Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1883)
- Date
- 1883-02-13
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Am Sonntag ziehen alle jungen Leute in den Wald um Holz zu holen, dessen sie bei den Hochzeitsfeierlichkeiten bedürfen. Am Montag versammeln sich alle beim Bräutigam und feiern wieder. Unterdeß sind auch Musikanten zum Fest eingetroffen, welche mit Freuden bewillkommnet werden: jede Frau trägt ihnen ein Gefäß mit Brot entgegen. Am Dienstag findet bei der Braut im Hause ein Mittagessen statt, an welchem alle Einwohner des Dorfes thcilnehmen; die Brüder und der Vater des Bräutigams sind auch dabei; nur der Bräutigam selbst nicht. Nach dem Essen wandert die ganze Gesellschaft zum Bräutigam und holt von ihm alle die Geschenke und Sachen, welche der Braut bestimmt sind. Alles wird feierlich zur Braut getragen. Die vorangehenden Männer tragen Fackeln, eine Frau trägt auf ihrem Kopse einen großen kupfernen Untersetzer, welcher ein Quantum Mehl, zwei Hühner und die Geschenke für die Braut enthält; die anderen Frauen tragen ebenfalls Untersetzer auf dem Kopfe, aber nur mit Brot; dann folgen die Musikanten, dann das übrige Volk mit Fackeln. Alles schreit Hurrah! Alt und Jung tanzt, die Mädchen singen. Aus dem Hause der Braut kommt man ihnen entgegen: das Mehl und die Hühner werden sofort zu einem Imbiß angerichtct. Man spielt, man singt und tanzt den ganzen Tag hindurch. Die Braut wirft sich in die besten Kleider, und hüllt sich in ein seidenes Tuch; die jungen Mädchen singen und tanzen bis zur Mitternacht. An diesem Abend werden der Braut die Hände und Finger mit rother Farbe angestrichen. Am Mittwoch Morgen begeben sich die „Schaffer" in Begleitung der Musikanten in die einzelnen Häuser, um kleine Geschenke an Tabak, Wein, Tüchern u. s. w. zu empfangen. Dann holen sie aus ihren Wohnungen alle diejenigen jungen Frauen ab, welche sich im Laufe des Jahres verhcirathet haben und die bisher noch gar nicht —■ so fordert es die Sitte — ihre Wohnungen verlassen haben, und führen sie zum Bräutigam. Hier wird eine mimische Aufführung arrangirt, bei welcher eine Frau die Rolle eines Mannes spielt. An diesem Mittwoch müssen Braut und Bräutigam fasten. Dann wird dem Bräutigam das Haupthaar geschoren, worauf er ein Roß besteigt und mit seinen gleichfalls berittenen Freunden herumsprcngt — wo er vorüberreitet, wird er mit Mehl beworfen. Die ganze Gesellschaft, der Bräutigam voran, reitet zum Fluß; der Bräutigam badet sich und nun legen ihm die Genossen hochzeitliche Gewänder an, streuen ihm zur Erinnerung an die Trauer um den Fall Jerusalems Asche auf das Haupt und singen mit wehmüthiger Stimme den Psalm Tavid's 137. Auch die Braut nimmt gleichzeitig ein Bad. entweder auch im Flusse oder in einer zu eigens solchem Zwecke hergerichteten Badstube, „Mikwa". Am Flusse nehmen die Genossen einen Imbiß, doch betheiligt der Bräutigam sich nicht dabei. Nun inacht sich alles bereit zur Heimkehr. Da fragt der Bräutigam: Wer will zuerst der Braut die Kunde bringen, daß ich fertig bin? Zwei oder drei sprengen in Windeseile wie Pfeile voraus zur Braut. Ter erste, der die Braut erreicht, erhält als Lohn ein seidenes Tuch, welches er seinem Rosse um den Hals bindet, zugleich wird ein Ei an der Stirn des Pferdes zerschlagen, um daffelbe vor dem bösen Blick zu bewahren. Der zweite und dritte, welche die Braut erreichen, empfangen je ein Huhn und einen Krug Wein. Sobald der Bräutigam mit seinen Genossen das Dorf betreten hat, so kommen ihm alle Einwohner entgegen; sie bringen Wein und Hammelfleisch, bcwirthen die Genossen und trinken mit ihnen auf das Wohl des Bräutigams; Frauen, welche der Familie des Bräutigams angehören, kommen besonders mit Untersetzern, gefüllt mit ungesäuertem Brote, auf dem Kopfe, dazwischen sind Lichte dem Brote angeklebt: einige Fraueu halten Lichte in den Händen. Unter diesen Frauen ist auch die sogenannte „Enga", d. i. die Schwester, oder eine nahe Anverwandte des Bräutigams; sie hat die Aufgabe, dem Bräutigam zur Seite zu stehen mit einem Lichte in der Hand und dabei zu singen: ..oi atl.-in, atlan gimv, Tcmh-Chan all an jjiow“. Tie Frauen beginnen nun vor dem Bräutigam zu tanzen. Dann tritt der Rabbiner mit seinem Schülereorps ein und läßt ein Hochzeitslied singen: Israeliten, singt ein Lied zu Ehren des Bräutigams! Ter Bräutigam erfreut sich seiner Braut, und die Braut des Bräutigams, Hallclujah! Hallclujah! Ter Bräutigam leuchtet wie der Morgenstern und die Braut ist schön wie eine Königin! Mögen sie beide Morgens und Abends leuchten immerfort unter dem Volk der Israeliten! u. s. w. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Twerden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst JLJJLöCX d# l»v? folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Für ein Mädchen, Jüdin, von angen. Aeuß., vorzügl. Wirthin u. sich für jedes Geschäft eignend, mit 15<*o Mk. wird eine passende Partyie gesucht. Handwerker u. Wittwer nicht ausgeschlossen. Adr. süb A. B. 1052 an Rudolf Mosse, Leipzig erbeten. [1952) Höhere Töchterschule und Pensionat. I Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann zu jeder Zeit erfolgen. > Geschwister Sobernheim, Bingen a. Rh. [f. ^836] I