Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1883)
- Date
- 1883-03-13
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
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__ 174 nen war, fand heute in Gegenwart eines zahlreichen Publi-! Regime für Galizien so oft Ausnahmen in der Gesetzgebung kums im Tempel des hiesigen Rabbiner-Seminars statt: es j gemacht werden. Wenn diese Gesetze zum Schutze der Minvwurde der erste Zögling der Anstalt, vr. Ed. Neu mann, ritäten gegen die Vergewaltigung seitens der Majoritäten zum Rabbiner promovirt und als solcher aus der Anstalt j der Landesbevölkerung ein schönes Ziel verfolgen, so erwirken entlasten. Die Feier begann mit einem vom Oberkantor die Polen, deren Zustimmung das jetzige Ministerium im Friedmann componirten und vom Chor gut executirten Psalm, Reichsrathe nicht entbehren kann, eine Ausnahme für Galidann folgte die ungarische Rede des Dr. Kohn über die Bezieu, natürlich um die Wohlthat des Gesetzes den Ruthenen deutung der Feier und die Differtation des Candidaten, welche «und den Juden zu entziehen und die Obherrschaft der Polen mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde. Zum Schluffe j nicht zu schwächen. Wenn die neue Schulnovelle bestimmt, überreichte der Vorsitzende des Professoren-Collegiums, Rabdaß der Director einer Schule von derjenigen Confesfion sein biner Prof. M. Bloch, mit einer erhebenden hebräischen An-1 muß, von der die Mehrzahl der Schüler ist, so hat dies mit spräche dem Candidaten das Diplom und ertheilte ihm Segen! geringen Ausnahmen für ganz Cisleithanien keine Bedeutung, und Weihe für das heilige Amt. Herr vr. Ed. Neumann j da die Katholiken überall in der Mehrheit sind. Bedeutung ist, wie bereits gemeldet, als Nachfolger Fastel's nach Großj hätte sie nur für Galizien, um den Ruthenen und Juden ge- Kanizsa berufen und wird anfangs Slpril sein Amt antteten., recht zu werden, und da wird gerade eine Ausnahme beliebt. Das hiesige Rabbiner-Seminar zählte in dem abgelau-! damit die Polen die höchsten Lehrstellen nach ihrem Belieben fenen Schuljahre nach dem schon vor einigen Monaten aus-, besetzen können. Unter der Herrschaft dieses Regimes ist desgegebenen Jahresberichte 51 Zöglinge, also beinahe doppelt halb den galizischen Juden kein anderer Ausweg geblieben, so viel wie das Breslauer, von welchen 10 der oberen undi als sich den Polen anzuschließen, obschon sie wohl wissen, 41 der unteren Abtheilung angehören. Dem Jahresbericht! daß sie von diesen eben nur geduldet werden, und daß den voran geht eine größere Arbeit des Prof. M. Bloch: Die Civilj ^len nid)t& mety zuwider ist, als die wirkliche Gleichbeproceß-Ordnung nach mosaisch -rabbinischem Rechte, welche die rechtizuug aller Staatsbürger. In den Polen lebt nun eineinschlägigen Arbeiten Frankens und Fastel's wesentlich ergänzt. Der Cultusminister Trefort wendet nicht allein dem Rabbiner-Seminar, sondern in erfreulicher Weise der jüdischen Schule ein besonderes Augenmerk zu. Es bestehen in verschiedenen Gegenden des Landes trotz der ministeriellen Verordnung vom 2. September 1876 noch immer sogenannte Winkelschulen, obwohl weder die Lehrer in denselben qualificirte Individuen sind, noch auch die gesetzlich bestimmten Nnterrichtsgegenstände daselbst gelehrt werden. Mit Vernachlässigung oder auch Hintansetzung der ungarischen Sprache und der obligaten Lehrgegenstände werden die Schüler vernehmlich, ja beinahe ausschließlich mit hebräischen Lehrgegenj ständen unmäßig in Anspruch genommen. Der Cultusminister fordert nun mittelst Verordnung die Schul-Jnspectoren bezw. Verwaltungs-Ausschüste des Landes aus, „diese ungesetzlichen Winkelschulen unverzüglich schließen zu lasten, oder wenn die Schließung wegen eines besonderen Umstandes nicht sofort zu effectuiren wäre, auszusprechen, daß die Schließung spätestens in drei Monaten zu erfolgen habe, «ach welchem Zeittauine keine dieser Winkelschulen mehr zu dulden ist." — Aus P e st wird geschrieben: Trotz der Maßregeln, welche die Regierung gegen die Auswanderung ergriffen, verlassen noch immer ungar. Bürger und zumeist Juden die Heimath. Aus dem Comitate Nng sind amtlichen Berichten gemäß in den jüngsten Monaten zwanzig Personen ausgewandert. Fünfzehn von den zwanzig waren Juden. Lemberg, im Februar. (Privatmitth.) Es ist charakteristisch für unsere Zustände, daß unter dem gegenwärtigen mal aus ihrer ganzen Tradition heraus der Despotismus der Aristottatie, und es ist nur zu bedauern, daß in der Regel die polnische Intelligenz sich dieser Tendenz unterordnet, und um dem polnischen Element die Herrschaft zu sichern, sich ihr zu Gebote stellen. Wirkliche polnische Demokraten finden sich nur in der Emigration, und diese hat allen Einfluß verloren. Tißa-Derzs, 27. Februar. Die Fabel von der Ermordung der „zweiten Esther" hat ein schmähliches Ende genommen. Um 4 Uhr Nachmittags wurde die Exhumatton der Leiche und sodann die Superrevision der Sektton vorgenommen. Ein maffenhaftes Publikum wohnte dem düstern Acte an. Honorär-Comitatsphysikus Dr. BodnLr von Tißa- , Rost secirte unter Assistenz der übrigen Aerzte die Leiche der Esther Molnär, deren Identität durch Zeugen erhärtet worden war. Besondere Aufmerksamkeit widmete der secirende Arzt jenen Körpertheilen, von welchen in der Denunziation gesagt worden war, daß dieselben ausgeschnitten und des Blutes beraubt gewesen seien. Den Befund dikttrte vr. Bodnür bei jedem einzelnen Stück mit lauter, dem ganzen Publikum deutlich vernehmlicher Sttmme und forderte jedesmal die Eltern und alle Anwesenden auf. die untersuchten Stücke zu befichttgen. Zu bemerken ist auch noch, daß die Behörde noch gestern das Grab als unversehtt konstatirt hatte und daß die Nacht über Gendarmen beim Grabe Wache gehalten. Der Befund ergab das vollkommene Gegentheil besten, was in der Denunziation behauptet worden, so namentlich einen großen Blutteichthum gerade jener Theile, die angeblich des Blutes beraubt worden wären, ferner die absolute Unverletzt-