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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
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.W4sjW*W^'*. 141 glücklich verlief, bei seinem Verwandten in Heidelberg verweilte, wurde dort von einer Lungenentzündung befallen, die am 10. d. M. seinem thatenreichen Leben ein Ende machte. Er war Borstand der israel. Gemeinde und der israel. Waisenanstalt Withelmspflege und seit 1873 Stadtrath hier. Er weihte seine ganze Thätigkeit philanthropischen Zwecken, und die Lücke, die sein Tod uns bringt, dürfte unausfüllbar sein. VrcntPD b'j Gestern Nachmittag fand hier die Beerdigung statt. Die äußerst zahlreiche Bctheiligunz nach dem Friedhofe bestand aus Hunderten von Mitgliedern der hiesigen israel. Gemeinde, der israel. Qberkirchenbehörde und des Kirchenvorsteheramts, dem Gesammtausschusse der Wilhelmspflege in Eßlingen, sowie den sämmtlichen Lehrern und Zöglingen derselben, den Mitgliedern der beiden bürgerlichen Kollegien, vielen städtischen und Staatsbeamten. Dem langen Zuge von Fußgehenden folgten 30 Wagen. Ter Sarg war mit Blumen und Kränzen reich geschmückt: einen riesigen Palmenzweig mit schwarzgelbem Bande hatten die städtischen Behörden ihrem langjährigen Mitgliede gestiftet; die Waisenkinder trugen einen Lorbeerkranz mit schwarzrolher Schleife; verschiedene Körperschaften widmeten Kranze. Auf dem Kirchhof wurde der Sarg vom Synagogenquartett und Musik empfangen. Die Grabrede hielt Kirchenrath vr. Wassermann in tiefer Bewegnng über r.:t? und schilderte die edlen Eigenschaften des Dahingeschiedenen um wärmsten Worten, sowie seine reiche Thätigkeit, seine unermüdliche Arbeit, sein strenges Pflichtgefühl, besonders seine Verdienste um die israel. Waisenanstalt. Zm Namen des israel. Waisenvereins sprach Rechtsanwalt Or. Kaulla, ^Namens der Wilhelmspflege der Waisenvater Stern, Namens des israel. Lehrervereins dessen Vorstand Oberlehrer Liebmann und endlich Kaufmann Landauer Namens des Synagogenchors. Mit Gesang schloß die große Trauerfeicr. Bonn, 31. Januar (Literarische Notizen., Der Gedanke der Emigration aus Rumänien und Rußland hat Wurzeln geschlagen und wird nicht aufhörcn, Schößlinge zu treiben. Jetzt, wo sich der Eifer für die Auswanderung nach Amerika etwas abgekühlt hat, sind die Blicke der Freunde der Emigration noch immer nach Palästina und Syrien gerichtet. Es erscheinen sogar zwei Wochenblätter, wenn auch von geringem Umfange, zur Förderung der Einwanderung in Palästina, das eine der in hebräischer Quadratschrist, früher in Galatz, jetzt in Bukarest seit einem Jahre, das zweite, „Der Colonist", seit dem 1. Januar in Kattowiy. Beide haben zu ihrem Mittelpunkt den Verein, "rr 2'Vr, der besonders in Rumänien einigen Raum gewonnen. Jndeß trotz aller Redensarten und Versammlungen, hat sich noch wenig Thatsächliches herausgestellt; man will stets mit dem Sultan, der sich sehr wohlwollend benehmen soll, unterhandeln; man will Plätze für Colonien aussuchen und besten Falls erkaufen: man bestimmt hierfür größere Summen, von denen man jedoch erst einen geringen Theil zusammen hat. Wir bemerken dies nicht aus mißwollender Gesinnung: denn, wenn wir auch dieser Bestrebung keinen wesentlichen Erfolg für die Gesammtheit Israels zuschreiben, ist es doch immerhin der Bemühung werth, einzelnen Bedrückten eine Zufluchtsstätte aufzusuchen und zu bereiten, und die Tendenz, unsren Glaubcnsgenosien aus Ländern, wo man sie drückt und verfolgt, Wege zu ebenen, muß lebendig erhalten werden. Sie ist nicht blos Hülfe für Einzelne, sondern auch ein Trost für Viele. Aber es ist Zeit, daß der Verein und seine Anhänger zu Thatfächlichem gelange. — Der Landrabbiner Professor Dr. Herzfeld in Braunschweig wird in einigen Wochen ein Werkchen erscheinen lasten: „Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit",in welchem er die Entstehungsweiseder meisten hebräischen Wortstamme darzustellen versucht. Bei den gründlichen Forschungen, die dieser Autor in seinen Werken stets bethätigt hat, und die ihn von allem Haschen nach Hypothesen fern halten, können wir uns recht interessante Resultate versprechen. —- In der Akademie in Paris wurde kürzlich ein interessantes Mscpt. über die Patriarchengräber in der Höhle Machpelah bei Hebron vorgelegt. Dasselbe besteht aus vier Pergamentblättern, ist in lateinischer Sprache im Jahre 1110 geschrieben, und zwar von einem Mönche, welchen die Kreuzzüge nach Palästina und nach Hebron geführt hatten. Dieser Mönch erzählt nun Folgendes: „Eines Tages, es war im Jahre 1111», als fast ganz Palästina in den Händen der Kreuzfahrer war, betete ich knieend in der zu einer christlichen Kirche umgewandelten Moschee in Hebron, als ich zwischen den Steinplatten des Fußbodens einen kalten Luftzug verspürte, welcher mich annehmen ließ, daß er aus einem unterirdischen Gewölbe heraufdringe. Ich machte sogleich dem Prior des Klosters davon Anzeige, welcher sich an den Grafen Beaudouin, den Herrn von Hebron, wandte mit der Bitte, dort Nachgrabungen anstellen lasten zu dürfen. Nachdem Beaudouin seine Genehmigung ertheilt, begannen (im Jahre 1110) die Nachforschungen unter Leitung des Priors des Klosters, Endes, und des Kanonikus Raoul. Während mehrtägiger Arbeit stießen sie auf sechs Grabkammern, in den Felsen gehauen. In der zweiten Grabkammer oder Grotte befand sich ein langer schmaler Gang, welcher in einer kleinen runden Halle endigte, jedoch nur so groß, um einige Personen aufnehmen zu können. An dieser Halle waren sechs kleine Grotten; die eine mit einer Inschrift. Drei waren ganz leer; in der vierten jedoch lag ein Skelett: in der fünften fand man zwei Skelette, und in der sechsten fünfzehn Thonurnen mit Knochen. Die beiden Priester (Endes und Raoul) glaubten, daß die drei Skelette die der drei Patriarchen, Abraham, Isaak und Jakob seien, nahmen diese drei Skelette ehrerbietigst aus ihren Felsengräbern, durchzogen mit diesen

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