 12. März. Der jüdische Stamm. IV. Am Ende der biblischen Periode sehen wir also den Grundsatz der Reinhaltung des jüdischen Stammes von der Vermischung mit anderen Volkselementen in ausgedehntem Maße erneuert und befestigt, zugleich aber auch als Motiv dafür die Absicht kund gegeben, die Religion Israels vor dem Eindringen des Heidenthums zu schützen. Es war also keine nationale Gesinnung, keine nationale Ausschließlichkeit, sondern die Schutzwehr für die mit frischer Geisteskraft aufgefaßte religiöse Mission. Mit der macedonisch ägyptisch-syrischen Periode, die später in die römische überging, veränderte sich aber die Situation des jüdischen Stammes vollständig, und hier beginnt deshalb der schwierigere Theil unserer Untersuchung. Denn einerseits begannen mit Alexander dem Großen die bedeutenden Emigrationen nach den ägyptischen und syrischen Landschaften, besonders den neubegründeten Städten Alexandria, Antiochia, Seleucia u. s. w., später auch nach Griechenland und Rom und weiter; diese Auswanderungen aber führten beträchtliche Theile des jüdischen Stammes in das Ausland, mitten in ganz anders geartete Bevölkerungen. Andererseits griffen die neuen, hellenistischen Dynasten viel tiefer in das innere Leben des jüdischen Volkes ein, wozu sie der Kampf, der zwischen Syrien und Aegypten um die Obherrschaft in Borderasien geführt ward, veranlaßte, später der von den Juden für ihre Selbständigkeit und den Bestand ihrer Religion und ihres Gesetzes erhobene und kräftig durchgeführte Widerstand. Es drangen immerfort große feindliche Heere in das Land, starke Besatzungen wurden in die jüdischen Städte gelegt, besonders auch in Jerusalem, in vielen Ortschaften wurde die ganze jüdische Bevölkerung niedergemetzelt und fremde Ansiedler hinverpflanzt, wie auch umgekehrt die jüdischen Krieger die Bewohner feindlicher Städte, die sie mit den Waffen in der Hand erobert, verheerten und mit jüdischen Ansiedlern besetzten. So drangen wieder fremde Elemente in das Herz des jüdischen Landes ein, und hielten sich hier lange Zeit. Tie schwerste derartige Krise war der bekannte Kampf der Makkabäer gegen die übermächtigen Syrer, und das Resultat war doch wieder die Reinigung des Landes von allen fremden Bewohnern, die! Ausdehnung des jüdischen Besitzes, die schnell ansteigende Bevölkerung des ganzen Landes, bis das römische Schwert i an die Pforten Jerusalems klopfte. So drückend nun das .römische Joch wurde, so blieben doch während der Römer-! Herrschaft, abgesehen von den militärisch in sich abgeschlossc i nen römischen Besatzungen, die Juden in ihrem Lande von! der Invasion fremder Bevölkerung frei; denn die in Asien! fremden Römer hatten keine Vorliebe für irgend eine der asiatischen Völkerschaften, die sie sämmtlich nur durch die! Macht des Schwertes unterthan erhielten. —! Die Vermischung mit anderen Volkselementen oder die : Aufnahme derselben in den Bolkskörper geschieht auf zwie-! fachem Wege, entweder durch Verehelichung, oder durch Pro- 13