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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-13 · Heft 11 (13.3.1883) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 11 (13.3.1883)
Date
1883-03-13
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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169 z. B. Gregor IX., Jnnocenz IV., Sixtus IV. und Clemens XJLÜL zu behaupten verboten haben, und schließt D.: „Es ist ein Skandal, daß ein Sohn der katholischen Kirche eidlich bekräftigen will, was vier Päpste verneint haben." Aedrr den Charakter -es Zu-enthums. Darmstadt, im Februar. Fm vorjährigen Septemberheft der englischen Zeitschrift ,The Contemporary Review“ finden wir einen Claude Montefiore Unterzeichneten Artikel, unter der Aufschrift: ,Is Judaism a tribal religion?“ (Ist das Judenthnm eine Stammesreligion?) Diese Frage interesfirt namentlich in der Gegenwart, da das Judenthum auch nach dieser Seite hin manchen Angriff zu erdulden hat, jüdische wie christliche Kreise in so hohem Grade, und die Art und Weise, in welcher der Bcrfaffer sie ventilirt, weicht so sehr von der bisher aus die Beantwortung dieser Frage angewendeten Methode ab, daß wir es der Mühe werth halten, die Abhandlung in dieser vielgelesenen Zeitung zu besprechen. Herr Montesiore giebt von vornherein den uns völlig neu erscheinenden Standpunkt an, von welchem aus er die Frage zu beantworten gesonnen ist. Er will hier nämlich unter Judenthum nur die Religion der in civilisirten Ländern wohnenden Juden der Gegenwart verstanden wißen. Er schließt daher die religiösen Meinungen unwisiender und minder intelligenter Anhänger des Judenthums, weil sie keine Materialien zur Untersuchung bieten, bei der Beantwortung dieser Frage aus. Die Gegenwart aber betont er deshalb, weil die biblische und rabbinische Literatur von den kritischen Gegnern des Judenthums ausgebeutet werde, um aus Auszüge aus diesen ehrwürdigen Documenten gestützt, die aus dem Zusammenhänge geriffen sind, die Ansichten und Bestrebungen moderner Juden zu beurtheilen und zu verdammen. Die Juden selbst aber, meint er, seien zu ängstlich bemüht, die von ihnen hochgeschätzten religiösen Schriften zu vertheidigen, und fänden sich daher zu sehr bereit, sie zum Ausgangspunkte des zu führenden Kampfes zu machen, während sie die Doctrinen und Glaubensbekenntniffe der lebenden Juden gleich ihren Gegnern unbeachtet laßen. Und doch müßten bei derartigen jüdisch-religiösen Fragen gerade die modernen Anschauungen in Erwägung gezogen und die alte Literatur nur in d e m Sinne berücksichtigt werden, den ihr anerkannt tüchtige Männer der Gegenwart beilegen, selbst wenn deren Auslegungsmethode vor dem Richterstuhle der Wissenschaft keine Gnade fände. Nach dieser Darlegung seines Standpunktes erklärt der Berfaffer, was er unter „Stammesreligion" verstehe. Lehrt eine Religion, daß Gott eine Nation mehr als eine andere liebt und alle andere Nationen zum Bortheile dieser einen, sei es zu deren Bestrafung oder deren Erhöhung, verwerthet, so wird sie dadurch als „Stammesreligion in üblem Sinne" gekennzeichnet. Ist sie jedoch in ihrer Gotteslehre universell d. h. lehrt sie, daß alle Nationen in Gottes Augen gleich sind, daß keine einen Vorzug vor der anderen hat, so kann sie durchaus nicht als Stammesreligion charakterisirt werden. Dieses selbst dann nicht, wenn die religiösen Ceremonien, mit denen die Lehre verbunden ist, den nationalen Charakter ihrer Bekenner an sich tragen und diese Bekenner weder erwarten noch wünschen, daß sich ihr religiöses Ceremonial außerhalb der ursprünglichen Grenzen verbreite d. h. auch von anderen Nationen angenommen werde. Für die Bezeichnung „Stammesreligion" sei nur der Gottesbegriff entscheidend, sobald in diesem Begriffe nichts Stammliches steckt, sei das Wesen dieser Religion universell. Sollte man sich aber dennoch bewogen fühlen, eine Religion, die einen unparteiischen Gott lehrt, wegen ihres zufällig nationalen Ceremonials eine stammliche zu nennen, so würde diese Bezeichnung durchaus keinen Schatten auf sie werfen. Diese Bezeichnung wäre dann ganz und gar verschieden von einer solchen, die einem religiösen Glaubensbekenntnisse zukäme, das in seiner ganzen Ausdehnung, d. h. in seinem Gottesbegriffe wie in seinem Ceremoniale, „stammlich" wäre. Ob nun das Judenthum in dem letzteren Sinne stamm« lich sei, sucht der Verfasser in seiner Abhandlung zu beantworten. Zunächst citirt Herr M. in seiner Beantwortung Stelle» aus mehren, in den letzten Jahren erschienenen deutschen und englischen antisemitischen Schriften, in denen dem Judenthume der Borwurf gemacht wird, in direktem Widerspruche mit den religiösen und politischen Tendenzen der Civilisation zu stehen. Es lehre einen Stammesgott und eine Stammesmoral, d. h. nur Toleranz gegen Juden und Intoleranz gegen andere Nationen, und endlich lege es seinen Anhängern nicht aus Herz, ihre Religion unter andere Völker zu verbreiten, ja zeige sich sogar dem Proselytismus ganz und gar abgeneigt. Obgleich nun unzählige biblische und talmudßche Stellen Zeugniß oblegen, daß der Gott und die Moral des Judenthums durchaus universell sind, nimmt doch der Berfaffer nicht zu Bibel und Talmud seine Zuflucht, um die Haltlosigkeit der ausgestellten Beschuldigungen nachzuweisen. Als Grund hierfür giebt er den Umstand an, daß selbst judenfteundliche christliche Gelehrte manche Stellen der heiligen Schrift und der rabbinischen Literatur heranziehen, welche auf die Annahme eines Stammesgottes schließen lassen. Jüdischerseits müsse man sich anstrengen, den Sinn jener Stellen wegzudeuten oder man sehe sich gezwungen zuzugeben, daß in Bibel und Talmud neben der Lehre von einem uni7

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