Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1883)
- Date
- 1883-03-20
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
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182 '-j * i if und zur festen Ueberzeugung herausgearbeitet haben. Wir halten aller Jahrhunderte der Zerstreuung und der Verfolgung, des es deshalb für unsere Pflicht, diese Frage einmal wieder,! namenlosen Druckes lebte in den Juden, in der Masse wie und zwar in möglichst objectiver und einfacher Weise zu erin ihren Lehrern, die Alles beherrschende Hoffnung auf den örtern. Erstens. Diese Ueberzeugung von einer großen Culturmission ist nicht ein Resultat oder Produkt des modernen Judenthums, sondern lebte in diesem und in deffen Bekennern von ihrem Ursprünge an, und war ein integrirendes Moment des Bolksbewußtseins und der Lehre selbst durch alle Phasen hindurch, die Ueberzeugung: die Lehre vom einzigen Gotte, dem Schöpfer der Welt, dem providentiellen Lenker der Menschheit, sowie die Lehre von den sittlichen Consequenzen dieser religiösen Erkenntniß durch alle Völker j und Zeiten zu tragen und zu verbreiten, nicht durch Gewalt und materiellen Kampf, sondern durch die Kraft der Wahrheit selbst. Alle Kundgebungen, die vom israelitischen Volke ausgegangen, alle literarischen Monumente, die es uns hinterlaffen, sprechen diese Ueberzeugung aus. In der mosaischen Urkunde wird der Gottheit der Wille zugeschrieben, durch die Geschehnisse selbst, wie sie an Israel sich bethätigten, die Völker der Erde vom Dasein des einzigen Gottes zu überzeugen, „auf daß du erkennest, wird Pharao angesprochen, daß Keiner ist wie ich auf der ganzen Erde, und man rühme meinen Namen auf der ganzen Erde." (2 Mos. 9, 14. 16., Messias. Sie war eines jener Erbgüter, mit denen sie aus ihrem engen Baterlande in die weite Welt entlassen wurden, um daran zu zehren in den Zeiten der Bedrängniß und Nöthen, um daraus die Kraft des Widerslandes zu ziehen. Nicht die Dauer und die Hefttgkeit des Martyriums schwächte diese Hoffnung. Aber in ihr lag nicht bloß die Befreiung von Druck und Knechtschaft für sie selbst, sondern auch die Gewißheit, daß durch diesen Messias sämmtliche Völker belehrt, zur Anbetung des einzigen Gottes geführt und für sie alle jenes von den alten Propheten verkündete Gottesreich begründet werde. Sie waren daher durchdrungen von der Anschauung, daß sie, die Juden, der Lehre und dem Gesetze treu anhangen müßten, da durch diese unerschütterliche Anhänglichkeit, durch diese Hingabe an Lehre und Gesetz es allein ermöglicht werde, daß der Messias für sie und die Menschheit komme. Wir brauchen nun nicht hinzuzufügen, daß in dem modernen Judenthum sich der Glaube an den persönlichen Messias auf dem Boden derselben alten Propheten in dem Glauben an die messianische Zukunft des Menschengeschlechts ausgestaltet und hierdurch die tradirte Ueberzeugung sich nur verstärkt hat, daß die Bekenner des vergl. 7, 5. 8, 6.) „Damit du erkennest, daß ich der Ewige i Judenthums die Mission haben, durch die treue Verkündigung bin in der Mitte der Erde" (8, 18., vergl. Josua 2, 11.). j bet reinen Gotteslehre und der aus dieser fließenden Grund- An der Spitze der ganzen prophettschen Evolution steht der! sätze der Sittlichkeit für Individuen und Gesellschaft bis zu alte Prophetenspruch, den Micha und Jesaias zum Thema! jener messianischen Zukunft diese zu fördern und die Entihrer Reden machten (Jesaias 2, 2. Micha 4, 1.): „Zum Wickelung zu ihr zu sichern. Wir haben es also hier mit Berge des Hauses des Ewigen strömen alle Nattonen. Und! einer Anschauung zu thun, welche seit uralter Zeit durch alle es gehen viele Völker und sprechen: Auf! hinan laßt uns auf einander folgenden Generationen bis in das Bewußtsein ziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakob,, der Gegenwart hineingewachsen ist, und für welche der jüdische daß er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln in i Stamm in allen seinen Geschlechtern ein unbedingtes Zeugniß seinen Pfaden, denn von Zion gehet die Lehre aus und des abgelegt hat. Ewigen Wort von Jerusalem." Und gegen Ende der pro-! Zweitens. Wie aber der jüdische Stamm von diesem phettschen Epoche sind es gerade die letzten hervorragenden i Bewußtsein seiner Mission zu aller Zeit erfüllt war, so sehen Propheten, welche dieses Dogma in entschiedenster Weise verkünden, Jesaias II und Secharja. Sie betrachten das israelitische Volk als das Werkzeug Gottes, um Erkenntniß und Sittlichkeit den Völkern zu lehren, und die Geschicke, die es treffen, als die Mittel, um die Völker zu wecken und aus dem Heidenthume zur Anbetung des Einzigen, des unendwir ihn auch sie bethätigen durch seine ganze Geschichte, sobald wir die Thatsachen nur einfach ins Auge faffen. Eine solche Aufgabe eines Volkes erfordert einerseits, daß es für feine eigene Fortexislenz kämpft und zugleich in sich den Inhalt jener entwickelt, entfaltet, zur Reife bringt; andererseits daß es sie vor den zersetzenden und umwandelnden Einflüssen lichen Weltgeistes zu führen. Sie sind es, die das dereinstige! von außen schützt, und endlich den Inhalt und den Ausdruck Gottesreich in der Einigung der ganzen Menschheit, in der seiner Schöpfung auf die übrigen Nationen überträgt, sie daallgemeinen Herrschaft des Rechtes und des Friedens mit mit bekannt macht und sie ihm unterwirft. Alle diese Moden eindringlichsten Worten verkünden. Dies vorzubereiten mente finden wir in der Geschichte des jüdischen Stammes und herbeizuführen, sei die Bestimmung und die Aufgabe des ausgeführt. Schon in feinen Anfängen, im vollen Bewußtisraelitischen Volkes; hierzu sei es geschaffen, erzogen, gesein des großen Gedankens, den er in sich trug, wußte er züchtigt, gedemüthigt und wieder erhoben. lVgl. Jes. 42, 1. den in Familientraditionen eingehüllten gegen die mächtige K. 49. 52, 18 ff. Sechar. 12, 3. 14, 9. 16.). Während j cgyptische Cultur zu schützen und trug ihn mit sich nachdem