Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1883)
- Date
- 1883-02-13
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Zeit, wo die allgemeine Wohlthätigkeit in so hohem Grade durch die russische Emigration in Anspruch genommen war. Da der Lehrerstand sich vorzugsweise aus der ärmeren Klasse rekrutirt, so können die Seniinarien aus Schüler nur dann rechnen, wenn sür diese ausreichende Unterstützungen vor handen sind. Die Art, wie in vergangenen Zeiten die sog. Bocherim unterhalten wurden, kann jetzt nicht mehr ausgeführt werden, und war stets so kümmerlich, daß das gegenwärtige Geschlecht nicht damit auskommen kann. Aus diesem Gedanken ist der gedachte Verein vor drei Jahren hervorgegangen. Die Leistungen desselben während dieses kurzen Zeitraums sind sehr anerkennenswerth. Er hat ein Internat sür 12 Schüler eingerichtet, welche daselbst in sehr passenden geräumigen Lokalitäten unter Aussicht eines Lehrers volle Pension erhalten. Für 19 andere Schüler wird noch in den bisherigen anderen Pensionen gesorgt. Es versteht sich, daß der Verein bedacht ist, sowie seine Mittel anwachsen, das Internat zu erweitern. Es soll hieran schon im nächsten Frühjahr gegangen werden. Der Verein zählt bereits 247 Beitragende in der Stadt Hannover und 273 auswärtige. Die Einnahmen betrugen M. 12,151, wovon die Ausgaben bestritten, M. 1330 angelegt, und M. 531 in Kassa behalten wurden. Der eiserne Fond beläuft sich bereits aus M. 4362. Zu bemerken ist, daß auch schon drei besondere Stiftungen mit dem Vereine verbunden sind, so namentlich die „Profeffor Frensdorfs-Stiftung", die jetzt M. 1465 besitzt und auf die wir die ehemaligen Schüler des hochverehrten Mannes, zu besten dauerndem Andenken die Stiftung bestimmt ist, aufmerksam machen. Oesterreich-Ungarn. Wien, Ende Jan. (Privatmitth.) Es thut einem ordentlich wohl, von anderen Dingen als von gehässigen Wühlereien berichten zu dürfen, und die Gewißheit zu empsinden, daß die Menschheit durch jene nicht stille steht in ihren eivilisirten und Humanitären Arbeiten. Ter ..Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" hat seinen 40sten Jahresbericht ausgegeben. Zur Einleitung schreibt der Vorstand: „Es ziemt sich wohl, dem vierzigsten Jahresberichte unseres Vereines einige Begleitworte anzuschließen und einen kurzen Blick zu thun auf sein Schassen und Wirken während der vier Tecennien seines Bestehens. Wenn wir bedenken, daß der Verein bei seiner Gründung (1841) im Ganzen sage neun jüdische Knaben und im verflossenen Jahre deren 624 unter seiner Obhut hatte, daß er in dieser Zeit Tausende von armen, verlassenen, meist verwaisten Kindern, die ohne ihn verkommen wären, ausgenommen, unterstützt und herangebildet, daß von Fünfzehnhundert seiner einstigen Zöglinge der größte Thcil als selbständige Handwerker, als geachtete wohlhabende Bürger in allen Theilen des In- und Auslandes, ja selbst über den Ocean ihren Erwerb gefunden, dann können wir mit Recht und Befriedigung sagen, der Verein hat die übernommene Mission voll und ganz erfüllt. Bon seiner Gründungszeit an, wo der Borwurf der Arbeitsscheu unsere Glaubensgenossen nur zu oft traf, wo die Theilnahme am Handwerke den Juden Oesterreichs erschwert, wenn nicht verwehrt wurde, hat er stets in treuer Befolgung seiner Tendenz Handwerker zu bilden gesucht, und in glänzender Widerlegung jener Ansicht auch thatsächlich gebildet. So sind auch im abgelaufenen Jahre 624 Knaben gegen 555 im Vorjahre unter Leitung des Vereins gestanden, 227 — gegen 205 im Vorjahre — haben neuerdings bei ihm Schutz gesucht und auch gefunden, und 72 sind als tüchtige Handwerkergesellen freigesprochen worden. Zum Jahresschluß verblieben demnach 446 gegen 392 Ende 1881 als Zöglinge des Vereines, worin jedoch die von der Alliance israelite zur Unterbringung bei einem passenden Handwerke ihm zugewiesenen, als Ausländer nicht inbegriffen sind." Diese einfachen Zahlen sprechen gewiß eine laute, eindringliche Sprache! Tie Einnahmen betrugen 1882:10,036 Ft., die Ausgaben in : 10,518 Fl. Es mußte also wieder ein, wenn auch kleines Defizit aus dem Reservefond gedeckt werden. Das Vermögen des Vereins besteht in 96,375 Fl. — Das „Allgemeine Oesterreichische Israelitische Taubstummcn-Jnstitut" unter der Leitung des K. Raths Deutsch hat seinen 29. Bericht veröffentlicht. Das als mustergültig bekannte Institut hatte in diesem Jahre 91 Zöglinge. Tief zu bedauern ist es, daß demselben nicht so viele Mittel zufließen, um alle die unglücklichen Kinder aufzunehmen, welche die Aufnahme nachsuchen. So mußte im Jahre 1882 von 29 Bittstellern „wegen Mangel nöthigen Fonds" 16 zurückgewiesen werden! Wir dürfen dies den Wienern nicht zum Borwurf machen, wohl aber den Juden aus den Provinzen, welche noch immer ihre Spenden zurückhalten! Bei einem Saldo von 1881 im Betrage von 2613 Fl. waren die Einnahmen 36,410 Fl., von den 3762 Fl. in Casta blieben. Unter den 91 Zöglingen befanden sich 57 Knaben 34 Mädchen. Von ihnen waren 56 taubstumm geboren und zwar 35 Knaben und 21 Mädchen. Unter diesen 56 waren 14 Kinder aus Berwandtschaftsehen, 24 waren durch Krankheiten taubstumm geworden, und 11 durch Sturz. Tie Leistungen dieses Instituts sind längst anerkannt, und bewährten sich auch bei der öffentlichen Prüfung, welcher viele Notabilitäteu, auch der Kultus- und Unterrichtsminister anwohnten. Wien, 28. Januar. Tie Petitions-Commission des österreichischen Abgeordnetenhauses hat die Petition des