Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1883)
- Date
- 1883-03-13
- Page
- Seite 176 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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176 rigen Lage eines großen Theiles der römisch-israelitischen Bevölkerung noch immer erforderlich, obwohl es nicht zu leugnen ist, daß die Stellung derselben seit 1870 bedeutend besser ist als früher. - j — Unsere Leser erinnern sich wohl, daß unser vielgej rühmter Glaubensgenosse Pesaro Maurogonato, früherer Abgeordneter für Venedig, bei den jüngsten Wahlen zum Ab-, geordnetenhause durch die Machinationen seiner Gegner den Kürzeren zog. Die Wahl wurde jedoch vom Abgeordnetenhause wegen Unregelmäßigkeiten annullirt. Bei der neu stattgefundenen Wahl wurde Maurogonato, trotz antisemitischer Wühlereien, mit großer Majorität gewählt. Zu den zwei Senatoren israelitischer Religion ist jetzt ein dritter gekommen, Herr Samson von Ancona. Er war 1850 und 1860 Mitglied der provisorischen Regierung von Toscana. Längere Zeit hindurch Deputirter, hat ihn jetzt die Regierung in den Senat berufen, obschon er im Abgeordnetenhause auf der rechten Seite saß. | Marokko.! Paris, 1. März. Die Lage der Juden in Marokko ist: fortwährend eine sehr traurige, den Willkürlichkeiten der! despotischen Regierung und der noch despotischeren Beamten! ausgesetzt. Um so schlimmer ist es, daß jetzt auch bisweilen : Beamte der ausländischen Consulate die Gelegenheit wahrnehmen, ihren persönlichen Haß, mag er irgend welche reelle Ursache haben oder nicht, durch ihren Einfluß bei den marokkanischen Beamten an den wehrlosen Juden zu kühlen. Man erinnert sich des vor einiger Zeit durch ein Mitglied des französischen Consulats bewirkten flandalösen Auftritts. Jetzt ist es ein Interpret des englischen Consulats, welcher acht jüdische Frauen die Bastonade erleiden ließ. Die dort residirenden Ausländer waren darüber empört und richteten lebhafte Protestationen an die Consulate von Amerika, Frankreich und Spanien, welche denn auch Noten an das englische Consulat richteten. Man ist auf den weiteren Verlauf der Angelegenheit gespannt. Bonn, 4. März. (Notizen.) Am 27. v. M. verstarb zu Berlin der Musikdirector Professor Julius Stern, der als Gründer und Vorsteher des Stern'schen Gesangvereins und als Liedercomponift sich großen Rufes erfreute. Er richtete auch den musikalischen Theil des Gottesdienstes der Berliner Reformgemeinde ein. Geboren zu Breslau am j 8. August 1820, siedelte er im zwölften Jahre mit seinen! Eltern nach Berlin über, 1843 erhielt er vom Könige | Friedrich Wilhelm IV. ein Stipendium, um eine Studienreise nach Dresden und Paris machen zu können. 1846 kehrte er nach Berlin zurück, gründete den Stern'schen Gesangverein. dessen Leitung er 1874 aus Gesundheitsrücksichten niederlegte, und 1850 mit Kullak und Marx gemeinschaftlich das nach ihm benannte „ Conservatorium für Musik". Nachdem 1855 Kullak und 1857 auch Marx ausgeschieden war, führte Stern bis zu seinem Tode die Anstalt weiter, aus der eine Reihe trefflicher Künstler der Gegenwart hervorgegangen sind. — Wie aus Brünn gemeldet wird, stürzte am Freitag Nachts der israel. Tempel in Ungereigen bei Angern ein. Es wurde Niemand beschädigt. Ein von der Kaiserin Maria Theresia seinerseits gespendeter Glasluster zerschellte. Am Abend war der Tempel noch sehr zahlreich besucht. — Man schreibt uns aus Leipzig: Es wird Sie und viele Leser die Nachricht interessiren, daß unser Rabbiner, Herr Dr. A. M. Goldschmidt, am 12. d. M. sein 25jähr. Amtsjubiläum feiert, und daß seitens der Gemeinde die verschiedenartigsten Vorbereitungen zur würdigen Feier getroffen werden. I e u i l t e t o ti. Die kaukasischen Iuöen. werden drei Mal täglich Gebete gelesen und Tage lang klagen (Fortsetzung und Schluß.) i die Weiber um den Todten. Nach Ablauf eines Monats Nachdem die Anwesenden das Grab verlassen haben,; findet im Hause dann noch ein Gastmahl auf Kosten der reißen sie drei Mal etwas Gras auf dem Begräbniß ab, Erben statt, wobei abermals Gebete verlesen werden. Und werfen es rückwärts über die Schulter und rufen, „es solle! noch ein Mal wird nach Verlauf eines Jahres der Todestag der Tod auf ewig aufhören". Nach der Heimkehr vom Bedurch ein großes Mahl festlich begangen. Zum Zeichen der gräbniß waschen sich alle die Hände, stellen sich in einen Trauer um den Todten wird das Obergewand am Kragen Kreis, der Sohn und die nächsten Anverwandten des Todten eingerissen und das zerrissene Gewand das ganze Jahr hinin die Mitte und lassen abermals durch den Rabbiner ein durch getragen. In Kuba erzählte man dem Verfasser, daß Gebet lesen. Schließlich wandern alle in das Haus des, in einigen Dörfern folgende Sitte herrscht: ist ein tapferer Todten, woselbst ein Mahl ihrer wartet; wiederum werden | junger Mann gestorben, so zäumen die Weiber das Roß des Gebete verlesen und damit ist die Feierlichkeit beendet. Einen! Todten, kleiden ein junges Weib in die Gewänder des Berganzen Monat oder ein ganzes Jahr brennt im Zimmer, woI storbenen nnd setzen sie aufs Roß, dann weinen sie und klagen der Todte lag, eine Lampe, einen ganzen Monat hindurch! um den Todten; das geschieht mehr als ein Mal im Verlauf