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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-25 · Heft 128 (25.10.1838) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 128 (25.10.1838)
Date
1838-10-25
Page
Seite 516 (sequence 2)
Language
German
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516 führung des neuen Kultus bestritten. Sie kalben einen guten Chor gebildet, meistens aus Kindern vermögender Eltern bestehend, die unentgcldlich fungiren, die armern Teilnehmenden genießen dafür freien Unterricht in unsrer Lehranstalt. Wollen inzwischen die genannten Herren nicht auf halbem Wege stehen bleiben, ihrem Werke mehr Festigkeit geben, so ist ein Lokal-Prediger nothwendig, der durch hinreißende, überzeugende Worte den Geist zur Andacht hinreißt, der Bildung neuerer Zeit naher bringt; denn über die Nothwendigkeit und Wirksamkeit eines solchen Mannes in seiner Gemeinde ist man in neuerer Zeit einig geworden, und bitten wir unfern Wink zu beachten. L. L. Wa rschau, 8. Oktober. (Prwatmitth.). Die in unserm letzten Berichte (Nr. 97 Z. d. I.) ausgesprochne Hoffnung nähert sich zu unsrer Freude ihrer Erfüllung. An beiden Tagen des Neujahrsfestes hielt Herr Goldschmidt wiederum, von den Vorstehern der hiesigen deutschen Synagoge aufgefordert, zwei sehr gediegene und ergreifende Reden, die bei der sehr bedeutenden Anzahl von Zuhörern (leider, giebt es hier auch viele die nur Neujahr und am Versöhnungstage zum Gottesdienste kommen), einen tiefen Eindruck machten. Indem der Redner die Bedeutung des Schofar meisterhaft entwickelte, suchte er dabei noch die Norhwendigkeit darzulegen, der Jugend durch Anlegung einer Religionsschule geläuterte Begriffe über Gott und Judenthum beizubringcn, und die Erbauung einer neuen Synagoge den Vorstehern und der Gemeinde an's Herz zu legen. Möchten doch seine Worte durch Erfolg gekrönt werden. Selbst bei einzelnen Stellen wurden bejahrte Mitglieder tief ergriffen, und die jüngeren von dem Gehalte und der Lebhaftigkeit des Vortrages zu Staunen und Bewundern hingerissen. Der Erfolg zeigte sich bereits nach der kurz darauf am Versöhnungstage gehaltnen Predigt, wozu Herr Goldschmidt abermals dringend aufgefordert wurde. Es wurde nämlich bei Gelegenheit der öffentlich genannten Gelübde (Xi'damn) zur Errichtung einer Synagoge von dem hiesigen Vorsteher, Herrn Eppstein, 500 Dukaten, von seinen beiden Söhnen 8000 Fl. Polnisch, und andern ehrenwerthen Mitgliedern nahe an 3000 Fl. Polnisch, also im Ganzen ungefähr 20000 Fl. Polnisch als freiwillige Spenden gelobt. Auch ist wegen des zum Synagogenbau nörhigen Holzes die Großmuth eines der wohlhabendsten hiesigen Israelitischen Holzhändlers, Hr. Jar.nasch, in Anspruch genommen worden, der seinen bekannten Wohlthatigkcitssinn auch hierbei bethatigen wird. Da wir nun hier ein Hospital für Israeliten besitzen, welches sich gewiß an Schönheit und Bequemlichkeit der innern Einrichtung vor allen andern auszeichnet, so ist zu erwarten, daß der Bau der neuen Synagoge, der g^wiß unter der Leitung desselben ehrwürdigen Mannes, der jenes Hospital zu bauen veranlaßt, so ausgeführt werden wird, daß er sich würdig den Tempeln Deutschlands anreib.en kann. So vereinigt sich hier Vieles die Aussichten für die Israeliten Warschaus auszuhellen und mit festem Vertrauen des Fortschrertens blickt der frohe Beobachter in die freudig sich öffnende Zukunft. Dr. J. B. . © e f dj i d) i I o s e p h u s, sein Leben, sein Charakter und seine Zeit. Von D r. 11 r i. (Fortsetzung.) IV. Josephus selbst erzählt, daß er in jenen Wirren, als die Aufrührer die Antoniaburg erstürmt hatten, in den inneren Tempel sich zurückgezogen, aus Besorgniß für einen Feind des Vaterlandes gehalten zu werden, wenn er langer zum Frieden zuredete. Nach der Ermordung des ManahemuS ging er wieder aus dem Tempel zu den Priestern und angesehensten Pharisäern. Sie waren in der schrecklichsten Verlegenheit, sie sahen ein, daß dem Revolutionsschwindel kein Ziel mehr zu setzen wäre und daß es vergebens wäre, noch zum Frieden zu reden und fürchteten andrerseits die Macht und die Strafe der Römer und das Verderben des Vaterlandes. Schon hier bewahrte es sich, daß wer bei Staatsumwälzungen eine politische Rolle spielen will und in das Getriebe einwirken, auch offen irgend eine Parthei annehmen müßte. Der innere Haß, den auch die Pharisäer und Vornehmen gegen die Römer hegten, die Empfindlichkeit, mit welcher sie das Joch dieser Welteroberer und ihrer Satrapen trugen, waren stark genug in ihnen, den Wunsch rege zu hatten, diese Römer von Palästinas Boden verjagt zu sehen und der Freiheit zu genießen; nicht minder scheuten sie aber die Gewalt der revolutionären Brauseköpfe, welche Much genug hatten, ihren Haß durch Thaten zu bekunden und die nur in der Wahl ihrer Mittet zur Vertreibung der Römer eine ausschweifende Tollheit gelten ließen. Dies gab bei den Vornehmern zu jenen halben Maßregeln Veranlassung, die gewöhnlich alles verderben. Das Volk folgte, wie immer, der momentanen Aufregung und würde, verständig geleitet, bald wieder in das Geleise der Ordnung geführt worden sein, oder Alles zur Rettung des Vaterlandes gethan haben. Florus blieb vor der Hand unthatig und sah mit Schadenfreude die Vergehungen, die seine Schandthaten bedeckten. Noch, immer hofften die Friedliebenden, daß Cestius mit seinen Schaaren vorrücken und die Ruhe Herstellen würde. Denn auch außer Palästina war unermeßliches Unheil über die Juden gekommen. In Cäsarea, in ganz Syrien, Scythopolis, im Reiche des Agrippa, in j Damaskus, ja im ägyptischen Alexandrien sielen die Ein-

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