Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1883)
- Date
- 1883-02-20
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
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117 lebte in der römischen Zeit eine viel größere Anzahl Juden, als während des Mittelalters und der Gegenwart. In Rom! wohnten schon zu Augustus Zeit über 1-2,000 Juden und > vermehrten sich unter den späteren Kaisern in großem Maße. Als Italien der Schauplatz immerwährender Erschütterungen geworden, zogen sie nach Spanien und dem verhältnißmäßig ruhigeren Gallien. Hierbei muß überhaupt nicht vergessen werden, daß durch die Zerstörung Jerusalems, die Verwüstung des h. Landes und die Austreibung der Juden aus ihm höchst zahlreiche Massen von Juden nach dem Occident geworfen wurden, welche sehr wohl Colonien in allen abendländischen, damals zugänglichen Ländern gründen oder doch die bestehenden verstärken mußten. Allerdings schwebt über den ersten Ansiedelungen der Juden in Deutschland völliges Dunkel, trotz der Legenden über das Vorhandensein von Gemeinden in Worms, Speyer u. s. w. Daß die Juden nach Deutschland und England über Frankreich gekommen, ist wohl sicher, aber sie sind überaus frühzeitig vollständig deutsch geworden, wie z. B. alle Urkunden beweisen, welche auch die Synagoge unter der Bezeichnung rroc“ acceptirte. — Der Krieg von Bar-Cochba, meint Renan weiter, bezeichnet das Ende des großen jüdischen Proselytismus; die talmudische Acra beginnt; dies ist die Aera der Absonderung, des gegenseitigen Hasses. Wenn eine große Bewegung die Welt erfüllt hat, so steht man nicht selten, wie sie diejenigen, welche ihre Träger gewesen, in Nacbtheil bringt; dann bereuen diese fast, was sie gethan und werden reaktionär. Nichtsdestoweniger wurde der Proselytismus, der von den Gelehrten verdammt wurde, von den frommen Laien weiter ausgeübt, welche dem alten Geiste treuer waren als die puritanischen Beobachter des Gesetzes. So sieht man, nach dem Absagen des Talmuds, den eifrigen jüdischen Proselytismus in Arabien und Abyssinien ausgeübt und dem Judenthume Racen zugesührt, die nur sehr indirekt oder gar nicht vom Blute Israels stammten. Ein noch außergewöhnlicheres Ereigniß ist die Bekehrung der Khozaren, gegen das Ende des achten Jahrhunderts. Nichts kann geschichtlicher erwiesen sein. Dieses tatarische Reich, das sich vom Kaspischen Meere bis zur Krim ausdehnte, wurde jüdisch. Um dieselbe Zeit sieht man die tatarischen Namen wie „Toktamisch", in den hebräischen Inschriften der Krim auftauchen. Kein alter Palästinienser, der Jsaae oder Jakob hieß, konnte sich Toktamisch nennen. Sicher ist dies ein bekehrter Eingeborener oder der Sohn eines Bekehrten. Dies ist sehr wichtig und läßt voraussetzen, daß unter den so zahlreichen Juden im Süden Rußlands und in den slavischen Ländern nur eine sehr kleine Zahl palästiucsischcr Elemente sich befindet. Die jüdische Propaganda vollzog sich meistens durch die Dienerschaft, die Sklaven. Die Diener eines jüdischen Herrn wurden meistens Juden. Daher stammt die außergewöhnliche Aufmerksamkeit, mit welcher die Geistlichkeit und christlichen Behörden zu allen Zeiten den Juden untersagten, christliche Diener zu halten. Diese Verbote zeigen sich besonders bei den Slaven zur Zeit, wo das Ehristenthum und das Judeuthum bei ihnen auftrat. — Auch hier sehen wir Renan aus geringen Thatsachen kühne, aber wenig erwiesene Schlüsse ziehen. Richtig ist, daß das talmudische Gesetz dem Proselytismus abgeneigt ist und sind seine dcssallsigen Vorschriften innerhalb der Religionen, die auf Proselytenmacherei ausgehen, wahrhaft mustergültig, da sic mit fester Hand für den Uebcrtritt zum Judenthum die volle Ueberzeugung und den Weg fall aller persönlichen Motive und Bortheile verlangen. Was die Bekehrung arabischer und abyssinischer Stämme betrifft, so haben sie aus den eigentlichen Körper des Judeuthums gar keinen Einfluß geübt, da diese Stämme abgeschlossen in ihren entlegenen Ländern fortexistirten. Aber die slavischen Völkerschaften? Der einzige Umstand, daß die sämmtlichen polnischen und russischen Juden die deutsche Sprache, wenn auch in sehr verdorbener Art zu ihrer Muttersprache haben, und erst in der Gegenwart Polnisch und Russisch erlernen, stößt die Hypothese Renan s, daß sic meist slavischen Ursprungs seien, völlig um. Es wird dadurch bewiesen, daß die polnischen und russischen Juden von Deutschland gekommen sind; wäre die Mehrzahl, oder auch nur eine Anzahl von ihnen, bekehrte Slaven gewesen, so hätten sie schwerlich die deutsche Sprache geredet. So haben die spanischen Juden bis in unser Jahrhundert hinein in Holland die spanische Sprache gesprochen und geschrieben, und die Spaniolen in i ber Türkei sprechen sie noch. «Schluß folgt.) ’OciXiwx d Kcw. eutschland. wurden im Jahre 1882 1515 Kinder von jüdischen Eltern geboren, was auf die Gesammtzahl von 45,*51 Geburten nur Berlin, 8. Februar. (Privatmitth.) Wie wir bei einer 3,2%, aus macht, so daß also jene oft hervorgehobene Fruchtfrüheren Gelegenheit bemerkten, macht die jüdische Bevölkerung barkeit der Juden sich auch hier nicht bestätigt. Dagegen Berlins nach der letzten Volkszählung 4,8" der Gesammtbetrug die Sterblichkeit nur 2,6%, nämlich von 30,460 Sterbebevölkerung aus. Nach den statistischen Vcrössentlichungen fällen nur 817.