Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1883)
- Date
- 1883-03-20
- Page
- Seite 191 (sequence 11)
- Language
- German
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191 den laufgenommen 28, dagegen entlassen 17, gestorben sind 2, der gegenwärtige Stand der Anstalt beläuft sich sohin ans 52 Zöglinge. Das Vermögen des Knaben-Waisenhauses betrug zum Schluffe des verflossenen Jahres 296,528 fl. 33 kr. Die gänzliche Verpflegung je eines Zöglings kostete jährlich 174 fl. 37 kr. Im Landes-Jnstitut der israelitischen Taubstummen erhielten im abgelaufenen Jahre 62 Zöglinge ihre Ausbildung, darunter 35 Knaben und 27 Mädchen, 57 Zöglinge jüdischer und 5 katholischer Confession. Im Jahre 1882 wurden zusammen 1668 Kinder geboren, darunter 846 Knaben und 822 Mädchen. Bon den Knaben waren 170, von den Mädchen 130 illegitime Kinder. Trauungen kamen 496 vor, um 35 mehr, als im vorhergehenden Jahre, und Ehescheidungen 13. Gestorben sind 1391 Personen, und zwar 717 männlichen, 674 weiblichen Geschlechtes, demnach um 42 mehr als im vorhergehenden Jahre. —Zum Tißa-Szt.-Jmreer Fall wird dem „Nemzet" gemeldet, daß der Abäd-Szaloker Bezirksrichter Török, wenn es sich auch als zweifellos herausgestellt hat, daß die Anklage gegen Pillitzer vollständig unbegründet ist, seine Aufmerksamkeit allen übrigen Details der Sache zuwendet. Seit der Exhumation hat er 34 Zeugen vernommen, deren Aussage für den Vater der Esther Molnür sehr belastend sein soll. Es heißt, daß dieser seine Tochter sehr grausam behandelt und ihr am Abend ihres Verschwindens gedroht habe, sie zu erschlagen, wenn sie es wagen sollte, in sein Haus zurückzukehren. Der Bezirksrichter hat die Akten behufs Antragstellung der Karczager Staatsanwaltschaft übersendet. Die israelitischen Bewohner von Szent-Jmre erschienen bei dem Staatsanwalt Poynar, um ihn zu bitten, durch rasches und energisches Eingreifen allen Agitationen und weiteren Verdächtigungen ein Ende zu machen. Pest, 6. März. Bon ven 413 Mitgliedern des ungarischen Abgeordnetenhauses sind 219 römisch-katholisch, 105 reformirt, 57 evangelisch A. C., 15 griechisch-orientalisch, 5 griechisch-katholisch, 6 Unitarier, 5 Israeliten und 1 confessionslos. Man sieht hieraus, daß die Zahl der Abgeordneten jüdischer Religion dem numerischen Bevölkerungsverhältniß noch lange nicht nahe kommt. Frankreich. Paris, 11. März. Die Aufregung und bittere Stimmung, in welcher sich gegenwärtig der katholische Clerus durch die radicalen, kirchenfeindlichen Maßregeln der Regierung und Kammern befindet, ist sehr erklärlich. Aber er läßt sich auch dadurch zu den heftigsten Aeußer ungen und Schritten verleiten, welche die Stimmung gegen ihn nur immer weiter verbreiten können. Herr Felix Hement, früher Professor am israelitischen Seminar, jetzt Generalinspektor des Primär Unterrichtes in Paris, hält bisweilen öffentliche Borträge und zwar auch in der Provinz. Er ist bekannt als Spiritualist und hat niemals sein religiöses Bekenntniß als Jude verleugnet. Jüngst beabsichtigte er im Departement De L'Aines Borträge zu halten. Da erließ der Bischoff von Laon einen heftigen Hirtenbrief gegen ihn, in welchem er ihn des Atheismus anschuldigte und allen Gläubigen unter Androhung scharfer Kirchenstrafen verbot, den Vorträgen anzuwohnen. Begründet und erwiesen hat der Herr Bischoff diese schwere Anklage nicht, und hätte es auch nicht gekonnt. Es soll eben außerhalb der Kirche Alles stumm und todt sein. Türkei. London, Ans. März. Daß das türkische Verbot noch nicht wieder aufgehoben, wie der „Maggid" behauptet hatte, erweisen folgende Berichte: Serjeant Simon interpellirte am 26. v. Mts. im Parlamente den Sekretär des Ministeriums des Aeußern, ob die Regierung dem Briefe Sir Oliphant's, den derselbe am 30. Jan. in der „Times" veröffentlichte, Beachtung geschenkt habe, event. welche Schritte in dieser Angelegenheit gethar. worden sind. Lord E. Fitzmaurice beantwortete die Interpellation mit den Worten: Der Staatssekretair hat von dem Briefe, welchen mein ehrenw. Freund erwähnte, Notiz genommen und der Gesandte Ihrer Majestät zu Constantinopel hat Instruction erhalten, die eingehendsten Recherchen anzustellen und die Pforte darauf aufmerksam zu machen, daß in erster Reihe britische Unterthanen, wenn auch jüdischen Glaubens, geschützt werden würden und daß durch die betreffenden Vorgänge das Princip der durch die Kaiser!. Firmans garantirten religiösen Freiheit verletzt worden sei. Constantinopel, 7. März. Wie der „Pol. Corr." mitgetheilt wird, hat der Charge d'Affaires Englands den Auftrag erhalten, von der Pforte Aufschluß zu erbitten über die Ursachen, welche den Kaimakam von Kaifa in Syrien bewogen haben, die Landung von 120 Juden daselbst, unter welchen sich mehrere britische Unterthanen befanden, trotz des ausdrücklichen Protestes des englischen Viceconsuls zu verhindern. Ter Charge d'Affaires, Mr. Wyndham, hat sich dieses Auftrages entledigt und dabei zugleich die Pforte aufmerksam gemacht, daß das Verfahren des Kaimakams von Kaisa eine Verletzung des Princips der religiösen Freiheit involvire, welche durch zahlreiche kaiserliche Firmans und internationale Verträge geschützt ist. Bonn, 11. März. (Notizen.) Unser Glaubensgenosse Goldscheider, der schon eine wichtige Stellung im französischen Marineministerium eingenommen, ist soeben zum Unterdircctor im Ministerium für dieColonien ernannt worden.—Wir haben zur Zeit erwähnt, daß das Journal .Xa ville de Paris" das erste Pariser Blatt war, welches, dem Willen des Rothschild'schen Hauses entgegen,;u einer allgemeinen Subseription ii*