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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 137

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 137 (sequence 9)
Language
German
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I kerung allgemein, selbst bei vielen Anhängern des Herrn Pastor Funcke, die tiefste Entrüstung hervorgerufen. Es wurde allgemein gebilligt, daß der Prediger der israelitischen Gemeinde im „Courier" erklärte, er halte es als Jude unter seiner Würde, Herrn Pastor Funcke zu antworten, weder öffentlich noch privatim, daß er aber an dem geeigneten Orte seine Stimme gegen die die Juden betreffende Aeußerung erheben werde. Das ist geschehen. Sowohl von dem Prediger Herrn Leuringer als von dem Präses der israelitischen Gemeinde ist bei dem ersten Staatsanwalt der Antrag auf Einleitung des Verfahrens gegen Herrn Pastor Funcke gestellt. was gleichfalls von allen denen hier gebilligt wird, die sich mit Abscheu abwenden von den Finsterlingen, die den Haß gegen Andersgläubige schüren. Herr Pastor Funcke leugnet zwar in einer im „Courier" veröffentlichten Erklärung, daß er von Haß gegen die Juden erfüllt sei und daß er dies durch seinen baldigst zu veröffentlichenden Vortrag (auf den es ja gar nicht ankommt, vielmehr nur auf seine das Referat über denselben berichtigende Erklärung) beweisen wolle. Dagegen erhebt Herr Pastor Dr. Schwalb von der hiesigen Martinikirche, welcher seinen Amtsbruder wegen seiner Aeußerung gegen die Juden gehörig im „Courier" geißelt, seine Stimme, indem er erklärt, „daß ihm manche gehässige Aeußerung Funcke's über die armen „„verfluchten"" Juden zu Ohren gekommen sei." Die hiesige Localpresfe lehnt ein Weiterspinnen des von Herrn Pastor Funcke provocirten häßlichen Vorfalls entschieden ab, womit man gewiß nur einverstanden sein kann. Was auf den gestellten Strafantrag nach tz 166 des St.-G.-B., den entgegenzunehmen der erste Staatsanwalt keine Bedenken hatte, erfolgen wird, vermögen wir nicht zu sagen. Jedenfalls werde ich Ihnen über den Verlauf der Sache Bericht erstatten. >l. L. Nordstetten (Württemberg), 8. Febr. (Privatmittheil.) Am heutigen Jahrestage von Berthold Auerbach wurde unter Betheiligung der hiesigen bürgerlichen Kollegien, der isr. Schuljugend und Gemeinde das Grabdenkmal für denselben errichtet und eingeweiht, wobei der hiesige Lehrer Strauß die Gedenkrede hielt, welche folgendermaßen schloß: „Berthold Auerbach wußte, daß man ihm diesen Beweis der Liebe liefern würde, weßhalb er selbst sagte, welchen Schmuck einst sein Grab tragen soll. Einfach und prunklos soll einst mein Grabstein sein. Dieser Wunsch ist hervorgegangen ans dem ganzen Geistes- und Gemütbsleben des Verstorbenen. Wie er selbst einfach und anspruchslos sich stets gezeigt, so sollte auch einst der Stein sein, den man ihm auf das Grab gesetzt. — Dieses Grabmal besteht aus zwei rothen Sandsteinen als Sockel und die Hauptplatte aus Granit. So hat es der große Dvdte gewollt. Er wollte ein Grab im trauten Schwaben in der Schwarzwalderde, und das Material des Gedenksteines sollte dem Boden entnommen fein, der dem Dichter die -Quelle seiner besten Schöpfungen war - - es sollte Schwarzwälder Gestein sein. Nie in seinem Leben hat Berthold Auerbach sich seiner Heimath zu entfremden gesucht, immer wieder kehrte er nach seinem geliebten Schwarzwalde zurück. Und war er bei uns, hatte er die großstädtischen Manieren vergessen und fühlte sich zu Hause. Es sind genug Personen unter uns, die von seinem herzlichen biederen Wesen manch' schönes Zeugniß oblegen können. Durch dieses Aus treten hat er sich die Herzen aller erworben, und seine Beerdigung war der beste Beweis für die ihm gezollte Liebe und Verehrung. — Hier ruhet er nun, wo er sich als .Knabe getummelt in der Mitte feiner kräftigen Schwarzwälder, hier wo er die ersten und größten Eindrücke empfangen, die seinem Namen einen hervorragenden Ehrenplatz in dem deutschen Dichterwalde gesichert. — Großer Todter! das Denkmal, das man Dir heute gefetzt, es stehe fest und trotze lange dem Zahne der Zeit. Dein Name und Deine Werke aber werden fortleben in uns und in den späteren Geschlechtern! Oesterreich<Ungarn. Preßburg, 10. Februar. Der frühere Redakteur und Herausgeber des antisemitischen „Westungarischen Grenzboten". Anton Windisch, wurde heute wegen Wechselfälschung zu einem Jahre Kerker verurthcilt. Pest, 12. Februar. Ferdinand Horünßkp ist von der Vertheidigung eines Theiles der in der Tißa Eßlarer Affaire Angeklagten mit folgender an den Nyiregyhäzaer königl. Gerichtshof gerichteten Vorlage zurückgetreten: „Löblicher Strafgerichtshof! Das Vorgehen, welches bisher in der Strafuntersuchungs-Angelegenheit gegen Scharf beobachtet wurde, hat in mir die schon länger genährte Ueberzeugung gereift, daß dieselbe zu allem Anderen Anlaß giebt nur dazu nicht, was vom Anfang an als ausschließlicher Zweck des Gerichtsverfahrens vor meinen Augen schwebte, nämlich daß das Geschehene in jeder Richtung in bernhigenjfcer Weise erhellt werde.! Indem ich die Animosität betrachte, mit welcher diese! Strafuntersuchung nun schon seit neun Monaten geführt wird,! indem ich die Reibung betrachte, welche sich mittlerweile; zwischen dem Gerichte und der Anwaltschaft entwickelt hat, : indem ich die Klagen, von welchen ich vernommen, betrachte, - Klagen, welche wegen der während der Untersuchung angeblich angewendeten gesetzwidrigen Mittel — ob mit oder ohne Grund, das untersuche ich nicht —, aber faktisch ausgetaucht sind, kann ich mit Recht hoffen, daß die ungarische Justizverwaltung Opportunitätsrücksichten oder Schwächen, welche! dem scheinbaren Druck der öffentlichen Stimmung entspringen.! nicht beachten, sondern umso eher von ihrem gesetzlichen Reckte j der Gerichts-Exmittirung Gebrauch machen wird, weil hiezu! einerseits das Vorgebrachte einen genügenden Stützpunkt bietet, s

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