Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 136

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 136 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227457--40611-3309013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

136 israelitische Gemeindebund, die deutsche Genossenschaftsbank,! Trauer Ausdruck verliehen, der Entschlafene in die kühle deren Aufsichtsrath der Verstorbene 16 Jahre lang als Vorsitzender angehörte, die Victoria-Invaliden-Stiftung» die Gesellschaft der Freunde und viele andere Korporationen und Vereine, denen der Heimgegangene nahegestanden, prachtvolle Kränze niederlegen lassen. Kurz vor Beginn der Trauerfeier traf von der kronprinzlichen Familie ein Lorbeerkranz mit Widmung ein. Und fort und fort mehrten sich die Blumen- und Kranzspenden. Die Trauerversammlung zählte nach Tausenden, Hoch und Niedrig, Diplomatie, Finanzkreise, Stadtverwaltung, Kaufmannschaft und Bürgerschaft waren in überaus großer Zahl vertreten. Kaum mochten die Leidtragenden Platz finden im Schiff und auf den Doppelgallerien des Tempels. Im Vordergrund, rechts und links vom Sarge, saßen die nächsten Angehörigen des Entschlafenen. Bor dem Sarge hatten Magistrat und Stadtverordnete, geführt vom Oberbürgermeister v. Forckenbeck und StadtverordnetenBorsteher Dr. Straßmann, Platz genommen. Hier bemerkte man ferner den Justizminister Dr. Friedberg, den Marineminister von Stosch, Polizeipräsident von Madai, den griechischen Gesandten von Rhangabe, den Präsidenten des deutschen Handelstages Dr. Delbrück, Branddirektor Witte, zahlreiche Reichstagsabgeordnete, die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft und viele Andere. Nach dem Gesänge des Liedes: «Der Mensch, wie Gras sind seine Tage, wie des Feldes Blumen blüht er", vom Synagogenchor gesungen, hielt Rabbiner Dr. Frenckel die Trauerrede. In derselben gedachte er der regen Schaffenskraft, des unaufhörlichen Wohlthätigkeitssinnes des Vollendeten, rühmte ihn als ein Vorbild für Biele, als einen Verfechter der Freiheitsgedanken, als einen Helfer und Unterstützer der Nothleidenden, nicht bloß feiner Glaubensgenoffen, sondern aller Bedrängten. Für alle Ewigkeit werde sein Name mit der Berliner jüdischen Gemeinde, fein Wirken mit Berlin selbst verknüpft sein. Der weihevolle Gesang «Was vom Staub geht heim zum Staube" bildete den Uebergang zu dem ergreifenden Gebet des Rabbiner Dr. Maibaum. Dann beendete abermaliger Gesang die Trauerfeier. Nun ordnete sich der Leichenzug, Synagogendiener mit Palmenzweigen und brennenden Kerzen schritten voran und geleiteten den Sarg zu dem im Borhof der Synagoge Gruft gesenkt. Berlin, 15. Februar. (Privatmitth.) Wir dürfen wohl an dieser Stelle einen Blick auf die Wirksamkeit des verewigten Meyer Magnus, als Mitglied und lange Zeit als Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde werfen. Er war am 12. Dezember 1855 in den Vorstand eingetreten und hat somit vor etwas mehr als zwei Jahren das Amtsjubiläum als Vorsteher gefeiert. Unter seinem Vorsitze hat die Gemeinde nach allen Richtungen hin einen großen Aufschwung genommen. Die neue Synagoge und das mustergültige Krankenhaus wurden neu erbaut, die Altersversorgungsanstalt erfuhr eine bedeutende Erweiterung, die Lehrerbildungs-Anstalt wurde neu geschaffen und der neue Friedhof in Weißensee angelegt. Zur Vervollständigung der in den Zeitungen gegebenen Berichte über die Leichenfeier fei bemerkt, daß Justizrath Meyer als Stellvertreter des Vorsitzenden im Namen des Vorstandes einen Nachruf gehalten und daß auch Rabbiner Dr. Ungerleider am Sarge eine Gedächtnißrede hielt, anknüpfend an 2. Sam. 3,38: „Fürwahr, Ihr wisset, daß uns ein vornehmer und großer Mann entriffen worden ist", und hervorhob, daß Magnus seinen edelsten Stolz in der Stadt Berlin und seinen schönsten Ruhm in der jüdischen Gemeinde Berlin gefunden hat. — Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" theilt uns mit, daß der Kronprinz und die Kronprinzessin KK. H.H. genehmigt haben, daß die vom Gemeindebund gegründete Central-Bersicherungs- und Pensions - Kaffe für jüdische Gemeindebeamte den Namen führe: „ Friedrich-Wilhelm-Viktoria- Stiftung", also unter dem Protektorate Ihrer K. K. Hoheiten steht. Bremen, 14. Februar. Bisher waren die Bremischen Juden von Antisemitismus unbehelligt geblieben und hatten unter der Bewegung der Judenfrage nichts zu leiden. Daß es auch für die Zukunft so sein wird, steht zu hoffen. Hier ist kein Feld für die Antisemiten — das hat Herr Stöcker bereits erfahren, dem, als er die Absicht kund gab. hier einen Vortrag zu halten, selbst von Pastoren und Laien der orthodoxen Richtung der Rath gegeben wurde, lieber fort zu bleiben, was auch geschah; das hat in diesen Tagen auch der stehenden Leichenwagen. Den Zug selbst, der durch die Ora-! hiesige Pastor Funcke von der Friedenskirche erfahren müssen. Nienburger, Rosenthaler und Schönhauser Straße seinen Weg! Derselbe halte im Bremer „Courier" eine Erklärung erlassen. nach dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee nahm, eröffnete der Castellan der Synagoge, gefolgt von sämmtlichen Dienern derselben; Hunderte von Fußgängern schloffen sich an, dann folgte der Galawagen des Kronprinzen und eine fast endlose Wagenreihe. Auf dem Friedhofe rief Oberbürgermeister von Forckenbeck dem Dahingeschiedenen noch einen letzten Scheidegruß nach. Dann wurde. die eine Berichtigung eines Referats über seinen im hiesigen Evangelischen Verein gehaltenen Bortrag über den Propheten Jeremias enthielt. In dieser Erklärung heißt es nun u. A., daß er (Funcke) sich nicht als einen entschiedenen Gegner alles Antisemitismus in seinem Bortrage hingestellt habe, sondern daß er weiter gesagt habe, „die Juden sind nicht nur jetzt verflucht von der Welt, sondern allzumeist ein Fluch nachdem auch die Gemeinde nochmals den Gefühlen tiefer! der Welt". Diese Aeußerung hat in der Bremischen Bevöl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.