Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1883)
- Date
- 1883-02-20
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
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122 r Iti Gabe der Beredsamkeit zu besitzen, sanden seine Worte, die stets aus tiefer Sachkenntniß, durchdringendem Scharfsinn und höherem Gesichtspunkte hervorgingen, überall williges Gehör. Im Jahre 1859 erhielt er „für außerordentliche, dem Lande geleisteten Dienste" die damals noch sehr seltene und schwierig zu erlangende große Naturalisation. 1862 wurde er vom Brüsseler Wahlkreis zum Senator ernannt, und hat demselben in dieser Eigenschaft über 20 Jahre gedient. Er ward das praktische Orakel der liberalen Partei, für deren Zwecke er seine Börse jederzeit, ohne zu markten, öffnete. Ebenso saß er im Stadtrath sowie im Verwaltungsrath der Brüffeler Universität, an der er einen Lehrstuhl der arabischen Sprache gestiftet hat. Auch für seine Glaubensgenossen schlug sein Herz stets warm und theilnahmvoll: was er da Gutes gethan, kann niemand in seinem ganzen Umfange beurtheilen, da seine Bescheidenheit seiner innersten Wohlthätigkeit gleichkam. Nur wo cs galt, ein Beispiel zu geben, trat er mit seinem Namen auf, dann aber auch mit Summen, die ihre Wirksamkeit in keiner Weise verfehlten. Wie schwer sein Verlust allerseits empfunden wird, zeigte sein Bcgräbniß. Die Königliche Familie ließ sich bei demselben vertreten; eine starke Militärmacht unter einem Obersten that den Ehren- Großbritannien. London, 25. Januar. In der „Times" thcilt I'r. Schiller-Szinessy aus Cambridge mit, daß mehrere berühmte englische Theologen, gewiegte Kenner der biblischen und rabbinischen Literatur, wie u. A. der Bischof von Durham und der Dechant von Pcterborough, ihm ihre Ansichten über die Blutbeschuldigung in Briefen zugemittelt haben. Die „Times" selbst veröffentlicht von diesen Briefen das nachstehende Schreiben des Bischofs von Durham: „Auckland-Castle, Bishop-Auckland, 19. Januar. Theurer Herr Doktor Schiller-Szinessy! Ich zögere nicht, zu erklären, daß ich die Blutbeschuldigung gegen die Juden als ebenso monströse wie grausame Unwahrheit betrachte und daß ich nicht zu begreifen vermag, wie vernünftige Leute derselben Glauben schenken können. Ich wüßte nicht, wie ein Christ größere Schmach bringen könnte über den Namen, den er trägt, als indem er derlei Anklagen als Gründe zur Verfolgung annimmt. Ich bin, lieber Dr. Schiller- Szinessy, Ihr aufrichtiger I. B. Dunclm." Aehnliche Briefe sind dem Dr. Schiller - Szinessy auch vom Dechanten von Petcrborough, vom Rektor der Univerdienst; der Hof, die Generalität, der ^enat, die Kammer, sität Cambridge, von Professor Westeott und Dr. Lumby die Stadtverwaltung, die Universität, die Schulen waren zugekommen. zahlreich vertreten; viele Vereine mit ihren Bannern waren freiwillig herbeigeeilt; viele hunderte von Kränzen wurden auf den Sarg niedergelegt. An demselben sprachen der Finanzminister Graux für den Senat; der Bürgermeister Büts für die Stadt und die Universität; Lippens für die Federation liberale, Janson als Präsident der ^.ssooiation liberale, endlich der Oberrabbiner Dreyfus in sehr schöner und würdiger Weise. Während des Zuges hielten die Herren Graux, b)cus;l?.nd. Petersburg, 4. Februar (Privatmitth.) Am 7. v. M. fand eine Generalversammlung des „Vereines zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" im Hause seines Vorsitzenden, des Herrn Baron H. Günzburg statt. Eine solche Versammlung sollte statutenmäßig vier Mal jährlich geschehen; man ist zufrieden, wenn sie zwei Mal stattstndet, Büls, Janson, Kammermitglied und Vorsitzender der ^880wahrscheinlich wegen Abwesenheit des Vorsitzenden. Jndeß ciation liberale, und Lippens, Vorsitzender der Federation ist dies kein Unglück, denn viel kommt doch nicht heraus, da liberale, die Zipfel des Bahrtuches. Die Trauer in der; sich gewöhnlich nur die stereotypen Klagen über die geringe Stadt um den Dahingeschiedenen ist allgemein und tiefgehend; l Theilnahme des Publikums wiederholen. Dieser geringen auch nicht ein Schatten des Neides oder Uebelwollens mischt Theilnahme steht aber auch die laue Thätigkeit des Comites sich hinein. Mögen ihm viele Reichen in Israel gleichen!-)!gegenüber. Die Ursachen der ersteren liegen offenkundig, da die Bestimmung, daß die Aufnahme in den Verein an ein Ballo- 2. Taß All--, was unser ISc.mw.mlw.» übet de» Sctftotbenen 19!icman1’ >'$ b°müht, neue Mitglieder;u werben, und gesagt, vollständig wahr ist, erweisen die Reden des Ministers, des 9W»nitminrT Srtü W Wntnnfime m h™ SKerem an, 9V Oberbürgermeisters und der übrigen Herren, die am Sarge gehalten > und vom Moniteur beige, dem Regierungsblatte, vom v. Februar... abgedruckt wurden. Tabci begründen die Redner ihre Lobcserhedieser Bedingung nickt aussetzen wollen, bungen mit Thalsachen, welche für sich sprechen. Hervorheben wollen : - - wir, daß Herr Lippens sagte: „Seine Enthaltsamkeit war über jede ' wart der meistverleumdete Stand der der Finanzmännec ist, und in Versuchung erhaben; der Ehrgeiz wie die Berechnung waren dieser diesem wiederum die jüdischen Finanziers den unerhörtesten Schmäauserwählten Natur fremd, die sich nur glücklich fühlte im Glücke Hungen ausgesetzt sind. Hier hat ein ganzer Staat, eine große Stadt Anderer und in der Befriedigung, welche die erfüllte Pflicht verleiht, und eine zahlreiche Bevölkerung ein' ^eugniß abgelegt, wie es be- Sfth HulSrtv O't+Af rt rt ah 3 am hmS «.(«aCamVam .• 1 Xi aS« » V tement gebunden ist, hält zahlreiche Männer zurück, die sich Man wollte auf Janson sagte: „Treugeblieben dem Glauben seiner Väter, und bemit dem Namen Bischoffshcim benannt werde. Am 8. d, dem Tage sonders um nachdrücklich gegen eine Reaktion zu protestiren, welche der Beerdigung, waren alle Burcaux der Stadtverwaltung und der unser Jahrhundert entehrt, wußte er auch stets seiner politischen Nationalbänk geschlossen, um den Beamten die Thciinahrne an dem Ileberzeugung treu zu bleiben." — Man weiß, daß in der Gegen- Leichcubegängniß zu ermöglichen. Redaktion.