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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-20 · Heft 12 (20.3.1883) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 12 (20.3.1883)
Date
1883-03-20
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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187 und fanden wir in derselben keine Thatsachen, welche einendes letzteren nicht zu denken ist. Mit dem Sturze der irgend wesentliche Verschmelzung des jüdischen Stammes mit j persischen Herrschaft und der Begründung der aus den Siegen fremden Volkselementen erweisen. Was sich an Faktischem! Alexander des Großen erwachsenen Reiche tritt eine neue Pedarbot, deutet nur auf ein so geringes Maß von Aufnahme j riode ein und beginnt das eigentliche Feld der Untersuchung fremden Blutes in den Volkskörper, daß an eine Modifikation über die uns beschäftigende Frage. (Fortsetzung folgt.) %eÜVi/n. yyvxac Deutschland. Berlin, 15. März. (Privatmitth.) In Ihrer Besprechung der Verhandlung des preußischen Abgeordnetenhauses in der Sitzung vom 26. Februar haben Sie, wahrscheinlich weil Sie in die Details nicht eingingen, eine Auslastung Virchow's übergangen, die uns doch unmittelbar berührt. Er sagte, indem er Stöcker apostrophirte: „Sie haben noch aus dem alten Judenthume eine Reihe von tiefgreifenden Anschauungen, so tief, daß Herr Stöcker, der sich so antisemitisch bewegt, im Innern eigentlich noch rein jüdisch ist. (Große Heiterkeit.)" Bekanntlich liebt es Birchow, in seine Reden, seien sie improvifirt oder vorherbedacht, einen Witz einzumischen und möchte wohl, wenn ihm ein solcher auf der Zunge schwebt, ihn zurückzuhalten nicht im Stande sein. Ein solcher Witz ist es, den er hier losließ, aber doch mit einem ernsten Hintergründe. Herr Birchow hätte aber nur gut gethan, statt sich in einer Masse oberflächlicher Phrasen zu ergehen, diese Anschauungen aus dem Judenthume, die Stöcker „rein jüdisch machen sollen", näher anzugeben, und sich nicht blos auf Anklagen zu beschränken. Sind diese „Anschauungen aus dem alten Judenthume" dogmatischer Art? Dann würde es Herrn Birchow sehr gut thun, gerade diejenigen jüdischen Anschauungen auch zu haben, cs sind nur wenige Punkte, in welchen die sonst weit abweichenden dogmatischen Anschauungen Stöcker's noch mit denen des Judenthums übereinstimmen, wir meinen insonders die Anschauung von Gott als Schöpfer der Welt und von der göttlichen Weltordnung. Oder sind jene Anschauungen sittlicher Art? Dann müsten wir Birchow erinnern, daß, so viele wistenschaftliche Resultatej sich aus den physiologischen, pathologischen und anthropologischen Forschungen Virchow's ergeben haben, doch noch kein einziges sittliches Prinzip aus ihnen crflossen ist und ersließen konnte. Die sittlichen Grundsätze Virchow's, an denen wir durchaus nicht zweifeln, sind „rein jüdisch", und das Judenthum ist die Quelle, aus denen sie geschöpft sind, so daß sie sich fort und fort durch die Geschlechter verpflanzen und tradiren. Möchten doch diese Herren Naturforscher niemals vergesten, daß sie, so gut wie sie in ihrer Wistenschast aus den Schultern ihrer Vorgänger stehen und ohne diese noch aus recht tiefem Boden ständen, auch in jeder anderen menschlichen Beziehung, in sittlicher, politischer und sozialer, auf den Errungnissen der Vergangenheit fußen. Birchow fordert Stöcker aus, seinen „alten Adam" auszuziehen. Herr Birchow hat auch einen „alten Adam" in mancherlei Stücken an, und könnte Stöcker mit gutem Beispiele vorangehen. Zu diesem alten Adam Birchow's gehören auch seine Vorurtheilc gegen das Judenthum. — Wenn man nach einem Beweise suchte, wie Ausdauer und Beharrlichkeit allmälig zum Ziele führen, so kann man diesen in dem Gedeihen des „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" nach dessen jüngstem Bericht über das Jahr 1882 finden. Durch zehnjährige unermüdliche Thätigkeit hat der Vorstand es so weit gebracht, daß er ein angemessenes Haus in Jerusalem erworben und ausgebaut hat, in welchem unter der Leitung eines Direktors, des Di-. Herzberg, zehn Waisen unterhalten, erzogen und unterrichtet werden. Die besondere Aussicht führt ein Chacham. Den Hauptgegenstand des Unterrichts bildet das Hebräische, Thora Mischna; dann werden auch gelehrt Schreiben und Rechnen, Deutsch und Arabisch. Unter den Waisen sind fünf Scphardim, drei Aschkenasim und zwei Moghrabim. Hinsichtlich der Sprache enthält der Bericht des Direktors eine interessante Stelle. Den Wechsel eines Chachams benutzte man, „ die sephardischen Lektionen überhaupt cinzuschränken und mehr Raum für das Deutsche zu gewinnen; und zwar in der Weise, daß die deutsche Sprache nicht sowohl als Zweck, sondern als Mittel behandelt wird. Denn die sephardischen Kinder lernen in den Stunden die Bibel in's Deutsche übertragen, wo sie sie früher in das Spaniolische übersetzten. Also gewöhnen sich die Kinder, da ne in der Schule den größeren Theil des Tages Deutsch sprechen müssen, auch für die übrige Zeit leicht an diese Sprache. Dem Lehrer wird der Unterricht, dem Schüler das Verstandniß erleichtert, und der Herrschaft eines Jargons ein Ende gemacht, der, obgleich als heilig verehrt, die ihn Redenden in der Barbarei zurückhält. Denn während der jüdisch-deutsche Jargon wenigstens die Kenntniß des Deutschen, das ist einer Welt- und Literatursprache, anbahnt, hat der Sephardi keine Gelegenheit, durch Vermittlung seines Idioms in eine der großen Literaturen, und damit in die Jdeenkreise der modernen Welt einzudringen. Ja selbst in diesem Lande, das seine Väter seit

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