Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1883)
- Date
- 1883-03-13
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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173 reitben nicht der Nothwendigkeit, sich zum Schaden seines sich reden. Die antisemitischen Blätter wüthen neuerdings Studiums einen kümmerlichen Erwerb durch Erlheilung von gegen die Juden. Bor Beendigung der nächsten Abgeord- Privatunterricht zu verschaffen. Die Durchschnittsportion ist neteuwahlen wird es auch nicht besser werden. Die antisicherlich ungenügend." semitischen Abgeordneten folgen dem Beispiele Onody's und „Die Stiftung bedarf daher weiterer kräftiger Förderung."; Simonyi's und scheiden aus dem Klub der Unabhängigkeits- «Zu großer Genugthuung mag es dagegen allen Speni Partei, um mit verstärkten Kräften einen neuen Klub zu gründen, dern gereichen, daß fast alle Stipendiaten nach absolvirtem Pest, 27. Februar. (Privatmitth.) Es war leicht vor- Studium zu einem ehrenvollen Berufe gelangt sind und , auszusehen, daß die ungarischen Antisemiten, zufrieden mit die Erwartungen, welche wir in sie setzten, in jeder Beziedem Erfolge der Tißa-Eßlarer Geschichte, das Gerücht von hung erfüllt haben. seinem neuen rituellen Mord bald wieder benutzen werden, Wer daher der Stiftung eine Zuwendung macht, stiftet um das Volk zu alarmiren. Eine zweite Esther ist ver Segen, indem er dazu beiträgt, daß talentvolle und fleißige schwunden und zwar in der Nähe von Tißa-Eßlar. Jünglinge in den Stand gesetzt werden, ihre erfolgreich begonnenen Studien zu Ende zu fuhren. Indem aber auf diese Weise der der jüdischen Religion angehörige Studirende durch die Liberalität seiner Glaubensgenossen ein Stipendium erhält, welches sein nichtjüdischer Commilitone aus den in früheren Jahrhunderten und in der Gegenwart in reichem Maße errichteten Stiftungen erlangt; indem sohin auch der minder bemittelte Bekenner jüdischer Religion in den Stand gesetzt wird, einen ehrenvollen Beruf und eine geachtete Stellung zu erlangen, so daß man erwarten kann, er werde dem Vorbilde Gabriel Rießers nacheifernd mit Wort und That für seine Glaubensgenossen eintreten: wird das Andenken Gabriel Rießers ganz im Geiste dieses edlen Mannes gepflegt. Aber auch wenu jemals die Hintansetzung eines Menschen im stattlichen und gesellschaftlichen Leben seines religiösen Bekenntnisses halber in Wahrheit ein überwundener Standpunkt sein wird. In Tißa-St. Jmre diente bei dem Israeliten Moritz Pillitzer ein Christenmädchen; diesem war der Dienst zu beschwerlich und es ging dem Herrn durch. P. erstattete die gerichtliche Anzeige; der Richter forderte das Mädchen zur Rückkehr auf, dieses erklärte aber, lieber in den Brunnen zu springen, als zurückzugehen. Und das Mädchen verschwand. Man suchte es überall, endlich fand man es in einem Brunnen mittelst eines Eisenhakens, der sich in die Brust des Mädchens bohrte und in der Gegend des Herzens eine tiefere Wunde verursachte. Das Mädchen verschwand am 11. December und wurde acht Tage später in dem Brunnen wiedergefunden. Damals erklärte der Vater des Mädchens, daß er nicht den geringsten Verdacht aus Pillitzer habe. Man setzte aber dem armen Manne im Wirthshause zu und machte ihn glauben, die Juden hätten dem Mädchen wahrscheinlich das Blut abgezopft. Schließlich erzählte auch der gewesene Kutscher Pillitzer's, sein Herr habe ihm zwanzig Gulden gegeben, dass daß die Erinnerung an die bestandene Ungleichheit den mit er über die Ermordung Esther Molnar's — so hieß das Menschen abhanden gekommen ist, wird noch immer die am! Mädchen — reinen Mund halte. Ein aus Tißa-Adad ein- Jahrzeittage Rießers erfolgende Stipendienvertheilung das j gelangtes Telegramm lautet: Der Brunnen, in welchem die Gedächtniß dieses Vorkämpfers für das einst unterdrückte Recht! Leiche der Anfangs December vorigen Jahres entlaufenen seiner Glaubensgenossen in gesegnetem Andenken erhalten." j Dienstmagd des Szent Jmreer Postmeister Pillitzer, acht Tage! nach ihrer Flucht aufgefunden wurde, ist neben der Ortschaft Oesterreich-Ungarn. Pest, 24. Februar. (Privatmitth.) Unsere Regierung sieht der Verschleppung der Tißa - Eßlarer Affaire ruhig zu. Der Nyiregyhazaer Gerichtshof hat die seitens des Landesauf der Hutweide gelegen und heißt im Volksmunde der „Esorhss-Brunnen". Die Leiche wurde vom Kreis- und vom Bezirksarzt im Beisein zweier Gemeinde-Geschworenen und des Notärsgehilfen sezirt. Bon Trauma wurde keine Spur au Sanitätsrathes verlangten Protokolle über die erste Agnosci-; derselben gefunden, dagegen waren alle Anzeichen und Errung der Dadaer Leiche endlich hierher geschickt, die vom. scheinungen des Ertrinkungstodes nachweisbar. Von einem Sanitätsrath begehrten gestrichenen Stellen in dem Gutachten! Mordverdacht ist hier absolut nichts bekannt, der Fachautoritäten aber verweigert. Für Horanßky wird Gestern hat sich der Stuhlrichter Török von Tißa Abad vr. Heymann als Bertheidiger der Häftlinge Weinstein und nach St. Jmre begeben, um in der Affaire der Esther Molnar Tauber eintrete», drei andere Häftlinge überlassen die Be-; die Untersuchung einzulciten. Heute wird die Leiche des stellung des Bertheidigers dem Gerichtshöfe.! Mädchens exhumirt. Außer den zwei Aerzten, welche die P«st, 27. Februar. (Privatmitth.) Wer da glaubt, daß Section der Leiche vorgenommen, begaben sich noch zwei der Antisemitismus in Ungarn im Niedergange ist, der täuscht andere Aerzte zur Superrevision nach St. Jmre. sich. Noch ist die Tißa-Eßlarer Affaire nicht beendet und! Pest, 28. Februar. (Privatmitth.) Eine erhebende schon macht eine neue, jener ganz ähnliche Geschichte von Feier, zu der auch der ungar. Cultusminister Trefort erschie ii