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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-13 · Heft 7 (13.2.1883) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 7 (13.2.1883)
Date
1883-02-13
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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t; ’; 109 versehen. Sie sprechen den seften Borsatz aus, die Cvlonie zu einer der blühendsten des Staates zu machen. — In Ward's Island sind noch 461 Flüchtlinge, unter denen nur 65 Männer, die anderen Frauen und Kinder. Die Männer sind mit Hülfe des Comites eifrig beschäftigt, sich ein Unterkommen zu suchen, um dann die Frauen und Kinder nachzuholen. — Anders lauten folgende Nachrichten, welche wir der „Boss. Z." entnehmen. Bon den aus Rußland in Nordamerika cingewanderten Juden hatte man einen Theil in Minnesota, dem nördlichsten Staate der Union, einen andern in Louisiana, unter einem subtropischen Klima, untergebracht. In der Auswahl dieser Ansiedlungsplätze von ganz entgegengesetzter Beschaffenheit ist man nicht glücklich gewesen. Bon Derils Lake in Minnesota wird der „Ncw-Ulmer Post'' geschrieben, daß die dort untergebrachten russischen Flüchtlinge in der allertraurigsten Lage sich befinden und, in elenden Hütten wohnend, ohne hinreichende Kleidung und Nahrungsmittel der Ungunst des harten Winters erliegen müssen, wenn nicht, was freilich eine sehr schwere Aufgabe ist, schleunigst Maßregeln zu ihrer Rettung getroffen werden. Tie russischen Israeliten, die als Colonisten aus Sicily Island in Louisiana angesetzt waren, wurden vom Fieber so mitgenommen, daß sie nichts für sich thun konnten. Sie kamen alle nach New- Orleans, von wo sie ihren Wünschen gemäß nach New-Aork oder Chicago geschafft wurden. — Da jetzt die Vereinigten Staaten von vielen jüdischen Auswanderern ausgesucht werden, so ist eine richterliche Entscheidung in Betreff der Sonntagsfeier von Jntereffe, die jüngst in New-Pork ergangen ist. Dort hatten jüdische Geschäftsleute, die den Sonnabend als Sabbath feiern, gegen die Polizei, die ihnen den Schluß ihrer Geschäfte am Sonntag ausgab. Einhaltungsbefehle erwirkt. Der Richter setzte aber diese Einhaltungsbesehle außer Kraft und erklärte in seiner Entscheidung: „das Gesetz ist bestimmt und die Strafe hart, aber das Gericht inuß, soweit das Anfertigen und Verkaufen von Waaren in Betracht kommt, erklären, daß kein genügender Grund angeführt worden ist, warum die Israeliten vom Gesetze ausgenommen sein sollten. Der Annahme, daß Personen, die den Sonnabend als Feiertag begehen, den Sonntag nicht zu feiern brauchen,'steht e.ne Entscheidung im Falle der Stadt Shreveport gegen Levy entgegen. Dort war eine Sonntagsverordnung angenommen und bestimmt worden, daß Israeliten, die den Sonnabend als Feiertag begehen, den Sonntag nicht zu feiern brauchten. Das Gericht entschied, daß unter der Verfassung Juden und Christen gleich seien, daß die Gesetze gleiche Anwendung auf sie finden müßten, und daß eine Verordnung, welche der einen Religion einen Vorzug einräume, der der anderen versagt sei, nicht nur die Verfassung, sondern auch die Gesetze verletze und daher ungiltig sei." Bonn, 6. Februar (Notizen.) In London wird jetzt unter dem Protektorat des Prinzen von Wales das erste Conservatorium nach dem Muster der Berliner „Hochschule für Musik" gegründet. Zum Lehrer des Biolinspiels ist ein junger Israelit aus Köln, Herr Richard Gomperz, gewählt worden. — Man schreibt uns aus Brüssel: Gestern verstarb hier nach längerem Leiden Jonathan Raphael Bischoffsheim, Senator und Stadtrath von Brüffel, ehemaliger Direktor der Dangne nationale, Eommandeur des Leopoldordens und Inhaber mehrerer Auswärtigen Orden. Sein Tod erweckt in der Stadt und im ganzen Lande eine tiefe schmerzliche Theilnahme. Neben seiner Bedeutung als Financier hat er auch eine politische Rolle von Wichtigkeit gespielt. 1646 wurde er zum Stadtrath von Brüffel erwählt, erhielt 1661 die große Naturalisation „wegen eminenter, dem Lande geleisteten Dienste" und 1862 wählte ihn Brüssel in den Senat. Ohne Redner zu sein, hatte sein Wort in beiden Körperschaften ein großes Gewicht, da er nur sprach, wenn er wirklich Etwas zu sagen hatte, und das war stets entweder neu oder doch zutreffend. Er leistete dem belgischen Liberalismus große Dienste. So war er einer der Gründer der Ligue de Tenseignement und seinem freigebigen Beistände verdankt man die „Musterschule" von Brüssel. Er übte eine außergewöhnliche Wohlthätigkeit aus, aber möglichst im Stillen, wobei er zugleich vorher genau untersuchte, ob und in welchem Maße die Sache der Unterstützung und Abhülfe würdig sei. Keuilleton. Die kaukasischen Juden. tigams darunter ist, so heißt er Dumor. Am Freitag wird (Fortsetzung.)! im Hause des Bräutigams ein Mahl hergerichtet und die Beim Bräutigam versammeln sich unterdeß im Laufe „Schaffer" ziehen von Haus zu Haus, um die jungen Männer der Woche die Weiber seiner Familie und helfen ihm seine einzuladen. Dieselben erscheinen und essen und trinken bis Hochzeitskleider nähen, wofür er sie bewirthet und mit Kleiin die tiefe Nacht hinein. Am Sonnabend nach dem Morgennigkeiten beschenkt. Am Donnerstag Abend finden sich zwei gebet werden alle Hausbesitzer abermals zum Bräutigam ge- Brautführer („Schaffer", „Marschälle") beim Bräutigam laden; sie erscheinen, werden bewirthet und schmausen bis ein, um von nun an bei ihm zu bleiben. Sie werden Mittag; dann gehen sie und nun kommen die Weiber und Biror genannt, oder wenn zufällig der Bruder des Bräusingen und tanzen bis zum Abend.

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