Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1883)
- Date
- 1883-03-13
- Page
- Seite 175 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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175 Heu jener Theile, welche angeblich ausgeschnitten oder gebrochen gewesen. Sofort nach der Sektion beriethen die Aerzte unter einander und enunziirten nach halbstündiger, eingehender Diskussion einhellig, daß — so wie das polizeilich aufgenommene Protokoll es seinerzeit dagethan — Esther Molttär durch Selbstmord aus dem Leben geschieden ist. Frankreich. Paris, 22. Februar. Das Gesuch des israelitischen Consistoriums um Erhaltung der Ringmauern um die israelitischen Abtheilungen der Friedhöfe, da jene auf Kosten der jüdischen Gemeinde errichtet worden, also Eigenthum der letzteren seien, hat der Präfekt auf Grund des Gesetzes vom 14. November 1881 ablehnend beantwortet. Er drückt sein Bedauern aus, daß das Gesetz ihm unmöglich mache, der Reklamation des Consistoriums zu genügen, so gewichtig auch j die Gründe seien, welche das Consistorium geltend gemacht. Uebrigens berühre die Niederlegung der Mauern die durch! die Concesfionäre erlangten Rechte in keiner Weise, da die Stadt nicht daran denke, den friedlichen Genuß der concedirten Terrains zu stören. — Der Wegfall der bisherigen Zuschüsse seitens der Stadt macht sich für das jüdisches Schulwesen in Paris bedeutend fühlbar. Das Budget des! Schulcomites für 1882/83 weist ein Defizit von 32,075 Frcs. j aus, weil eben die jährliche Subvention der Stadt von! 30,000 Francs in Wegfall kommt. Das Comite bittet das! Consistorium die Mittel zur Deckung dieses Difizits zu er-! öffnen. Jndeß die Organisation des Religionsunterrichts j und dessen Unterhalt hat dem Consistorium eine solche Last geschaffen, daß es sich nicht förmlich verpflichten konnte,? diesem Defizite abzuhelfen. — Die französische Regierung geht mit dem Plane um, in Tunis ein französisches Großrabbinat zu errichten. — Hiergegen wird Niemand etwas einzuwenden haben. Aber um so mehr wäre doch die französische Regierung verpflichtet, die Juden in Tunesien vor den schweren Bedrückungen zu schützen, welche die dortige französische Militärbehörde gegen die Juden ausübt. So hat diese der israelitischen Bevölkerung von Sfax, obschon diese an dem Widerstande der Stadt gegen die französische Armee nicht den geringsten Antheil nahm und während der Belagerung aus der Stadt geflüchtet war, die Einen nach Algier, die Anderen nach Malta, eine Contribution von 90,000 Frcs. auferlegt, die auf drei Jahre vertheilt ist. Anstatt also auf eine Entschädigung für die großen Schäden, die die jüdische Bevölkerung durch das Bombardement erlitten hat, rechnen zu dürfen, sieht sie sich mit einer unverschuldeten Contribution gleich der muselmännischen Bevölkerung, welche letztere revoltirt und an dem dort weilenden Europäern sich schwer vergangen hat, betroffen, und ist dabei durch ihre Verarmung ganz außer Stande, sie auszubringen. Sie hat deshalb ihren alten Rabbiner Hai Cohen nach Paris gesandt, um, wenn nicht die Zurücknahme, doch eine beträchtliche Verminderung der Contribution zu verlangen. Bis jetzt ist das Resultat noch nicht bekannt. Pari-, 27. Februar. In das neue Ministerium unter der Präsidentschaft von Jules Ferry ist auch Joseph Raynal (Israelit) für die öffentlichen Arbeiten wieder eingetreten, nachdem er in dieser Eigenschaft schon dem Ministerium Gambetta angehört hatte. — Der Ministerrath beschloß, einen Antrag Jules Roches zum Municipalgesetz anzunehmen, wonach die Gemeinden künftig nicht verpflichtet seien, zu den Cultusauslagen beizutragen. Bisher bezogen die staatlich anerkannten Confessionen außer den Staatssubventionen noch 23 Millionen von den Gemeinden. — — Herr Joseph Raynal ist erst 43 Jahre alt. Er wohnte früher in Bordeaux, welches er seit 1879 in der Deputirtenkammer vertritt. Früher Unterstaatssecretär für die öffentlichen Arbeiten steht er jetzt zum zweiten Male an der Spitze dieses Ministeriums. Italien. Aus Mittelitalien, 22. Februar. (Privatmitth.) Die Angelegenheit der Errichtung einer Rabbiner - Schule für Italien geht sehr langsam von Statten. Die Beiträge zur Gründung einer solchen fließen spärlich, und die Gemeinden, denen die Sache am Herzen liegen sollte, beeilen sich nicht, dieselbe zu fördern; manche derselben bringen Ansichtsverschiedenheit vor, um dem Anträge aus dem Wege zu gehen. Rom, Padua und Mantua machen jedoch Ernst damit, und sind gesonnen die Schule zu eröffnen, sollte dieß auch nicht in der Ausdehnung geschehen, die die hohe Wichtigkeit und? Würdigkeit des Gegenstandes erfordert. Unterdessen werden? an der römischen Talmud-Tora mehrere treffliche Jünglinge .für die höhern Religions-Schulen vorbereitet, die sich auch! den betreffenden Studien mit gutem Erfolge widmen, und 1 von der Gemeinde wirksam angespornt werden. Auch die übrigen Abtheilungen der Römischen Religionsschule gehen nach Wunsch vorwärts. ' Dieselbe wird von beinahe allen die öffentlichen Elementar- und Mittelschulen frequentirenden Knaben besucht. Sie zählt mehr als 240 Zöglinge. Auch das gut geleitete Kinder-Asyl hat seine 280 Kinder beiderlei Geschlechts. Die Gemeinde Rom's hat noch viel Gemeinj geist, nur ist die Organifirung derselben nach den neu angegenommenen Statuten letzthin ins Stocken gerathen, da die | Bestätigung derselben von Seiten der Ministerien des Innern i und der Justiz erwartet werden muß. Uebrigens sind hier die gottesdienstlichen Einrichtungen recht ordentlich, die fünf Gotteshäuser recht anständig, und Wohlthätigkeit wird in großem Maßstabe geübt. Leider ist solches wegen der trau l