Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1883)
- Date
- 1883-02-27
- Page
- Seite 145 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Eiern und Fleisch zur Hochzeit geliefert; an der Thür steht nicht erfolgen will, so nimmt man Erde vom Grabe einer irgend jemand, der die Gaben empfängt. Gegen Abend ver-! Person, welche im Verlauf der letzten 40 Tage gestorben, sammeln sich alle Dorfeinwohner zur Hochzeitsfeier. Derlthut die Erde in ein Glas mit Wasser und giebt davon der Bräutigam sitzt; neben ihm ist ein großes seidenes Tuch aus-! Kreisenden zu trinken; hilft das Mittel nicht, so holt man gebreitet, auf dieses werden die Geschenke, Geld oder vernoch ein Mal Erde, aber tiefer aus dem Grabe, und verschiedene silberne und goldene Gegenstände niedergelegt, welche j fährt wie früher. Aber dieses geschieht alles ohne Wissen der die einzelnen Personen glückwünschend darbringen. Neben Rabbiner, welche ein derartiges Heilverfahren nicht billigen, dem Tuch steht ein Mensch, welcher ausruft, wer etwas ge-! Im Dorf Mamrasch (Gebiet von Kjurinsk) wurde, geben hat, z. B. „goi schabaseh! N. N. schenkt zu Ehren des während der Verfasser dort weilte, in dem Quartier, das er Sohnes (der Tochter oder des Bruders) 5 Rubel." Auch 1 inne hatte, ein Knabe geboren. Die Kreisende lag auf dem die Mutter des Bräutigams tritt ein, begleitet von ihren Erdboden auf Stroh in einem besondern Gemach. Sobald Verwandten; sie hält einen Teller, auf welchem drei ver-. der Hausvater erfahren hatte, daß sein Weib ihm einen Sohn schieden gefärbte Tschurek (ungesäuerte Brote) liegen; aus geboren, kam er herbei, und das erste, was er that, war, jedem Brote stehen drei dünne brennende Wachslichtchen, da- Lichte anzuzünden und an die Wände des Zimmers kleine neben liegen drei Eier und drei Aepfel; in den Acpfcln stecken Papierzettel zu heften, auf welchen Namen der verschiedenen Münzen. Die Mutter übergiebt den Teller dem Sohne, Schutzengel des Neugeborenen geschrieben waren. Allen während der Ausrufer laut miltheilt, wie viel Geld die Fremden war der Zutritt zur Wöchnerin nicht gestattet. Erst Mutter und wie viel die Verwandten geben. In ähnlicher nach einigen Tagen fingen die Frauen aus dem Dorfe an, Weise sammelt auch die Braut Geschenke ein. Sobald die; die Wöchnerin zu besuchen. Acht Tage nach der Geburt Darbringung der Geschenke beendet ist, empfäugr der Bräu-, wurde das Knäblein beschnitten. Ter Schächter, welcher tigam alles in Gegenwart von Zeugen, und nun setzt sich: hier die Stelle des Rabbiners versah, vollzog mit Geschick- Alles zum Nachtmahl. Nach dem Essen kann der, welchem lichkeit die Operation. Die Operation kann entweder in der cs beliebt, nach Hause gehen, ein Theil der Gäste bleibt da, Synagoge oder im Hause der Wöchnerin vor sich gehen, um beim Klange der Trommeln und der „Surnen" (ein In Grosnoje wohnte der Verfasser im Deccmber 1666 Seiteninstrument) bis zum frühen Morgen zu tanzen. Um > in kalter Zeit einer Beschneidung auf dem Hofe der Wöchne Mitternacht kommen die Enga und die Sogduschen aus j rin bei. Trotz der großen Kälte versammelte sich die ganze dem Gemache der Braut und die „Schaffer" führen den! Gesellschaft auf dem Hofe; nach Beendigung der Operation Bräutigam hinein. Nachdem das junge Paar eine Weile wurden lange Tische errichtet, und Krüge mit Wein und Branntallein gewesen, kommt der junge Ehemann wieder hervor1 wein, gebratene Hühner und Hähne daraufgestellt. Tie Anwc- und sofort begeben sich die Sogduschen mit der Enga wieder. senden, bis zu den Knien im Schnee stehend, zertheilten ohne zur jungen Ehefrau. Ter Ehemann zieht sich in ein be- Messer und Gabel das Geflügel und verspeisten es ohne Brot, sonderes Gemach zurück und die Schaffer schießen ihre Krankheit. Tod. Begräbniß. Gewehre ab zum Zeichen, daß alles bereits in Ordnung. Die kaukasischen Juden leiden an mannigfalngen Krank- Die junge Frau aber verläßt ihr Lager nicht vor sieben heiten. Vorherrschend sind sie mit allerlei Fiebern behaftet; Tagen, während dessen wird sie von den Sogduschen und der dabei leiden sie häufig an den Augen. Sehr verbreitet ist Enga bedient; alltäglich kommen die Gespielinnen zu ihr — die Skrophelsucht und Schwindsucht, besonders in den Dörfern sie zu erheitern und zu trösten. Am Sabbath oder auch an Andrejewo, Aksajerskaja und Kostet (Terek-Gebiet). dem den sieben Tagen folgenden Mittwoch versammeln sich Sobald jemand erkrankt ist, so werden Hausmittel analle jungen Männer und Jungfrauen im Hause der Neuvcrgewandt, mitunter auch der Dorfzauberer herbeigeholt; die wählten, die Männer beim Ehemann, die Jungfrauen bei der Hülfe eines gebildeten Arztes wird selten in Anspruch ge- Ebefrau und schmausen, singen und tanzen zum lehren Mal: nommen. Häufiger nimmt man seine Zuflucht zu den aus jetzt hat das junge Paar endlich seine Freiheit und kann Persien anreisenden Badern, welche verschiedene Kräuter und seinen eigenen Geschästen nachgehen. Arzneien verordnen und sofort an die Kranken verabfolgen, Bekanntlich heirathen die europäischen Juden nur eine zu diesen haben die Juden volles Vertrauen, wogegen pe vor Frau, allein da das Gesetz Mosis die Vielweiberei nicht ver-; den gebildeten Aerzten und deren Mitteln große Scheu hegen, bietet, so nehmen die kaukasischen Juden nach dem Gesetz und, Ist ein Dorfbewohner erkrankt, so sind die anderen ver der Sitte ihrer Väter und nach dem Beispiel der muselpflichtet, ihn täglich zu besuchen. Stirbt der Kranke, so vermännischen Stämme, zwischen welchen sie wohnen, mehr als sammelt fich sofort eine große Gesellschaft im Sterbehause, eine Frau, doch nicht mehr als drei. Der Todte, mit einer schwarzen Decke verhüllt, liegt auf dem Wenn eine Frau in Kindesnoth ist und die Geburt Erdboden, um ihn herum stehen brennende Kerzen — der 9