Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 128 (25.10.1838)
- Date
- 1838-10-25
- Page
- Seite 517 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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517 wohner über die Juden her, und mordeten sich griechische und jüdische Bürger gegenseitig. Man konnte, namentlich in Syrien, Städte voll unbegrabner Leichen sehen, und Leichen, Greise und Säuglinge neben einander hingeworfen, überall Jammerscenen,dieein fanatischer National- und Religionshaß herbeisührte. Endlich macht Cestius Anstalt, nach Jerusalem zu ziehen. Auf seinem Durchzug werden die menschleeren Städte in Brand gesteckt, denn in Jerusalem war Alles zur Feier des Laubhüttenfestes versammelt und so leuchtete die Kriegsfackel schon dem versammelten und zum Gottesdienste' vereinigten Volke.'entgegen. Voll Wuth rennt die von der Revolutionsparthei aufgewiegelte Menge in's Treffen, durchbricht die römischen Schlachtlinien und erst nach mehrern Tagen gelingt es dem Procurator, sie zurückzuwerfen und die äußeren Stadttheile zu besetzen. Zwar kämpfen die Aufrührer mit erneuerter Heftigkeit und machen den Römern fünf Tage lang den Angriff unmöglich, aber dennoch würde Cestius, durch den größten Theil des Volkes, das ihn gern ausnehmen mochte, begünstigt, Herr des Tempels geworden fein, wenn er nicht plötzlich zum Rückzug Befehl gegeben hatte und, nicht achtend die Gesinnung des Volkes und die Tapferkeit seiner Schaaren, die Stadt räumte. Diese schändliche Flucht brachte beinahe seinem Heere den Untergang. Wie eine Heerde Tieger fallen die Juden über die zurückziehenden Römer, brachten ihnen einen Verlust von beinahe 6000 Mann, und würden sie aufgerieben haben, wenn sie nicht durch eine Kriegslist einen bedeutenden Vorsprung gewonnen hätten. Der Abzug der Römer beseelte Alle mit neuem Muth, selbst die Friedensmännec werden jetzt von der allgemeinen Stimmung fortgeriffen, Gott selbst schien für die Muthigen zu streiten und als Verräther des Vaterlandes wurde der erklärt, welcher noch römische Gesinnungen zeigte. In einer Versammlung im Tempel werden die nöthigen Maßregeln zum Kriege ergriffen. Jerusalem und die einzelnen Landschaften erhielten Strategen, welche die Krkegsrüstungen betreiben, die Völkerschaften zu einem Zwecke vereinigen sollten. Jofephus wurde mit zwei biedern Priestern Joazar und Judas nach Galiläa geschickt, um diese wichtige Landschaft, in welche zuerst die Römer wieder einfallen würden, zu regieren. Er sorgte nach seiner Ankunft, sich zuvörderst des Wohlwollens der Einwohner zu versichern, wählte si'ebenzig von den Einsi'chtsvollestcn und Erfahrensten des Volkes zu Regierungspersonen von ganz Galiläa, sieben in jeder Stadt zu Richtern über unerhebliche Handel; wichtigere Sachen und Capitalverbrechen befahl er, an ihn und! die Siebenzig gelangen zu lassen. Dann befestigte er die! tauglichen Platze mit einer Mauer, wie Jotapat, Bersabe! u. a., verschanzte die Höhlen am See Gennesar, die Felsen in Obergaliläa, errichtete um Gamala, Seleucia und Sogane Festungswerke, erlaubte den Einwohnern von Sepphoris auf eigene Kosten eine Mauer zu erbauen, wie dasselbe auch um Gischala von einem Johannes, Sohn Levi geschah, und rüstete endlich mit alten, zusammengebrachtm Waffen ein Heer von hunderttausend jungen Männern aus. Dieses Heer organisi'rte er auf römische Art, unterwarf die einzelnen Abtheilungen Dekurionen, Hauptmannern, Obersten und Generalen, die an der Spitze von zahlreichen Corps standen. Auch lehrte er sie, wie sie sich Signale geben sollten, wie der Schall der Trompeten sie in's Treffen und aus demselben zurückriefe, wie die Flügel den Angriff machten, und die Schwenkungen, wie man im Vortheile sich zu den Bedrängten wenden und den Ermatteten Hülfe leisten müßte und schärfte ihnen Alles ein, was zur Besonnenheit des Geistes und zur ausdauernden Beharrlichkeit des Körpers für Strapatzen erforderlich war. Dabei sprach er bei jeder Gelegenheit von der trefflichen Disciplin der Römer, wie sie gegen Männer kriegen würden, welche durch Körperkrast und Geistesbesonnenheit fast die ganze Welt besiegt hätten. Als hinlänglichen Beweis ihrer Disciplin wollte er annehmen, wenn sie jetzt, noch ehe sie dem Feinde gegenüber .ständen, sich jeder widerrechtlichen Handlung enthielten. Denn die Kriege würden nur dann glücklich geführt, wenn die Krieger sich eines guten Gewissens erfreuten, Schlechtgesinnte von Haus aus hatten nicht nur den anrückenden Feind, sondern auch Gott zum Widersacher. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken, Großglogau im September. Glückliche Reform des Gemeindewesens. In einer der frühem No. dieser Zeitung ist auf die trüben Zustände in unserer Gemeinde hingewiesen. Und wahr ists: der Gährungsproceß in dem Organism unseres GemcindewesenS hatte alle seine Stadien durchgemacht. Ein feindseliges Strauben^der Glieder gegen einander und gegen das Ganze, ^cine verbissene Störrigkeit" in den Gemürhern schienen aller Hoffnung auf ein neues Gestalten auS diesem chaotischen Wust zu sperren. Daö Beisteuern zu dem gemeinsamen Bedarf borke größtentdeils auf; denn der Verwaltung standen keine Gewaltmittel *u Gebote, und an gutwilligen Beiträgen war bei einer solcken Stimmung nicht zu denken. Die Rückstände der Solde an Gemeindebeamten, der milden Gaben an Dürftige, die rheils auf die Armen liste, tbeilö auf die von dem Gemeindefonds absorbirten, Legate angewiesen sind, wuchsen inzwischen zu enormer Höhe. Die Lehrer an der öffentlichen israelitischen Elementarschule, ebenfalls seit vielen Monaten ohne Besoldung, nahmen hohem Schutz in Anspruch,