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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 146 (sequence 18)
Language
German
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146 Rabbiner, dessen Schüler und einige andere Personen sitzen im Kreise um den Todten und murmeln Gebete. Die Leiche bleibt liegen, bis die Todtengewänder, Tachrichim, fertig sind. Die ganze Gesellschaft der Verwandten und Bekannten sitzt vor dem Hause oder auf dem Hofe und hilft an jenen Kleidern nähen. Gleichzeitig sind die Klageweiber auf dem Hofe erschienen; sie sitzen im Halbkreis und erfüllen die Luft mit ihrem widerwärtigen Geheul. Ein Weib, auf den Knien liegend, lobt die Verdienste des Verstorbenen; sie schlägt mit geballten Fäusten sich ins Gesicht, auf den Kopf und die entblößten Brüste so heftig, daß die danebensitzenden ihr die Hände halten. Sobald das Weib eine Pause eintreten läßt, schreien die anderen: hua alla! hua alla! Dabei schlagen auch sie auf ihre Brust und ihren Kopf und machen derartige Bewegungen, verzerren derartig ihr Gesicht, daß man nur mit Entsetzen sie anblicken kann. Mitunter geräth das eine oder das andere Klageweib ganz außer sich — die mit Blut unterlaufenen Augen sprühen gleichsam Funken, thierische Wildheit spricht aus dem Gesicht. Wie sie so dasitzen mit gelösten Haaren in alten zerrisienen Gewändern, nur die eine oder die andere in ein weißes Tuch gehüllt — da treten auch einige Männer, zwei oder drei, heran; hören eine Weile zu, nicken mit dem Kopfe und schluchzen wie die Kinder; doch bald, nach einigen Minuten, ziehen sich diese Männer zurück, um anderen Platz zu machen. Sind die Todtengewänder fertig, so wird die Leiche hinausgetragen aus dem Hause in ein unterdeß errichtetes Zelt. Daneben wird Feuer angemacht und Wasser zum Waschen der Leiche erwärmt; dann wird die Leiche gewaschen. Endlich wird die Leiche in die aus weißem Baumwollzeug bereiteten Gewänder gehüllt: zuerst ein langes Hemd mit einer Kapuze (Baschlik) und mit Aermeln, welche unten durch Handschuhe verschlossen sind, so daß sowohl der Kops wie die Hände vollständig bedeckt sind; dann weite Hosen mit daranbesestigten Strümpfen, um gleichzeitig die Füße zu verhüllen. Ferner wird die Leiche in einen Tabis gewickelt, und zum Schluß wird ihr noch ein langes Todtengewand angezogen. Der so sorgfältig angekleidete Todte wird auf eine Bahre gethan und entweder mit einem schwarzen oder einem rothen, aus persischem Seidenzeug gemachten Tuch bedeckt. An einigen Orten wird für jeden Todten eine besondere Bahre aus zwei hölzernen Stangen, welche durch ein leiterartiges Flechtwerk unter einander verbunden sind, angefertigt; diese Bahre wird nach geschehenem Gebrauch auseinander genommen und das Holz verbrannt. Man hält es für eine Sünde, fertige Bahren zu haben, welche in Erwartung eines Todten da stehen; man meint, dann müsse jemand sterben. An anderen Orten, wo man diesen Aberglauben nicht hegt, steht in der Synagoge eine feste solid gearbeitete Bahre, welche zu allen Begräbniffen benutzt wird. Die Weiber begleiten die Leiche nur bis zur Hofthür; dann kehren sie ins Haus zurück, gehen auseinander und loben diejenigen, welche sich besonders bei den Klagen um den Todten auszeichneten. Die Männer tragen allein die Leiche auf den Begräbnißplatz hinaus; unterwegs bleiben sie von Zeit zu Zeit etwas stehen und lesen ein Gebet oder einen Psalm. Kurz vor dem Begräbnißplatz macht der Zug abermals Halt; die Anwesenden stellen sich in einen Halbkreis auf, die Rabbiner lesen Gebete und das Volk wirst kleine Stückchen zerbrochener alter asiatischer Münzen in die Lust, um dadurch die bösen Geister zu besänftigen. Dann trägt man die Leiche zum Grabe, welches eine Tiefe von 2V-2 Arschin (circa 1,7 Meter) und mehr hat. Der Todte wird auf den Rücken, das Gesicht nach oben, in das Grab gelegt; in der Höhe einer Arschin (70 cm) etwa werden Bretter darüber gedeckt, so daß der Todte ganz frei liegt, und dann wird erst die Erde daraus geschüttet. Aus das Grab wird ein Grabstein mit einer Inschrift gesetzt: die Inschrift enthält den Namen des Verstorbenen, den Tag und das Jahr — nach hebräischer Zeitrechnung — des Todes; mitunter werden die guten Werke des Verstorbenen ausgezählt. (Forts, folgt.) Anzeigen. Ty| opyo wer^en mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die näclist- ■JL i 1 k)v/l di LC folgende Wochenntunmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von 3t. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. za adressiren. Pensionat und höhere Töchterschule von Frau JJr. Leversou. Hannover, Thiergartenstraße 3 n. 4. Nähere» durch Prospecte. [146:28] Aufnahme von Zöglinge» zn jeder Zeit. Eine für höhere Töchterschulen qualif. Lehrerin, die auch etwas musikalisch ist, sucht Stellung- Näheres bei [H. *2231] Prediger l>r. Jonas, Hamburg:, Poolstraße 1*2. Höhere Töchterschule und Pensionat. I Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann zu jeder Zeit erfolgen. > Geschwister Sobcruheim, Bingen a. Rh. [f. -.7.-36] | Handels-Institut und Pensionat I. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn. [2573]

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