Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1883)
- Date
- 1883-03-13
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 suchnng ist dies von keiner Bedeutung, da hier nur von einem Abfall und Verlust, nicht aber von einer Vermischung mit fremden Bolkselementen, bei aufrecht erhaltenem Charakter des Judenthums die Rede ist. Nicht ganz 150 Jahre später fiel auch Jerusalem vor der Gewalt Nebuchadnezars. Es war ein langer Todeskampf des jüdischen Staates vorhergegangen, das Land verwüstet, die Städte zertrümmert. Auch das judäische Volk ließ Nebuchadnezar gefangen aus dem Lande führen und nach Babylonien verpflanzen, aber er fand sich nicht bewogen, fremde Ansiedler dorthin zu versetzen, beließ vielmehr Reste des Volkes in Judäa und setzte über sie einen jüdischen Statthalter Gedaljah. Aber ein Sproß des Davidifchen Hauses, Jsmael, strebte nach der Herrschaft und erschlug heimtückisch den Gedaljah. Er selbst wurde von einem anderen jüdischen Führer überwunden, und nun sammelte sich aus Furcht vor der Strafe Nebuchadnezar's alles vorhandene Volk und zog nach Egypten, wo es, wie es scheint, verloren ging. Hiermit war die erste Periode des israelitischen Bolksbestandes geschlossen. Wir haben alles Thatsächliche, was auf unsren Gegenstand Bezug haben konnte, zusammengestellt, und als das Resultat kann nichts Anderes constatirt werden, als daß während dieses ganzen Zeitraumes eine Vermischung des Volkes Israel mit fremden Volkselementen nicht stattgefunden. Die politische Stellung, welche Israel inmitten der es umringenden Völker in immerwährender Feindseligkeit gegen diese erhielt, die strenge Anhänglichkeit an die Stammesherkunft nach den einzelnen Stämmen, und der religiöse und sittliche Gegensatz zu den Heiden, von welchem trotz aller Abirrungen immer doch genug übrig blieb, um die Israeliten von den anderen dortigen Bolksstämmen streng zu scheiden, hatten diesen entschiedenen Erfolg. Wir haben höchstens die Aussaugung des mit den Israeliten aus Egypten gezogenen Gesindels und der verhältnißmäßig geringfügigen Reste unterworfener Bölkerstämme, die jedoch als Frohnarbeiter ansgeschieden blieben, zu verzeichnen. Dagegen erlitt das Volk sehr große Verluste an Menschen durch die blutigen Kriege und den Abfall der Zehnstämme. (Fortsetzung folgt.) Delitzsch contra Rohling. Der Professor Dr. August Rohling von der k. k. Prager Universität hat sich zwei Male an den Pranger gestellt: das eine Mal als Mensch und Bürger, das zweite Mal als Gelehrter. Denn wenn Jemand offen bekundet, daß es seine Absicht sei, den heftigsten Fanatismus, den bis zu blutigen Excessen schreitenden Haß gegen Mitmenschen und Mitbürger zu erwecken, zu reizen und mit allen Mitteln zu verstärken: so hat er sich in den Augen aller humanen, wahrhaft religiösen und sittlichen Menschen selbst gebrandmarkt. Wenn er aber zugleich als Gelehrter und Lehrer der Jugend die irrigsten Behauptungen, die falschesten Insinuationen aufstellt und sie durch falsche Citate, absichtliche Verdrehungen und Auslegungen von Texten zu begründen und aufrecht zu erhalten sucht, und zwar auf einem Gebiete, auf welchem er seine Unkenntniß, seine völlige Unfähigkeit des Verständnisses erwiesen hat und sich nur auf ein einseitiges Machwerk stützt, das vor 170 Jahren erschienen und verurtheilt worden; wenn ferner ihm seine Jrrthümer und Fälschungen wiederholt nachgewiesen worden und er dennoch bei ihnen verbleibt, sie für wahr und richtig ausgiebt, ja mit Berufung auf seinen Amtseid erhärtet: so dürfen wir wohl sagen, daß er sich mit solchem Verhalten an den Pranger gestellt. Wir glauben, daß ein derartiges Benehmen eines Gelehrten ganz beispiellos ist. Daß aber das Gesagte auf den Prof. Rohling vollständig zutrifft, das hat ihm — wir sehen von den Beweisführungen ab, die bereits vielfach von jüdischen Gelehrten in j dieser Sache abgegeben worden — ein christlicher Gelehrter. Herr Prof. vr. Franz Delitzsch aufs Evidenteste nachgewiesen. Und wenn-wir dann die in dieser Angelegenheit; erschienenen Schriften jüdischer Autoren hinzufügen, so kann ein Zweifel darüber nicht mehr bestehen. Wir setzen voraus, daß unsren Lesern die Beleuchtung des Rohling'schen „Talmudjuden" von Franz Delitzsch, die 'i bereits sieben Auflagen erlebte, bekannt ist. Sie fruchtete bei Rohling nichts. Noch trauriger ist es, daß Delitzsch sagen mußte: „Ich weiß aus Erfahrung, daß sein „Talmudjude" : die öffentliche Meinung so tief und allgemein vergiftet hat, daß kein Gegenmittel anzuschlagen scheint." Wodurch dies möglich, ist erklärlich. Lebt man doch sonst der Meinung, i daß die Wahrheit stets den Sieg über die Lüge davon trage,! und daß ein Uedermaß von Gift sich selbst die Reaktion bereite. Aber für die Verbreitung der Rohling'schen Schandj schrift durch die ganze Welt bis in die tiefsten Volksschichten hinein sind von den Judenfeinden und von einer in zahllosen Zeitschriften betriebenen Hetzpreffe die außerordentlichsten Mittel verwendet worden, und da diese auf die Vorurtheile und Unwissenheit der Menge spekulirten, wurde dieser Ungeheure Erfolg erzielt. Das alte Sprichwort sagt: „Derleumde frech, es bleibt immer etwas hängen", allein dies genügt hier nicht. Es kam dazu, daß überall die Neigung vorherrschte, als wahr anzunehmen, was mit einer beispiellosen Anmaßung und Unverschämtheit vorgetragen wurde, und da bleibt denn jedes Heilmittel ohne nachhaltige Wir-; kung. Aber abgesehen hiervon, so ist es doch von unübersehbarer Wichtigkeit, daß für die Wahrheit Zeugniß abgelegt werde, und dieses Zeugniß ansgegangen von einem Gelehrten ^von solchem unbestrittenen Rufe der Sachkenntniß und der Unparteilichkeit wie Franz Delitzsch, wirkt doch entschieden im ii*