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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-13 · Heft 11 (13.3.1883) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 11 (13.3.1883)
Date
1883-03-13
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 Kreise der Gelehrten und in einem weiteren Kreise urtheilsmud auch mit Hilfe Eisenmengers nicht zu lesen vermag, fähiger und unbefangener Männer, und von hier aus wird! wie er durch mehrmaliges Mißverstehen Eisenmenger's ersich die Anerkennung der Wahrheit allmählich weiteren Raum wiesen hat, und daß „Rechthaberei" hier ein viel zu geschaffen. Um so dankbarer müffen wir es aufnehmen, wenn Delitzsch weiterhin sagt: „Aber versuchen will ich es noch einmal, die blinde Wuth, in welche der Antisemitismus durch Rohling versetzt ist, durch Nachweis ihrer ungerechten, lügnerischen Insinuationen zu brandmarken." Er sagt dies im mäßigter Ausdruck ist. D. geht dann alle die Behauptungen durch, welche bei Rohling die Talmudisten auf die Christen schimpfen lasten. Sämmtliche Stellen, die Rohling anführt, hat er nicht verstanden oder verdreht oder gefälscht. Er hat dennoch seine Insinuationen amtseidlich beschworen, und, da Vorwort zu: „Was vr. August Rohling beschworen hat und ihm vorher schon durch Delitzsch allein sieben Male erwiesen beschwören will. Zweite Streitschrift in Sachen des Antisemitismus." (Leipzig, Dörffling & Franke. 1883.) Rohling hat nämlich, trotz der ihm widerfahrenen Widerlegungen im Sommer 1881 beim Prager k. k. Oberlandesgericht, die Richtigkeit seiner Citate und ihrer Deutung amtseidlich bekräfworden, daß er die betreffende Taldmudstelle gar nicht verstanden hat, kann Jedermann den Schluß ziehen, was eigentlich dieser Amtseid für ein Eid ist. Delitzsch sagt hi^r (S. 16.): „Es ist nun das achte Mal, daß ich dies dem vr. Rohling entgegenhalte. Giebt es denn keine» des Taltigt, und in einer Replik auf eine Gegenerklärung der Wiener mud kundigen römisch - katholischen Judenchristen, durch den Rabbiner vr. Jellinek und vr. Güdemann geht er noch er sich den Staar stechen laffen kann? Es ist doch entsetzlich, weiter und erbietet sich amtseidlich zu erhärten, daß unter auf einem falschen Zeugniß nicht allein zu bestehen, sondern den Juden eine mündliche Geheimlehre, den rituellen Mord es sogar zu beschwören. Wir begreifen es, daß der weltbetreffend , circulire. Hiergegen erhebt nun Delitzsch mit liche Gerichtshof den Amtseid eines kaiserlichen Profeffors vollster Entrüstung seine Stimme. Allerdings ist wohl ein j der Theologie als entscheidend gelten zu laffen nicht umhin solcher Mißbrauch mit dem Amtseide seitens eines Ge-; kann, aber giebt es denn keine katholische geistliche Behörde, lehrten, der doch durch eine Unmaffe von Gutachten, unter Anderen von 35 getauften Juden (in M'Caul's Reasons for 1 welche es für ihre Pflicht hält, dieser lügnerischen Polemik zu steuern, deren Drachensaat einen so hervorragenden Anbelieving rc.), über seine Meinungen wenigstens in Zweifel gerathen mußte, noch niemals getrieben worden. Wir wollen hier die Gegenschrift Delitzsch' nur kurz skizziren; denn wir halten es für eine Pflicht jedes Theilnehmenden, die Broschüre zu kaufen, zu lesen und mit möglichster Anstrengung zu verbreiten. D. beginnt, indem er zeigt, wie Rohling ein Bild der Lehre Luther's entwirft, das ein Mosaik von Entstellungen, eine scheußliche Karrikatur ist. Er charakterisirt ihn, indem er sagt: „Grimmiger Haß der Reformatoren, die ihm als „Schurken" gelten, umflort seine Augen, die Berserkerwuth seines sich überstürzenden Fanatismus hat Sinn und Maß für das Thatsächliche verloren, er befindet sich nicht in dem gesunden Zustande eines besonnenen und unparteiischen Kritikers, sondern in dem krankhaften Zustande des Fieberdeliriums und der diesem eigenen Illusionen." Ebenso zeigt D., wie Rohling „das Aeußcrste in empörender Verdrehung der Geschichte leistet" und erweist dies an seiner Rechtfertigung der Inquisition, bei der „die Behauptung Rohling's eine ungeheure Lüge ist", und sich „einer Leichtfertigkeit, Gefühllosigkeit und Roheit ohne Gleichen" schuldig macht. Was Rohling dem Protestantismus gegenüber leistet, ist aber noch ein Kinderspiel gegen seine Angriffe auf das Judenthum. D. findet hier sofort, „daß Unfähigkeit, den Talmud ohne Hilfe Eisenmenger's zu lesen, und Rechthaberei in ihm dermaßen gepaart sind, daß alle Möglichkeit der Verständigung ausgeschloffen ist." Wir gehen noch einen Schritt weiter und finden, daß Rohling den Taltheil hat an dem Ausbruch mittelalterlicher Judenverfolgungen in unserem Jahrhundert?!" — Der Hauptbeweis, den Delitzsch führt, geht dahin zu erweisen, daß der Talmud, wenn er von Götzendienern spricht, niemals die Christen darunter meint, und daß es daher die größte Fälschung seitens Rohling's ist, daß er die Aussprüche, welche die Götzendiener betreffen, auf die Christen bezieht, während doch schon „ die mittelalterlichen Scholien zu dem Talmud besagen, daß die jüdische Praxis von der Voraussetzung auszugehen habe, daß die Christen keine Götzendiener seien (Tosafoth zu Abooa!sara 2. a.)." Er kommt zu dem Schluffe (S. 21.): „Es ist und bleibt dabei, daß im Talmud vom Christenthum | überall nur wie abschweifend und flüchttg streifend die Rede ist." „Das Judenthum ist im vollen Rechte, Ivcnn es sich nicht die Unwahrheit aufoctrvyiren läßt, daß der Talmud die Christen mit den Sternen- und Feueranbetern, den Verehrern der Äscheren und Hermen und Aphroditen zusammenwerfe." Um dieses weiter zu erhärten, führt D. die Aussprüche einer ganzen Reihe von Koryphäen der älteren jüdisch-juristischen Literatur, zuerst aus dem 16. und 17., dann aus dem 18. und endlich aus dem 19. Jahrhundert auf. Hiermit ist ihm seine Aufgabe gewiß gelungen, und sein Uriheil: „Der „Talmudjude" Rohling's ist ein sittlich noch weit verwerflicheres Machwerk als Eisenmenger's entdecktes Judenthum" bis zur Evidenz erhärtet. Aus den hinzugefügten Anmerkungen ziehen wir nur die letzte an, in welcher D. sagt: „Rohling will beschwören, was Päpste für eine Lüge erklärt haben," was

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