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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-20 · Heft 8 (20.2.1883) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 8 (20.2.1883)
Date
1883-02-20
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 H >i t* 11-. i? i* K ii’ ]‘; Unabhängigkeitspartei zu überreichen, um einen ordentlichen, Club-Beschluß über dieselbe zu extrahiren. — Es lebe das gute Beispiel! Wie man aus Essegj meldet, erklärte gestern der Schwcinehändler und Grundbesitzer [ Karl Leipold Pfeifer, der einen Experten-Eid leisten sollte, j er könne dies nicht, weil der delegirte Richter — ein Jude sei. j — Der Tißa-Eßlarer Prozeß bleibt immer noch auf demselben Flecke stehen. Die Gefangenen bleiben im Kerker, was so ziemlich einer mitteralterlichen Folter gleicht, und Untersuchung und Anklage rücken nicht vor! Aus Nyircgyhaza wird; berichtet: Der Gerichtshof beschloß gestern nach dreistündiger! Berathung, die Akten betreffend die Untersuchung und Sezirung! der Dadaer Leiche behufs Super-Revision dem Landes-Sani-! tätsrathe zu unterbreiten. Der diesfällige Beschluß ist schriftj lich noch nicht formulirt worden, weil der Präsident, der in dieser Angelegenheit zugleich Referent ist, dringend abreisen mußte. — Das giebt wieder einen recht langen Aufschub. Ob sich wohl in einem anderen europäischen Staate ein solches Justizverfahren noch vorfindet. Pest, ll. Februar. Franz Liszt hat an die „Gazette de Hongrie" folgendes Schreiben gerichtet: „Mit einem gewissen Gefühle des Bedauerns richte ich diese meine Zeilen an Sie; da indeffen in jüngster Zeit die Nachricht von meiner! angeblichen Judenfeindlichkeit verbreitet worden ist, halte ich es für meine Pflicht, diese Nachricht, welche auf Jrrthum ' beruht, zu rectificiren. Allgemein bekannt ist cs, daß ich, mich der Freundschaft mehrerer in der Musikwelt hervorragen-! der Juden, so namentlich Meyerbeer's erfreute, gleichwie tn : literarischen Kreisen Heinrich Heine und Andere ähnliche j Gefühle für mich hegten. Ich halte es für überflüssig, des j Weiteren anzuführen, welches Maß eifriger Loyalität ich! während meiner fünfzigjährigen Laufbahn talentvollen Juden gegenüber bethätigte; auch enthalte ich mich der Anführung dessen, wie vielfach ich in den verschiedensten Ländern zur Vermehrung der jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten beigetragen habe. Die Parole meines Schutzheiligen Franz de Paula heißt: ..Charitas“. und dem bleibe ich treu bis in den Tod. Es giebt Leute, die einen Satz aus meinem Werke: „8ohemiens en Hongrie" aus dem Zusammenhänge reißen und mich angreifen. Ich kann mit ruhigem Gewissen meine Angreifer versichern, daß ich mich nur insoweit schuldig fühle, als ich die Idee des „Königthums von Jerusalem" zart berührte, welche lange vor mir drei hervorragende Israeliten, Lord Beaconsneld, George Eliot (Miß Evans, die Tochter eines englischen Landpfarrers, eine Jüdin?) und Cremieux. eingehend behandelten." Wenn Franz Liszt jetzt bereut, in der zweiten Auflage seines bekannten Buches sich so feindselig über die Juden ausgesprochen zu haben, so haben wir nichts dagegen, nehmen vielmehr seine Entschuldigung gern entgegen. Das Ableugnen hilft aber nichts, ,da Gedrucktes sich nicht wieder verschwinden machen läßt. Pest, 0. Februar. (Privatmitth.) lieber den Stand der Tißa-Eßlarer Affaire ist heute wenig zu melden. David Löw, der früher in Nyircgyhaza als Gefangenen-Aufseher angestellt war und dann auf eigenen Wunsch nach Miskolcz versetzt wurde, ist amtlich angewiesen worden, auf seinen früheren Posten zurückzukehren. Die Verfügung giebt Anlaß zu den verschiedenartigsten Gerüchten über Vorkommnisse, die mit den Tißa-Eßlarer Untcrsuchungshäftlingen zusammenhängen. Die Frauen der Unterfuchungshäftlinge wurden von Vary, an den sie sich gewendet hatten, um ihre Gatten besuchen zu dürfen, an Megyery gewiesen, da er selbst verreise und längere Zeit abwesend sein werde. Es geschieht Alles, um die Sache zu verschleppen. Eine eigenthümliche Scene spielte sich, wie aus Nyircgyhaza telegraphirt wird, heute vor dem dortigen > Komitatshause ab. Moritz Scharf erblickte nämlich vom Hofe aus mehrere auf der Straße vorübergehende Tißa-Eßlarer! Frauen und stürzte ihnen nach. Der Sohn des Kastellans Henter, dies bemerkend, ergriff ihn und brachte ihn, trotz l seines Schreiens und Umsichschlagens, unter Schimpfworten ' wieder in den Hof des Komitatshause» zurück. Und das nennen die ungarischen Justizbeamten kein Gefangenhalten! Es ist himmelschreiend. Preßburg, 7. Februar. Dem von dem Reichstags-Abgeordneten Simonyi herausgegebenen antisemitischen „Westungarischen Grenzboten" ist durch das österreichische Ministerium des Innern der Pvstdebit sür alle im österreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder entzogen worden. Zahlreiche unter Kreuzband cxpedirte Exemplare des Blattes, welche heute im Wiener Postainte anlangten, wurden polizeilich saisirt. Belgien. Brüssel, 7. Februar. (Privatmitth.) Die Sitzung des Israelitischen Consistoriums am 6. d. war von einer besonderen, verhältnißmäßig entscheidenden Wichtigkeit. In diesem Blatte ist der Verlauf, welchen unsre Beerdigungsfrage genommen, genau verfolgt worden, und so werden die Leser begreifen, daß das Consistorium im jetzigen Augenblicke vor eine Entscheidung gestellt war. Nachdem nähmlich der Cassationshof dahin gcurtheilt hatte, daß die Verordnung vom Prairial durch die Constitution ungültig geworden, war auf legalem Wege gegen die von den Munizipicn befohlene Schließung aller confessionellen Friedhöfe nichts mehr auszurichten. Der Gewissenszwang, der hierdurch ausgeübt wurde, ein Hohn auf die verfassungsmäßige Religionsfreiheit, herbeigeführt durch die vom katholischen Klerus verursachten Excesse, traf somit auch die Israeliten, bei denen niemals ein analoger Vorgang eine Klage hervorgerufen hat. Aber!

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