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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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140 Wir müssen dies bestreiten, indem wir nur auf das Leichen-! begängniß Crsmieux' Hinweisen, das auf Kosten des ftan* j zösischen Staates stattfand, und auf die Bestattung Meyer? Magnus', die wir oben beschrieben (s. Berlin). Das Blatt bemerkt ferner: „Es ist gerecht, daß eine freie Nation keine religiösen Vorurtheile habe, und nach seinem Werthe den-! jenigen achte, der, ohne sich aus die Interessen seiner Race? zu beschränken, viel gethan hat für das materielle Wohl, den moralischen Fortschritt, die Erziehung und den Unterricht > Aller. “ Gewiß ist das gerecht. Aber es scheint uns doch,! als ob das wiederholte Betonen, daß diese Ehren einem Juden gewährt worden, noch lange nicht aller Hintergedanken entbehre, welche von einer wahrhaften Toleranz fern bleiben. Es ist eben jene Unbehaglichkeit, welche der nivellirende Radikalismus immer empfindet, wenn er einer Minorität gegenübersteht, die alle ihre bürgerlichen und gesellschaftlichen Pflichten erfüllt, ohne deshalb ihrer religiösen Eigenart zu entsagen. Schweiz. St. Gallen, 13. Febr. Das hiesige „Tageblatt" enthält einen statistischen Artikel über die Bevölkerung der Stadt St. Gallen, dem wir folgende Stelle entnehmen: „In noch größerer Proportion hat sich die Zahl der hier wohnhaften! Kinder Israels vermehtt. Die erste Volkszählung von 1837? weist keinen einzigen Israeliten auf. Anno ILöO waren ihrer ein halbes Hundert, zehn Jahre später ein volles Hundert,? im Jahre 1870 schon 138 und bei der letzten Zählung gar 273. Die Israeliten weisen deshalb relativ die größte Bevölkerungszunahme auf. An ihnen ist das Wort des Patriarchen in Erfüllung gegangen: „Deine Kinder sollen sich vermehren wie die Sterne des Himmels". Seien auch diese Kinder der Welt in unserem Hochthale willkommen. Sie haben der Feinde ringsum genug, wir wollen lieber nur ihre guten Eigenschaften anerkennen. In Fürsorge für ihre Familien, in ihrem unermüdlichen Schaffen, ihrem treuen Zusammenhalten und ihrer Nüchternheit mögen wir sic als Muster nachahmen, und wenn wir es, wie die Juden, dazu bringen, keinen einzigen Glaubensgenossen der öffentlichen Armenpflege anheim fallen zu lassen, wird es für die Steuerzahler auch nicht schlimmer sein. Tie konfessionellen Unterschiede und Borurtheile schwinden zusehends: sie werden den gesunden Sinn des Volkes jedenfalls da nicht zu trüben vermögen, wo wie in St. Gallen die freie bürgerliche Volksschule als kostbares Kleinod hochgehalten wird und eine feste Garantie für ächte Toleranz und Menschenliebe bietet." Türkei. Kattowitz, 9. Febr. Der hier erscheinende „Colonist", Organ für Colonisation in Palästina, schreibt: Die türkischen Beamten sind den russischen nicht ganz unähnlich, d. h. Eigenwille, Jrrthümer und sogar Gewaltthätigkeiten sind oft die einzigen Maximen der Verwaltung. Dies haben, wie bekannt ist. die ersten Emigranten, welche vom C. C. abgesandt wurden, genugsam erfahren. Der Chaimakam zu Chaifa hatte anfänglich nicht nur die Landung derselben, sondern sogar die Landung von Reisenden überhaupt verhindert. Dies ist bekanntermaßen schon geändert, denn die Colonisten siud ja an Ort und Stelle, und nach früheren Meldungen ist die Einwanderung jetzt vollständig freigegeben. Sir Laurence Oliphant, der jetzt in Chaifa wohnt, hat über solche Willkürlichkeiten in der „Times" einen Protest erhoben. Das wäre nun bislang ganz gut, aber die Zeitungen berichten über diesen Protest, als wären die darin erwähnten Thatsachen in die Gegenwatt und nicht einige Monate zurück zu datiren". Wir wünschen von Herzen, daß dem so sei, finden aber in Obigem zu wenig Thatsächliches angeführt, um gewiß zu sein, daß die Pforte ihren Ausschließungsbefehl wirklich zurückgenommcn hat. Denn der Chaimakam von Chaifa berief sich auf einen förmlichen Befehl des Pascha. Die Sache bedarf also noch weiterer Aufklärung. Bonn, 18. Februar. (Notizen.) Der König von Italien hat dem Commodore Giacomo Malvano. General-Direktor im Auswättigen Ministerium, der infolge der Krankheit des Ministers Maucini der eigentliche Leiter der Auswärttgen Angelegenheiten gegenwättig ist, die Dekoration des Großoffiziers vom St. Mauritius- und Lazarus - Orden verliehen, die nur hochgestellten Persönlichkeiten für ausgezeichnete Dienste ertheilt wird. Ein anderer Glaubensgenosse, der Ingenieur Emanuel Artom, ist zum General-Direktor für Brücken- und Wegebau ernannt worden. Ein Verwandter des Baron Attom, der frühere Sekretär des Grafen Cavour, dann Gesandter in Kopenhagen war und jetzt Senator ist. Ein Bruder des erfteren ist der Major Artom von den Ber saglieri, Flügeladjutant des Königs, der zugleich ein ausgezeichneter Dichter ist und bei dem Militärtribunal von Turin als Auditeur fungirt. Diese Artoms stammen sämmt lich aus einer in geringen Verhältnissen lebenden Familie in Asti ab. Außerdem befindet sich jetzt in Turin der Oberst Joseph Ottolunghi, Chef des hier garnisonirenden Jägerregiments zu Fuß und der Cavaliere Carme von Reggio, der zum Oberstlieutenant der Attillerie und Unterdirektor in der Waffenmanufattur ernannt worden. Man sieht an allen diesen Glaubensgenossen, wie vorbereitet die Israeliten Italiens für die Gleichstellung waren und wie würdig sie sich derselben zeigen. — Man schreibt uns aus Stuttgart, 14. Februar. Die württembergischen Israeliten haben einen schweren Verlust erlitten. Hofrath, Oberkirchenvorsteher vr. Adolf Levi, der behufs einer Operation, die

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