Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-13 · Heft 7 (13.2.1883) · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 7 (13.2.1883)
Date
1883-02-13
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227455--40578-3308978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

105 Sei/l*uii cj >vaao fji'icfj l'evu Deutschland. lands auch von den Christen die Hochzeit am Sonntag gefeiert wird, und zwar weil dadurch Arbeit und Geschäft, be- Berlin, 1. Februar. (Privatmitth.) Die Berliner Zeisonders für die Gäste nicht gestört werden. Uebrigeus haben tungen enthalten folgende Mittheilung: „Zum Antrag der die Juden die Hochzeitsfeier am Sonntag erst von den Deutsch-Konservativen auf Abänderung der Eidesleistung theilt Christen angenommen. Denn vor einem halben Jahrhundert ein Leipziger Blatt eine Aeußerung des Generalstaatsanwalts war es bei den Juden noch durchgängig Sitte, die Hochzeit Dr. v. Schwarze mit, der sich privatim dahin ausgesprochen, : am Mittwoch und seitens Wittwer und Wittwen am Tondaß diese Forderung der Christlich - Socialen und Genoffen! ncrstag zu feiern. niemals Gesetz werden könne. Auch Herr Stöcker hat inj — Eine am Montag Abend im Eiskeller-Etablissement einer Versammlung der christlich-socialen Partei erklärt, daß; (Chausseestraße) stattgehabte Arbeiter - Versammlung wurde in diesem Punkte seine Ansicht von der des Prediger Hapke; polizeilich aufgelöst. Maurer Conrad polemisirte gegen die differire." Wenn das Letztere wahr ist, so hat Stöcker einmal! Einführung obligatorischer Arbeitsbücher, worauf die Berwieder seine Ansicht geändert, denn vor Kurzem, wie sich Sammlung eine in diesem Sinne gehaltene Resolution accepunsre Leser noch erinnern werden, erklärte er den Prediger j tirte. Alsdann sprach er über die politischen Parteien und Hapke für den „Löwen des Tages" — eine Bezeichnung, die! bemerkte: die Arbeiter könnten sich weder der konservativen, für einen Geistlichen nicht sehr angemessen scheint. Run, es J noch der Fortschrittspartei anschließen. Aber auch vor der zeigt sich wohl, daß jener Antrag zu ungeschickt gestellt ist,!Partei der Christlich-Socialen müsse er warnen. Die Partei um auf irgend welchen Erfolg rechnen zu dürfen. > der Christlich-Socialen sei lediglich die Schleppenträgerin der In der That ist es jetzt zur allgemeinen Sitte geworden, bei jedem Gegenstände, und mag er noch so fern liegen, die Juden in die Diskussion hineinzuziehen. Tics erfuhr man wieder in der Sitzung des deutschen Reichstages vom 30. Jan. Auf der Tagesordnung stand der Antrag Lingen's, an Sonn- und Festtagen Waarenproben, Drucksachen, Packete, Geld- und Werthsendungen vom Postdienst auszuschließen, und Telegramme mit einem Aufschläge von 20 Pfennigen zu belegen. finsteren Reaktion. Ter Führer dieser Partei, Herr Hofprediger Stöcker, dessen Beruf es wäre, Frieden zu predigen, habe nur Unfrieden gesäct. (Stürmischer Beifall.) Herr Stöcker wolle durch eine Judenhetze die Arbeiter gewinnen; denkende Arbeiter würden sich durch derartige Kniffe nie bethören kaffen. (Stürmischer Beifall.) Die Arbeiter erstrebten lediglich ein menschenwürdiges Dasein, sie verlangten die Gleichheit aller Menschenrechte und würden sich deshalb niemals Bei der Begründung seines Antrags muß Lingen die jüdij zu Religions- oder Racenhetzen gebrauchen lassen. (Stürschen Hochzeiten, die am Sonntag gefeiert werden, heran-! mischer Beifall.) Tie Arbeiter müßten sich deshalb von all' gezogen haben. Aus den uns bis jetzt vorliegenden Berichten' den bestehenden politischen Parteien lossagen und sich selbstkönnen wir dies nicht ersehen, wohl aber aus der Antwort ständig organisiren. Darum rufe ich Ihnen zu: Auf Ardes Staatssekretärs im Reichspostanit, Di-. Stephan. Er sagte beiter, auf, schließt die Reihen, der Feind naht . . . Bei diesbezüglich: „Man hat gesagt, daß namentlich die israeli-- diesen Worten erfolgte die Auflösung, woraus die Verfamm tischen Staatsangehörigen ihre Geschäfte und insbesondere - lang in aller Ruhe auscinanderging. auch die Hochzeiten auf den Sonntag verlegen. Nun, meine! — In antisemitischen Blättern wird behauptet, die Herren, ist das allerdings richtig, daß bei jeder jüdischen städtische Schulverwaltung begünstige vorzugsweise die An- Hochzeit sehr bedeutende Telegramme Vorkommen, und zwar' stellung jüdischer Lehrerinnen an den städtischen Gemeiudein der Regel 70 bis 100 zu der einzelnen Hochzeit. (Heiter-!'schulen. Wie es damit steht, ergeben folgende Zahlen: Am keit.) Das ist aber doch ein Zeichen eines innigen Familien-! 31. Dezember 1382 waren an sämmtlichen städtischen Gelebens, es zeigt den engep Zusammenhang des Familienmeindeschulen angestellt «'>03 Lehrerinnen, hiervon gehörten lebens. Außerdem ist mir bekannt, daß in vielen Gegenden! der evangelischen Konfession , der katholischen 41 und Deutschlands der Brauch besteht, auch die christlichen Hochder jüdischen 33 an. — Zur Richtigstellung fügen wir hinzu: Zeiten auf den Sonntag zu legen, und das Heiraihen ist Rach obigen Angaben machen die jüdischen Lehrerinnen 5 pCt. doch am Ende kein Gott ungefälliges Werk. (Heiterkeit.» der Gesammtzahl aus. Rach der letzten Volkszählung belief Wenn vr. Stephan von „jeder jüdischen Hochzeit" spricht, so sich die Gesammtbevölkerung Berlins auf 1,122,5« 4 und die ist dies selbstverständlich übertrieben, und kann nur bei wohl jüdische auf 53.94l>, was 4,^pCt. ausmacht. Tie Zabl der habenden Familien gelten. Die Mehrzahl, welche die kleinen jüdischen Lehrerinnen kommt also dem nnmerischen Bevölke- Leuie bilden, hat dazu doch kein Geld übrig. Richtig ist es, rungsverhältniß so gut wie gleich. daß in vielen, wahrscheinlich den meisten Gegenden Deutsch Bonn, 2. Februar. (Privatmiith,» Am 23. Februar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.